Unfallflucht auf neuem Höchststand

An Rhein und Ruhr..  Verkehrsexperten schlagen Alarm. Die Zahl der Fälle von Unfallflucht hat nach einem kontinuierlichen Anstieg in den vergangenen fünf Jahren einen neuen Höchststand erreicht. Der Autoclub von Europa ermittelte bei den Polizeibehörden der Länder für das vergangene Jahr erstmals mehr als eine halbe Million Anzeigen von Geschädigten. Nach den jüngsten Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes, die der NRZ vorliegen, wurden im Jahr 2013 mit 37 000 Personen wieder zwei Prozent mehr überführte Flüchtige in das Zentralregister in Flensburg neu eingetragen.

Nach den offiziellen Zahlen entfernt sich inzwischen bei mehr als jedem fünften Unfall der Verursacher vom Tatort. In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Anzeigen seit 2009 um über sechs Prozent auf knapp 120 000 gestiegen. Dazu kommt die Dunkelziffer nicht angezeigter Fälle. Hochrechnungen gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl von volkstümlich sogenannter Fahrerflucht in Deutschland inzwischen bei über eine Million liegt.

Experten sehen mehrere Gründe für den unaufhaltsamen Anstieg. Der verkehrspsychologische Gutachter Ulrich Höckendorf von der Dekra in Moers sieht neben einem allgemeinen Rückgang der Verkehrsmoral einen Grund in der Überalterung. Gerade ältere Männer würden dazu neigen, nach Unfällen zu flüchten. Teilweise würden sie, gehandicapt durch Krankheiten und die Einnahme vieler Medikamente, tatsächlich leichte Rempler nicht mehr bemerken. Zum größeren Teil hätte der Fluchtinstinkt etwas mit Altersstarrsinn zu tun. Das Versagen am Steuer wird vor sich selbst geleugnet und verdrängt, weil es nicht in das Selbstbild eines langjährig guten Autofahrers passt.

360 000 Einträge im Zentralregister

Grundsätzlich ist Unfallflucht ein männliches Phänomen. Im Verkehrszentralregister des Kraftfahrt-Bundesamtes finden sich unter den rund 360 000 Einträgen zur Unfallflucht zu fast 80 Prozent Männer. Das Vergehen wird juristisch immer als Straftat behandelt.