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Schuldenkrise

Unionspolitiker kritisieren Rettungspaket für Griechenland

23.02.2012 | 10:21 Uhr
Unionspolitiker kritisieren Rettungspaket für Griechenland
Noch ist unklar, ob das Rettungspaket für Griechenland tatsächlich kommt. In der Regierungskoalition regt sich Widerstand.Foto: ap

Berlin.  Auf europäischer Bühne ist das Rettungspaket für Griechenland in trockenen Tüchern, doch innerhalb der Regierungskoalition regt sich Widerstand: Mehrere Politiker aus Union und FDP lehnen das Rettungspaket ab. Sie fordern, Griechenland müsse zunächst die Auflagen erfüllen, bevor weitere Gelder freigegeben werden.

Wenige Tage vor der Bundestagsabstimmung Griechenland haben weitere Koalitionsabgeordnete ihren Widerstand angekündigt. Der CDU-Haushaltspolitiker Klaus-Peter Willsch und der FDP-Abgeordnete Frank Schäffler sagten, sie würden am Montag dem Rettungspaket nicht zustimmen. Die SPD warf der Bundesregierung vor, die Bürger mit geschönten Zahlen über die Höhe der Griechenland-Hilfe zu täuschen.

"Hoffentlich folgen möglichst viele meiner Kollegen der Forderung des Bundes der Steuerzahler", sagte Willsch laut einem Bericht von Handelsblatt Online vom Mittwoch. "Ich werde Griechenland II auf keinen Fall zustimmen." Zuvor hatte bereits der CDU-Abgeordnete Wolfgang Bosbach sein Nein angekündigt.

Hat Griechenland seine Auflagen erfüllt?

Willsch verwies darauf, dass den skeptischen Abgeordneten im Mai 2010 versprochen worden sei, Geld gebe es nur gegen die Erfüllung harter Auflagen . "Nun wurden und werden diese Auflagen von Griechenland nicht erfüllt, Geld gibt es aber trotzdem", kritisierte das Mitglied im Haushaltsausschuss. Das sei Konkursverschleppung oder gar Untreue. Der CDU-Politiker plädierte für einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone.

Der Bundestag stimmt am Montag über die Entscheidung der Eurozonen-Finanzminister ab, weitere Hilfen von 130 Milliarden Euro für das hochverschuldete Griechenland zu leisten. Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Karl Heinz Däke, hatte den Bundestag aufgerufen, das neue Hilfspaket abzulehnen.

Euro-Skeptiker Frank Schäffler lehnt weitere Milliardenhilfen für Griechenland ab

Rating-Agentur Fitch auf die schlechteste Note vor einem Zahlungsausfall sagte auch der FDP-Abgeordnete Schäffler, er lehne weitere Milliardenhilfen strikt ab. "Ich werde unter den gegebenen Voraussetzungen nicht zustimmen", sagte Schäffler den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" (Donnerstagsausgabe). Die Annahmen über die künftige Entwicklung in Griechenland, die dem Rettungspaket zugrunde gelegt würden, seien viel zu positiv, fügte Schäffler hinzu.

Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Carsten Schneider, kritisierte in der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagsausgabe), in den öffentlichen Verlautbarungen der Regierung sei stets davon die Rede, dass das zweite Paket Kredite im Umfang von 130 Milliarden Euro umfasse. Tatsächlich seien es aber 165 Milliarden, da aus dem ersten Programm noch rund 35 Milliarden Euro übrig seien. Anders als zunächst behauptet verfielen diese nicht, sondern würden ins zweite Paket übernommen.

Aus Schneiders Sicht spricht Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dennoch weiter von 130 Milliarden, da er bei der Bundestagsabstimmung sonst um eine eigene Mehrheit der Koalition fürchten müsste. Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, sagte in der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstagsausgabe), bei der Abstimmung benötige Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eine eigene Mehrheit. "Sonst ist sie gescheitert."

Oppermann rechnet mit einer Mehrheit innerhalb der SPD-Fraktion

Die SPD werde "verantwortlich entscheiden", sagte Oppermann. Er rechne mit einer Mehrheit innerhalb seiner Fraktion. Die Entscheidung für ein Hilfspaket sei nicht einfach. "Die Alternative wäre jedoch, dass Griechenland bankrott geht und die Eurozone verlässt. Dieses Szenario birgt erhebliche Ansteckungsgefahren und unüberschaubare Risiken. Wenn Europa zurück in nationalstaatliches Handeln fällt, gibt es nur Verlierer." Griechenland könne die Hilfe nicht versagt werden.Angesichts der Rückstufung Griechenlands durch die Rating-Agentur Fitch auf die schlechteste Note vor einem Zahlungsausfall lehnt der FDP-Abgeordnete Frank Schäffler weitere Milliardenhilfen für das Land strikt ab.

"Ich werde unter den gegebenen Voraussetzungen nicht zustimmen", sagte Schäffler den "Ruhr Nachrichten" (Donnerstagausgabe). Die Annahmen über die künftige Entwicklung in Griechenland, die dem Rettungspaket zugrunde gelegt würden, seien viel zu positiv. "Wir werden schon in Kürze über ein drittes Griechenlandpaket sprechen", fürchtet der FDP-Finanzexperte.

Auch aus der Union regt sich Widerstand. CDU-Politiker Wolfgang Bosbach hat sein Nein bei der geplanten Bundestagsabstimmung am kommenden Montag bereits angekündigt.

Haushaltspolitiker üben Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel

Kurz vor der Abstimmung über das zweite Griechenland-Paket hat die SPD Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeworfen, die Bürger über den wahren Umfang des neuen Hilfsprogramms zu täuschen. Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Carsten Schneider, sagte der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe), in den öffentlichen Verlautbarungen der Regierung sei stets von 130 Milliarden Euro die Rede. Tatsächlich seien es aber 165 Milliarden Euro, weil aus dem ersten Griechenland-Programm noch rund 35 Milliarden Euro übrig geblieben seien. Anders als zunächst behauptet, verfielen diese nun aber nicht, sondern würden ins zweite Paket übernommen, erklärte Schneider.

von 130 Milliarden Euro , weil er bei der Bundestagsabstimmung am Montag sonst um eine eigene Mehrheit der Koalition fürchten müsse. "Nun wird versucht, das Volumen durch die Hintertür aufzustocken. Es wird höchste Zeit, dass die Bundeskanzlerin vor dem Bundestag und der Öffentlichkeit die wahren Kosten und Risiken offenlegt", forderte der SPD-Haushaltsexperte. Der "Bild"-Zeitung sagte Schneider: "Die Kanzlerin versucht mit geschönten Zahlen zu Griechenland eine Zustimmung des Bundestages zu erreichen. Wenn sie in dieser zentralen Frage keine eigene Mehrheit hat, ist sie politisch gescheitert."

Vertreter der Koalition wiesen Schneiders Kritik zwar zurück, zeigten sich zugleich aber überrascht, dass die verbliebenen 35 Milliarden Euro statt über bilaterale Kredite der Euro-Länder nun über den Rettungsfonds EFSF finanziert werden sollten. "Das heißt ja, dass die Mittel des EFSF entsprechend sinken und weniger Geld für andere Dinge zur Verfügung steht", sagte der Haushaltsexperte der Union, Norbert Barthle, der "Süddeutschen Zeitung". Ähnlich äußerten sich demnach auch seine Kollegen Otto Fricke (FDP) und Priska Hinz (Grüne). Der Haushaltsausschuss im Bundestag soll am Freitag über das zweite Griechenland-Paket informiert werden. (rtr, dapd, afp)

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Kommentare
23.02.2012
20:49
Blockierter Kommentar.
von endbureaucrazybullies | #11

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

23.02.2012
20:45
Unionspolitiker kritisieren Rettungspaket für Griechenland
von meinemeinungdazu | #10

Und was passiert nun mit den anderen Pleitegeiern? Portugal, Ungarn, Spanien, Slowenien etc. Das kann nicht gutgehen. Griechenland kann nicht gerettet werden, da es ein Fass ohne Boden ist. Und auch die deutschen Schulden steigen und steigen: weit über 2 Billionen Euro. Wo soll das hinführen? Die Bürger sollten schnellstens in Sachwerte oder gute Fremdwährungen investieren. Der Euro wird es nicht überleben.

23.02.2012
18:56
Unionspolitiker kritisieren Rettungspaket für Griechenland
von Rally8 | #9

Das Problem wird nicht kleiner, ganz im Gegenteil. Von einer Teil-Rettung zur Nächsten wird die Dimension größer. Und dann der Wahnwitz: Nach der gleichzeitigen Festigung von Italien, Portugal und Spanien will man GR aus dem Euro bitten und auf die Drachme abwerten. Nur dann sind auch die bisherigen Rettungsleistungen weg. Also eigentlich sind die auch schon jetzt weg. Und was dann noch da ist, nämlich die Wahrheit will man uns lieber noch nicht sagen!

23.02.2012
13:28
Unionspolitiker kritisieren Rettungspaket für Griechenland
von wohlzufrieden | #8

Merkel gehört zu Lebenslänglich Gyros verurteilt...

1 Antwort
Unionspolitiker kritisieren Rettungspaket für Griechenland
von Pit01 | #8-1

Seit wann dieser Humor?

23.02.2012
13:12
Unionspolitiker kritisieren Rettungspaket für Griechenland
von dummmberger | #7

Es ist ja immerhin ein Fortschritt, dass das Tabu, über Europapolitik zu diskutieren, anscheinend aufgehoben wurde.
Aber bis die ganze Wahrheit auf den Tisch kommt, müssen wir wohl noch lange warten.

Was man den spärlichen Informationen aber schon heute entnehmen kann, ist folgendes:

Weder Deutschland noch der Rest der EU versuchen, Griechenlands Pleite aus lauter Mitleid oder Gut-Menschentum zu vermeiden.
Wenn die Insolvenz wirklich kommen sollte, zahlen dafür alle, bei denen Griechenland Geld geliehen hat, das sind Banken, Versicherungen und nicht zuletzt Staaten.
Warum sonst sollten sich die privaten Gläubiger mit einem Schuldenschnitt von real 74 Prozent einverstanden erklären?

Ein Ausscheren Griechenlands aus dem Euro sollte kein Tabu sein, ist aber auch kein Allheilmittel. Auch damit wären die Schulden ja nicht über Nacht verschwunden. Auch dann wäre ein radikaler Schuldenschnitt nötig, der uns alle viel Geld kostet.
Für die Griechen könnte das allerdings wirklich die b

1 Antwort
Unionspolitiker kritisieren Rettungspaket für Griechenland
von dummmberger | #7-1

essere Lösung sein, da man dann versuchen könnte., aus eigener Kraft und nicht durch Vorgaben aus Deutschland, das Land wieder auf Kurs zu bringen.
Es wäre zumindest eine ganz andere Motivation als jetzt.

23.02.2012
12:33
Unionspolitiker kritisieren Rettungspaket für Griechenland
von unwitz | #6

In einigen Medien hat sich ja erfreulicherweise schon ein Sinneswandel vollzogen. Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone scheint kein Tabu mehr zu sein. Dies müsste sich jetzt auch bei den politischen Entscheidungsträgern durchsetzen.

Aber wie ein Mitkommentator schon richtig andeutete, haben wir es bei europapolitischen Fragen mit einer großen lagerübergreifenden Koalition zu tun, für die Europa eine Einbahnstraße in Richtung "Integration" ist.

Trotzdem - oder gerade deshalb - ist der Mut der "Abweichler" hoch anzurechnen.

23.02.2012
12:17
Unionspolitiker kritisieren Rettungspaket für Griechenland
von dumper | #5

Wow,die Hinterbänkler mucken auf,nachdem der kleine 2% Ritter Rösler bei der BP-entscheidung Mutti von hinten durch die Brust ins Auge gepiselt hat, wittern die etwa Morgenluft !
Ich glaube aber eher wenn Mutti die ganz pöse anguckt senken die ihr Haupt und sind ruhig wie es sich für artige Kindlein gehört .

23.02.2012
12:11
Unionspolitiker kritisieren Rettungspaket für Griechenland
von holger1949 | #4

Frau Merkel stürzt Deutschland mit ihrer Klammeraffenmentalität für Europa in den Bankrott. All die Länder, die in die EU kamen, Ungarn, Slowenien etc. sind Pleitegeier.
Die Politiker dieser Länder legten falsche Daten auf den Tisch um in die EU aufgenommen zu werden und freuen sich auf die deutsche Kuh. Und jetzt ist das Gejammere groß. Die Griechen müssen den Mut haben zu sagen, wir gehen raus aus dem EURO und in die Drachme zurück, werten ab und sind wieder voll dabei.

23.02.2012
11:47
Unionspolitiker kritisieren Rettungspaket für Griechenland
von B.Schmitz | #3

Hoffentlich fallen die Neinsager nicht wieder um wenn Mutti ein Machtwort gesprochen hat. Wenn die nicht dafür bist, bekommst du den oder den Posten nicht und schon hat man aus den Neinsagern wieder einen Jasager gemacht. Wir Steuerzahler sollten darüber entscheiden denn es sind unsere Steuergelder die die Regierung verschleudert.

23.02.2012
11:45
Unionspolitiker kritisieren Rettungspaket für Griechenland
von Klare-Kante-Komiker | #2

Das Elend an dieser Sache ist, es gibt keine Alternative als die Griechen zu stützen.
Selbst ein totaler Verzicht auf alle monetären Forderungen würde den dortigen Menschen nichts nützen.
Denn Griechenland wäre auch dann nicht mehr in der Lage Renten, Pensionen und Gehälter zu bezahlen.
Verelendung ganzer Schichten wäre die Folge. So ist es eine Rosskur die der "Patient Hellas" hoffentlich überlebt.

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