Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Syrien

UN-Friedensmission in Syrien steht vor dem Aus

17.06.2012 | 14:48 Uhr
Robert Mood, Chef der 300-köpfigen UN-Blauhelmtruppe in Syrien, sieht angesichts wachsender Gewalt keine Chance mehr für den Friedenseinsatz.Foto: ap

Kairo.   Angesichts der eskalierenden Gewalt in Syrien haben die UN-Beobachter in Syrien ihre Mission vorerst abgebrochen. Der Einsatz werde wegen der Risiken für die unbewaffneten Beobachter ausgesetzt, teilte Missionschef Robert Mood am Samstag mit. Derweil versinkt das Land in Chaos und Gewalt.

Die Blauhelme geben auf, ihre Mission in Syrien ist vorerst gestoppt. Grund sei die rapide steigende Waffengewalt während der letzten zehn Tage, erklärte der Chef der 300-köpfigen UN-Truppe, der norwegische General Robert Mood. Patrouillenfahrten seien für die unbewaffneten Beobachter zu gefährlich geworden, auch wenn sie zunächst einmal in Syrien bleiben.

Damit steht der internationale Vermittlungsplan des UN-Beauftragten Kofi Annan, der als ersten Schritt einen Waffenstillstand vorsah, endgültig vor dem Kollaps. Die Türkei forderte „neue Schritte“ des UN-Weltsicherheitsrates, der sich seit 16 Monaten nicht auf eine Resolution gegen das Assad-Regime einigen kann.

Moderne Waffen

An vielen Stellen im Land haben die Gefechte zwischen Eliteeinheiten des Regimes und den Rebellen stark zugenommen, seit die Kämpfer der „Freien Syrischen Armee“ (FSA) vor allem über die Türkei größere Kontingente an modernen Waffen erhalten, darunter Panzerabwehrraketen, Maschinengewehre und Scharfschützengewehre.

Video
New York, 13.06.12: Die Vereinten Nationen haben am Dienstag die Tötung, Folter und Misshandlung von Kindern durch syrische Soldaten und verbündete Milizen scharf verurteilt und Syrien deswegen auf die sogenannte "Liste der Schande" gesetzt.

Auch die innere Organisation der Rebellen hat sich verbessert, weil sie aus westlichen Ländern modernes Kommunikationsgerät geliefert bekommen. Mood machte beide Seiten für die Eskalation verantwortlich: „Es gibt keinen Willen mehr, auf eine friedliche Lösung zu setzen.“

Syrien versinkt im Chaos

Und so versinkt Syrien immer tiefer in Chaos und Gewalt. Mehr als 80 Menschen starben am Wochenende bei Kämpfen im ganzen Land. Homs wurde weiter von Armeeeinheiten belagert und pausenlos beschossen. Videos zeigen Teile der Stadt in Flammen, während sich die Lage von rund 1000 Familien, die in vier Stadtteilen eingeschlossen sind, dramatisch zuspitzte. Die Menschen „haben nichts mehr zu essen und keinen Zugang zu ärztlicher Betreuung“, erklärte die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ in London. Mehr als 100 Opfer seien verletzt und bedürften dringend medizinischer Hilfe, die es vor Ort nicht mehr gebe.

„Jetzt haben auch wir gute Waffen, noch nicht genug, aber sie kommen ins Land“, erklärte derweil ein Kämpfer aus der nördlichen Grenzregion von Idlib. Man werde ein Gleichgewicht des Schreckens schaffen, zitiert ihn die Nachrichtenagentur Reuters. „Die Tage, wo hunderte von uns getötet wurden, sind endgültig vorbei.“

Szenario wie in Libyen möglich

Laut mehreren westlichen Presseberichten bringen türkische Fahrzeuge das per Schiff angelieferte Kriegsgerät zur Grenze, wo es von syrischen Schmugglern in Empfang genommen wird. Diplomatische Kreise aus Ankara erklärten, das Vorgehen der Türkei sei mit den Vereinigten Staaten abgestimmt.

Nach Angaben des Syrischen Nationalrates (SNC) werden die von Saudi-Arabien und Qatar finanzierten Waffen teilweise schon bis in die Umgebung von Damaskus weitergeschleust. Damit könnte sich für Mitte August um die syrische Hauptstadt herum ein ähnliches Ramadan-Szenario anbahnen, wie 2011 am Ende des Fastenmonats in Libyens Hauptstadt Tripolis. Damals hatte sich die libysche Bevölkerung im Inneren der Stadt monatelang heimlich bewaffnet. Am 20. August vertrieben die zwei Millionen Bewohner dann das Gaddafi-Regime durch einen koordinierten Aufstand, unterstützt von Rebellenbrigaden, die von außen angriffen.

Martin Gehlen


Kommentare
18.06.2012
21:42
UN-Friedensmission in Syrien steht vor dem Aus
von Dieselpumpe | #2

Haben die UN-Missionare es endlich begriffen, dass die ganze Schönsabbelei nur unnötige CO2-Emmissionen in die Atmosphäre schleudert?
Die Situation in solchen Ländern müssen von den Leuten vor Ort geklärt werden – wenn sie es denn wirklich wollen.

18.06.2012
15:11
UN-Friedensmission in Syrien steht vor dem Aus
von feierabend | #1

Die UN ist so unendlich viel mehr, sie wahrt unter anderem wirtschaftlich Interessen, hält die Kommunikation der Nationen untereinander aufrecht, bringt technisches know how in die einzelnen Nationen, garantiert das Fortbestehen von Innovation und Technik - es sollte ihnen doch möglich sein, Hilfsleistungen, Waren und medizinische Hilfe für Syrien zu koordinieren und zu organisieren.??!!!!???

Aus dem Ressort
Türkei übermittelt Armeniern erstmals offen ihr "Beileid"
Massaker
Fast 99 Jahre nach dem Massaker an Armeniern hat die Türkei sich erstmals offiziell dafür entschuldigt. Der türkische Ministerpräsident Erdogan übermittelte am Mittwoch sein Beileid. Von "Völkermord" reden mag Erdogan allerdings nach wie vor nicht.
Regierung lehnt Entlastung bei kalter Progression ab
Steuern
Mit "kalter Progression" ist gemeint, dass ein Arbeitnehmer nach einer Gehaltserhöhung mehr steuern zahlen muss, ein Teil des Lohnanstiegs jedoch durch Inflation entwertet wird. Die Bundesregierung wird sich des Problems der kalten Progression jedoch vorerst nicht annehmen.
Immer mehr Mütter kehren früh in den Beruf zurück
Familien
Inzwischen arbeiten 41 Prozent der Mütter mit Kindern zwischen ein und zwei Jahren. Das geht aus den Auswertungen des Statistischen Bundesamts und einer "Prognos"-Studie hervor, die das Familienministerium vorlegte. Manuela Schwesig (SPD) feiert die Mütter als "Trendsetterinnen".
Geplante Hartz-IV-Reform sieht härtere Sanktionen vor
Hartz IV
Pedantisch und bürokratisch - mit diesen Vorwürfen sehen sich immer wieder Jobcenter-Mitarbeiter beim Anwenden von Hartz-IV-Regeln konfrontiert. Das will das Arbeitsministerium nun ändern. Vorschläge für eine kleine Hartz-IV-Reform liegen bereits auf dem Tisch.
Stadt Duisburg siedelt Roma-Familien aus Problemhaus um
Zuwanderung
Es ist ein Modellprojekt, das man bewusst nicht öffentlich machte, um nicht neuen Ärger bei Nachbarn zu provozieren. Die Stadt Duisburg hat Roma-Familien aus dem Problemhaus "In den Peschen" umgesiedelt. Das Fazit ist durchaus positiv
Umfrage
Der Wahlkampf geht in die heiße Phase, immer mehr Plakate zieren die Straßen. Was halten Sie von den Motiven, mit denen die Parteien auf Stimmenfang gehen?

Der Wahlkampf geht in die heiße Phase, immer mehr Plakate zieren die Straßen. Was halten Sie von den Motiven, mit denen die Parteien auf Stimmenfang gehen?