Umfrage zeigt: Jeder zweite Priester mit Zölibat unzufrieden

Viele Priester zweifeln am Zölibat.
Viele Priester zweifeln am Zölibat.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Eine neue Umfrage zeigt, dass ein großer Anteil der katholischen Priester sich nicht noch einmal für ein Leben als Priester entscheiden würde.

Berlin.. Sie fühlen sich einsam, wünschen sich eine feste Beziehung und hätten gerne Kinder: Jeder zweite katholische Priester würde sich nicht noch einmal für ein Leben unter den Bedingungen des Zölibats entscheiden – oder hat zumindest große Zweifel daran. Wie eine bundesweite Umfrage unter 4200 Priestern ergab, ist nur knapp die Hälfte der Seelsorger von der Ehelosigkeit überzeugt.

Religion „Das ist ein Alarmzeichen“, sagt Studienleiter Eckhard Frick, Jesuitenpater und Professor für Seelsorge an der Uniklinik München. „Es zeigt, wie groß der Unterstützungsbedarf ist. Die Kirche muss sich mehr um ihre Priester kümmern.“ Hinter der Seelsorger-Sorge steht ei­ne Forschungsgruppe aus vier Universitäten. Befragt wurden insgesamt rund 8600 katholische Seelsorger – neben Priestern auch Gemeinde- und Pastoralreferenten sowie Diakone.

Viele Priester empfinden Zölibat als belastend

Jeder dritte Priester empfindet den Zölibat als belastend, mehr als jeder Zehnte gab an, dass er gar nicht oder nicht gut mit den Problemen eines ehelosen Lebens zurechtkomme. „Als besondere Herausforderung betrachtet jeweils über die Hälfte der Priester den Verzicht auf genitale Sexualität, körperliche Intimität, partnerschaftliche Bindung sowie eigene Kinder“, schreiben die Forscher.

Kirchenfragen Die gestern in Berlin vorgestellte Studie solle „im guten Sinn provozieren“, so Frick. „Wir formulieren keine wohlfeilen kurzschlüssigen Rezepte. Wir wollen weder sagen: Schafft den Zölibat ab! noch: Behaltet ihn um jeden Preis bei! Wir wollen stattdessen die Debatte anregen. Der Zölibat braucht ein Umfeld, in dem er gelingen kann. Was braucht es dazu?“

Priester klagen über Einsamkeit

Gefragt wurden die Seelsorger auch nach ihrer Lebenszufriedenheit, ihrer Arbeitsmotivation und Ge­sundheit. Ergebnis: Seelsorger sind mit ihrem Leben und ihrer Tätigkeit zufriedener als durchschnittliche Arbeitnehmer – aber eher unzufrieden mit der Kirche als Organisation, mit ihrer Leitung und dem internen Klima.

Die Priester klagten zudem häufiger als die Laien-Seelsorger über emotionale Einsamkeit: „Katholische Priester ziehen nicht so leicht wie andere Seelsorger emotionale Kraft aus ihrem Privatleben“, erklärt Studienautor Frick. „Eher aus spiritueller Praxis.“ Die Unzufriedenheit über die emotionale Einsamkeit komme aber nicht allein vom Zölibat, sondern von den konkreten Lebens- und Arbeitsbedingungen.