Das aktuelle Wetter NRW 15°C
Gesundheit

Umfrage zeigt: Die Sorge der Patienten wächst

01.04.2014 | 17:11 Uhr
Umfrage zeigt: Die Sorge der Patienten wächst
Vor allem mit Krankenschwestern und Pflegern sind die Patienten nach einer Allensbach-Umfrage zufrieden. Doch viele Bürger glauben nicht, dass die Gesundheitsversorgung in Zukunft den Standard halten kann.Foto: Ingo Otto, WAZ Foto-Pool

Berlin.   Zu wenig Personal, zu wenig Geld und eine Zwei-Klassen-Medizin - das befürchten Bevölkerung und Ärzteschaft einer Allensbach-Umfrage zufolge mehrheitlich für das Gesundheitssystem der Zukunft. Auch heute schon wird die Zufriedenheit der Patienten von einem wachsenden Ärgernis getrübt.

Wie sieht die medizinische Versorgung im Jahr 2024 aus? Was bieten Arztpraxen und Krankenhäuser in zehn Jahren? Die große Mehrheit der Bundesbürger ist grundsätzlich zufrieden mit dem deutschen Gesundheitssystem – besonders Krankenschwestern und Pfleger bekommen viel Lob für ihren Einsatz. Mit Sorge aber blicken die Deutschen in die Zukunft: Wie eine neue Allensbach-Umfrage zeigt, erwarten Patienten und Ärzte deutliche Verschlechterungen bei der Versorgung.

Die alternde Gesellschaft lässt die Kosten steigen, gleichzeitig wird das Personal knapp: Zwei von drei Ärzten glauben, dass sich das gute Niveau der deutschen Gesundheitsversorgung auf Dauer nicht halten lässt. Bereits jetzt muss jeder vierte Arzt regelmäßig aus Kostengründen auf Behandlungen verzichten, die aus medizinischen Gründen angeraten wären. Eine Entwicklung, die sich in den Augen der Mediziner noch verschärfen wird: 84 Prozent der Klinikärzte und der niedergelassenen Ärzte fürchten, dass es in den nächsten zehn Jahren „schwieriger wird, alle medizinisch notwendigen Leistungen zu verordnen“.

Für die Studie hatte das Allensbach-Institut über 2000 Bundesbürger und 540 Ärzte befragt. Die meisten Bürger richten sich auf steigende Beiträge ein und gehen davon aus, dass die Krankenkassen in Zukunft nur noch die medizinische Grundversorgung übernehmen werden. In Nordrhein-Westfalen hat bereits jetzt fast jeder Zweite den Eindruck, ihm würden medizinische Leistungen vorenthalten. Wird aus der jetzt schon sichtbaren Ungleichbehandlung von Kassenpatienten und Privatpatienten eine echte „Zwei-Klassen-Medizin“? Die große Mehrheit der Bürger und der Ärzte fürchtet das.

NRW-Bürger unzufrieden

Doch nicht nur das Geld, auch die Zeit wird knapper: Drei von vier Ärzten stellen sich darauf ein, dass sie künftig noch weniger Aufmerksamkeit für den einzelnen Patienten aufbringen können – eine Sorge, die auch in der Bevölkerung wächst: Jeder Zweite hat das Gefühl, dass die medizinische Technologie sich zwar immer weiter entwickelt, aber gleichzeitig „das Menschliche zu kurz kommt“.

In NRW ist bereits heute nicht mal die Hälfte der Bürger zufrieden mit den Krankenhäusern. Die befragten Ärzte dagegen beurteilen die Gesundheitsversorgung durch die Kliniken aktuell noch grundsätzlich gut, blicken aber ebenfalls mit Sorge auf die wirtschaftliche Entwicklung der stationären Versorgung: Das medizinisch Sinnvolle tritt im Klinikalltag immer öfter hinter Budgets, Pauschalen und Schadensersatzforderungen zurück – dieser Einschätzung stimmen bereits jetzt acht von zehn Ärzten zu. Für die nächsten zehn Jahre prognostiziert die Mehrheit den Kliniken eine wirtschaftliche Talfahrt. Die Patienten teilen die Sorge: An Rhein und Ruhr fürchtet jeder Zweite, dass es im Jahr 2024 deutlich weniger Krankenhäuser gibt als heute.

Mangelnde Hygiene

An den oft kritisierten hygienischen Verhältnissen in den Kliniken wird sich nach Einschätzung der Ärzte in den nächsten zehn Jahren eher wenig ändern: Jeder Vierte ärgert sich über die zum Teil lebensbedrohliche Schlamperei bei der Sauberkeit, doch glauben die meisten nicht, dass sich daran in den kommenden Jahren Entscheidendes ändern wird.

Dabei liege die Lösung auf der Hand: Um die Versorgungsqualität in den Kliniken zu verbessern, müsste es mehr Personal geben – tatsächlich aber erleben die Kliniken eher Personalabbau. Dort, wo dagegen neu eingestellt wird, ist es nach Einschätzung der Krankenhausärzte in den letzten zwei Jahren sogar noch schwerer geworden, offene Stellen mit qualifizierten Krankenschwestern und Pflegern zu besetzen. Nur zwei Prozent der Ärzte glauben daher, dass sich die Personalsituation in den nächsten zehn Jahren verbessern wird.

Ärger über Wartezeiten

Die Patienten stöhnen über lange Wartezeiten beim Facharzt – wollen aber auf die freie Arztwahl nicht verzichten: Die Pläne der Regierung, nach denen sich Patienten bei fachärztlichen Behandlungen künftig an eine zentrale Terminvergabestelle wenden können, stoßen auf ein geteiltes Echo. Laut Allensbach-Umfrage finden 45 Prozent der Befragten die Idee gut, immerhin 33 Prozent aber lehnen sie ab. Ein Grund dafür ist der Wunsch, den Arzt weiterhin frei aussuchen zu können.

Nach Plänen der Großen Koalition sollen Patienten, die trotz der zentralen Terminvergabe mehr als vier Wochen auf einen Arztbesuch warten müssen, ein Angebot zur ambulanten Behandlung in einem Krankenhaus bekommen. Die Klinikärzte lehnen das mehrheitlich ab: Das Personal werde dadurch zusätzliche belastet. Laut Umfrage müssen gesetzlich Versicherte nicht nur länger als Privatversicherte auf einen Facharzttermin warten, sondern verbringen auch mehr Zeit im Wartezimmer.

Julia Emmrich

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Sakurai und Co.
Bildgalerie
Fotostrecke
article
9192176
Umfrage zeigt: Die Sorge der Patienten wächst
Umfrage zeigt: Die Sorge der Patienten wächst
$description$
http://www.derwesten.de/politik/umfrage-zeigt-die-sorge-der-patienten-waechst-id9192176.html
2014-04-01 17:11
Politik