"Union rennt mit Gorleben gegen die Wand"
10.09.2009 | 11:37 Uhr 2009-09-10T11:37:00+0200
Essen. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) attackiert im NRZ-Interview Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und wirbt für eine neue Endlagersuche. "Die Union muss endlich einsehen, dass sie mit Gorleben und ihrer Endlagerstrategie gegen die Wand rennt", sagt Gabriel.
Wie brisant sind die aktuellen Enthüllungen zu Gorleben, Herr Gabriel?
Sigmar Gabriel: Frau Merkel hat zum zweiten Mal nach der Schwarzgeldaffäre Grund, sich von Helmut Kohl zu distanzieren. Die Schönung der Gorleben-Gutachten unter der Regierung Kohl betrifft den Kern der Endlager-Debatte. Wenn politisches Interesse wissenschaftliche Erkenntnisse trübt, steht die Sicherheit für Mensch und Umwelt auf dem Spiel.
Ist Gorleben jetzt als potenzielles Endlager endgültig tot?
Gabriel: Die Union muss endlich einsehen, dass sie mit Gorleben und ihrer Endlagerstrategie gegen die Wand rennt. Ob über 2015 hinaus Erkundungsrechte von den dortigen Grundstücksbesitzern zu bekommen sind, ist sehr unwahrscheinlich. Dazu bliebe ausgerechnet Union und FDP als Hüterinnen der freien Marktwirtschaft nur das Mittel der Enteignung. Das wird es mit der SPD nicht geben.
Für die Erkundung sind Hunderte Millionen Euro geflossen, offenbar wider besseren Wissens. Das riecht nach Veruntreuung. Ein Fall für den Staatsanwalt?
Gabriel: Das kann ich nicht beurteilen. Die Kosten tragen nicht die Steuerzahler, sondern die Energiekonzerne, die mit Atomstrom Milliarden verdienen.
Brauchen wir einen Untersuchungsausschuss?
Gabriel: Wir haben bereits einen Untersuchungsausschuss im niedersächsischen Landtag zur Schachtanlage Asse, die thematische Verbindungen zu Gorleben hat. Jetzt kurz vor Ende der Legislaturperiode einen Untersuchungsausschuss im Bundestag zu fordern, wäre relativ albern. Nach der Wahl muss man sehen.
Sie waren zwischen 1999 und 2003 niedersächsischer Ministerpräsident. Hätten Sie nicht auch Kenntnis von den Vorgängen haben müssen, die jetzt bekannt geworden sind?
Gabriel: Nein. Die Akten lagen ja nicht in Hannover, sondern bei einer Bundesbehörde, dem heutigen Bundesamt für Strahlenschutz. Die von mir geführte Landesregierung hat sich nicht für, sondern gegen Gorleben engagiert.
Fällt Gorleben als Endlager aus, wohin mit dem Atommüll? Er kann nicht ewig zwischengelagert werden.
Gabriel: Wir brauchen ein ergebnisoffenes Standortsuchverfahren, das auch mögliche Standortregionen in anderen Teilen des Landes einbezieht. Ich räume ein, dass die Zeit drängt. Aber mit dem von mir vorgeschlagenen Verfahren könnten wir etwa 2035 bis 2040 ein Endlager betriebsbereit haben.
Krümmel, Gorleben, Asse - man hat nicht den Eindruck, als nähmen die Verantwortlichen die Risiken der Atomenergie ernst.
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Gabriel: Mit Atommüll ist in der Vergangenheit viel Schindluder getrieben worden. Die Union hat sich in den vergangenen Jahren als parlamentarischer Arm der Atomlobby aufgeführt. Alles musste möglichst billig sein, Warnungen von Wissenschaftlern wurden in den Wind geschlagen.
Brauchen wir nicht doch einen noch schnelleren Atom-Ausstieg?
Gabriel: Wir kämpfen jetzt darum, den vereinbarten Ausstieg zu halten. Das aktuelle Ausstiegszenario sorgt für eine gesellschaftliche Befriedung der Atomdebatte in unserem Land. Frau Merkel hingegen sorgt mit ihrem Festhalten an Gorleben und der Forderung nach mehr Atomkraft für die Wiederbelebung dieses gesellschaftlichen Großkonflikts.

05:29
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20:43
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19:33
Lass doch die Union weiter vor die Wand laufen. Wenn es ganz, ganz weh tut, dann hörn`se ganz von alleine auf...
18:45
Oho wie jetzt wieder alle CDU-Fans auflaufen und schnell wieder versuchen die Schuld von der CDU,die Pro-Atomkraft ist,auf die SPD zu schieben, wobei die doch für den Ausstieg ist.
SIe winden sich ja wie Schlangen.
17:38
@28
Gerade Plutonium wird für den Bau von Atombomben
verwendet. Greenpeace hat gezeigt wie sicher, die Gelände der Atomkraftwerke sind. Ca. 30 Aktivisten konnten ohne Waffengewalt den Reaktor besetzen. Ich möchte nicht wissen wenn Terroisten diesen Reaktor mit einer Bombe besetzt hätten, was dann geschehen wäre.
13:25
@27: Gerade in der Wiederaufbereitung wird atomwaffenfähiges Plutonium in Brennelemente eingebracht und somit dem Zugriff von Atombombenbauern entzogen!
@24: Dann erzähle mal Deinen Kindern / Enkeln, warum Eisbär Knut mangels Eis am Nordpol ersoffen ist... Der Strom muss ja irgendwoher kommen, wenn nicht aus AKWs, dann eben aus fossilen Kraftwerken (Sonne und Wind können keine Industrienation wie Deutschland vollumfänglich versorgen!)
12:25
@18
Hallo,
erst informieren dann schreiben, sie Punkt 50 und:
http://100-gute-gruende.de/lesen.xhtml
Dann sehen sie auch warum.
12:23
Lieber Moderator warum steht unter den Kommentaren
Bitte Erklärung gegen Atomkraft unterschreiben ???
Das nennen Sie objektive Berichterstattung
Die Anzeige hat hier doch wohl nichts zu suchen
Ich sehe das als Beleidungung der Kommentatoren dieses Artikels
12:16
Gabriel sollte schweigen. Als Minister hätte er frühzeitig eingreifen müssen. Er hat Mitschuld. Größte Schuld an den tickenden Zeitbomben in Asse, Gorleben und Morsleben hat allerdings Frau Merkel. Scheinbar war sie damals überfordert und hat falsche Entscheidungen unter Kohl getroffen. Heute stellt sich sogar heraus, das Gutachten politisch gefälscht wurden. Ein Skandal. Jetzt bekommt die CDU die Quittung bei den Wahlen. Merkel hat keine Lösungen und Antworten. Die Bürger sind besorgt, wenn man nichtmals weiß, ob 15 oder 30 kg Plutonium eingelagert sind. Ganz Europa könnte verseucht werden. Weg mit dem Teufelszeug. Und wer bezahlt??? Wieder die Bürger! Ein nochmaliger Skandal!
11:50
Einige Leute, unabhängig ob Links, Mitte oder Rechts, sollten sich Ihre Kommentare für ihre Kinder und Enkelkinder merken, wenn von denen die Frage kommt : Was habt ihr bloss bei diesen Atomkraftwerken gedacht?