Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Politik

UN-Gesandter warnt vor 100.000 weiteren Toten in Syrien 2013

30.12.2012 | 16:26 Uhr
Foto: /AP/Nasser Nasser

Der UN-Sondergesandte Lakhdar Brahimi rechnet für das kommende Jahr mit einer Verschärfung der Lage im syrischen Bürgerkrieg. 2013 könnten bis zu 100.000 weitere Menschen sterben, sollte es nicht zu einer raschen Annäherung zwischen der Regierung von Präsident Baschar al Assad und der Opposition kommen, sagte er bei einem Besuch in Kairo am Sonntag.

Beirut (dapd). Der UN-Sondergesandte Lakhdar Brahimi rechnet für das kommende Jahr mit einer Verschärfung der Lage im syrischen Bürgerkrieg. 2013 könnten bis zu 100.000 weitere Menschen sterben, sollte es nicht zu einer raschen Annäherung zwischen der Regierung von Präsident Baschar al Assad und der Opposition kommen, sagte er bei einem Besuch in Kairo am Sonntag.

Die Aussichten seien aber schlecht, erklärte Brahimi. Bei einem Besuch in Moskau hatten er und die russische Regierung am Vortag gesagt, weiterhin am Friedensplan von seinem Vorgänger Kofi Annan festhalten zu wollen.

"Die Lage ist schlecht. Sehr, sehr schlecht", sagte Brahimi nach einem Gespräch mit dem Chef der arabischen Liga, Nabil Elarabi. Es werde immer schlimmer im Land. In den vergangenen zwei Jahren seien fast 50.000 Menschen getötet worden und dabei werde es nicht bleiben. Im kommenden Jahr könnten es weitere 100.000 sein, warnte er. In den vergangenen Monaten hatten sowohl Rebellen als auch Regierungsstreitkräfte schwerere Waffen eingesetzt, das Militär setzte verstärkt Kampfflugzeuge ein.

Ein Ende des seit März 2011 tobenden Aufstands gegen das Regime ist nach Brahimis Einschätzung nicht in Sicht. Weder auf Regierungsseite noch bei der Opposition sei der Wille zu einer politischen Lösung erkennbar. Beide Seiten wollten nicht miteinander sprechen. Selbst der im Sommer in Genf verabschiedete Friedensplan, der seiner Einschätzung zufolge auch vom UN-Sicherheitsrat angenommen werden könnte, scheine keine der Konfliktparteien zu interessieren. Die Rebellen halten an ihrer Forderung nach einem Rücktritt Assads fest.

Russland lehnt Resolution gegen Damaskus weiter ab

Russland signalisierte derweil Bereitschaft, Annans Genfer Friedensplan wiederbeleben zu wollen. Der seit fast zwei Jahren dauernde Bürgerkrieg könne nur durch Gespräche beendet werden, sagten Brahimi und der russische Außenminister Sergej Lawrow am Samstag nach einem Treffen in Moskau.

"Wenn die Alternative die Hölle oder ein politischer Prozess ist, dann müssen wir alle ohne Unterlass für diesen politischen Prozess arbeiten", sagte Brahimi. An dem Plan seines Vorgängers Annan könnten kleine Veränderungen vorgenommen werden, grundsätzlich sei das Dokument aber "eine hoch geschätzte Basis für einen vernünftigen politischen Prozess". Das im Sommer in Genf verabschiedete Dokument sieht eine Waffenruhe, die Bildung einer Übergangsregierung und eine neue Verfassung vor.

Lawrow sagte, Russland lehne eine UN-Resolution gegen die syrische Regierung weiter ab. Auch Forderungen nach einem Rücktritt von Präsident Assad seien kontraproduktiv. Wenn die Opposition dies zur Bedingung für Gespräche mache, setze sie damit das Leben weiterer Syrer aufs Spiel. Allerdings sagte Lawrow auch, Russland halte nicht an Assad fest.

Gemeinsam mit China hat Russland bislang stets eine schützende Hand über Assad gehalten, eine Resolution des Weltsicherheitsrats und damit internationale Sanktionen gegen Damaskus blockiert. Außerdem beliefert Moskau die syrischen Regierungstruppen mit Waffen. Allerdings sandte Russland zuletzt politische Signale, die auf eine Distanzierung vom wankenden Assad-Regime hindeuten.

Heftige Kämpfe in Syrien

Syrische Aktivisten berichteten unterdessen von heftigen Gefechten in verschiedenen Teilen des Landes am Sonntag. Demnach wurde in der Hauptstadt Damaskus, in den nördlichen Provinzen Idlib, Aleppo und Rakka, in Hama und Homs im Zentrum des Landes sowie im südlichen Daraa gekämpft. Im Norden des Landes eroberten Rebellenkämpfer den Angaben zufolge eine Ölpumpstation.

(Bassem Mroue ist Korrespondent der Nachrichtenagentur AP)

© 2012 AP. All rights reserved

dapd

Facebook
Kommentare
Umfrage
Neue Runde in der Affäre Schavan: Norbert Lammert sagt seine Rede an der Uni Düsseldorf ab. Ist das angemessen als Bundestagspräsident?

Neue Runde in der Affäre Schavan: Norbert Lammert sagt seine Rede an der Uni Düsseldorf ab. Ist das angemessen als Bundestagspräsident?

 
Aus dem Ressort
Moskau droht Westen mit Anhebung russischer Energiepreise
Russland
Für die russische Wirtschaft sind die neuen Sanktionen ein Schlag. Die Moskauer Regierung jedoch sieht für einen Kurswechsel keinen Anlass. Sie zeigt, dass auch sie Mittel und Wege hat, den Westen zu treffen. Zum Beispiel Obst- und Gemüsebauern in Polen und mit höheren Gaspreisen.
Die Zukunft der Türkei wird auch in Deutschland entschieden
Türkei-Wahl
Wird Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan neues Staatsoberhaupt in der Türkei? Darüber entscheiden nicht nur die Wähler im Land, sondern auch die in Deutschland lebenden Türken. Gut ein Drittel der Wahlberechtigten wohnt in NRW. Sie können ihre Stimme in Düsseldorf und in Essen abgeben.
Ein Krieg in 140 Zeichen - Wie Twitterer aus Gaza berichten
Gazakonflikt
Immer mehr junge Menschen in Gaza schildern auf Facebook und Twitter ihre Eindrücke über israelische Angriffe. Das Interesse an ihren Ängsten und Hoffnungen wächst, mancher hat Zehntausende Follower. Experten sagen bereits: "Den Krieg um die öffentliche Meinung hat Israel international verloren."
Regierungen sollen Al-Kaida Millionen Lösegeld gezahlt haben
Terrorismus
Das Terrornetzwerk Al-Kaida finanziert sich laut einem Zeitungsbericht zu Teilen durch Lösegeldzahlungen europäischer Regierungen. Auch die deutsche Regierung soll Millionen gezahlt haben, um entführte Bundesbürger freizukaufen. Die Regierungen dementieren den Bericht.
Angriff des Leutnant Feldmann läutet die "Urkatastrophe" ein
Erster Weltkrieg
Um 19 Uhr am 1. August 1914 marschieren deutsche Soldaten in Luxemburg ein. Die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ beginnt. Sie wird mehr als 15 Millionen Tote kosten – und wäre vermeidbar gewesen.