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Gericht

Uli Hoeneß droht im Steuer-Prozess eine Haftstrafe

05.03.2014 | 16:33 Uhr
Er hat Steuern hinterzogen, er hat an der Börse gezockt: Bayern-Boss Uli Hoeneß. Nun wird dem FC-Urgestein der Prozess gemacht.Foto: Ronald Wittek/dpa

München.  Es wird der Promi-Prozess des Jahres. FC Bayern-Boss Uli Hoeneß, ein Mann, der immer schon polarisierte und provozierte, muss sich ab Montag wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. Dabei droht ihm sogar eine Haftstrafe.

„Champagner Willi“ kam nach einer Stunde gut gelaunt aus dem Gericht. Die Kammer hatte den früheren Aufsichtsratsvorsitzenden des FC Bayern München wegen Steuerhinterziehung zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Er sei „froh“, die Last los zu sein, sagte der Münchner Fußballmanager.

Das hat sich im Jahr 2003 so abgespielt. Der Verurteilte war Willi O. Hoffmann. Er hatte den Spitzenverein der Liga von 1979 bis 1985 geführt und den Staat später um 175.000 Euro geprellt. Liegen Steuersünden in den FC-Genen? Ab Montag steht der aktuelle Bayern-Boss vor dem Kadi.

Alice Schwarzer
Steuer-Selbstanzeigen brachten NRW rund 850 Millionen Euro

Erst die Schweizer Daten-CDs, dann die Namen prominenter Schwarzgeldkonten-Inhaber wie Uli Hoeneß und Alice Schwarzer: Die Finanzbehörden in NRW können sich über mangelnde Einnahmen nicht beklagen. Die Angst vor Entdeckung treibt die Zahl der Steuer-Selbstanzeigen deutlich nach oben.

Wieder geht es um Steuerhinterziehung. Wieder urteilt das Landgericht München II. Der heutige Aufsichtsratschef Uli Hoeneß aber muss zweifeln, mit zwölf Monaten auf Bewährung davonzukommen. Im Promi-Prozess des Jahres kann es passieren, dass der Vorsitzende Rupert Heindl den Angeklagten hinter Gitter schickt.

Nach Dortmund soll er sich nicht getraut haben

Wer eine Million Euro hinterzieht, der hat Haft verdient, hat der Bundesgerichtshof den Gerichten vorgegeben. Hoeneß soll nach der 30 Seiten-Anklage, die von einem schweren Fall ausgeht, 3,5 Millionen hinterzogen haben. Freunde sagen: Deshalb – und weil bei der Durchsuchung seines Hauses über dem Tegernsee im März 2013 „die Hölle für mich begann“ – sei er nervös. Ein Haftbefehl ist nur ausgesetzt. Es gibt die kleine Geschichte, dass er vor dem letzten Spiel gegen Dortmund beim BVB gefragt hat, ob mit Fan-Unmut gegen ihn zu rechnen sei. Er sei daheim geblieben.

Der 62-Jährige spaltet die Republik. Im Westen, wo sie Schalke oder Borussen zujubeln, möchte man ihn auf die Galeere schicken. Im Süden gilt der Wurstfabrikant als mildtätiges Idol, spendabel zu Ärmeren und besorgt um seine Beschäftigten. Rücktritt als Bayern-Chef angesichts der Vorwürfe? Vereinsspitze und Eigner sagen Nein.

Steuer-Anklage
Hoeneß zockte mit verschiedenen Währungen

In der Steueraffäre von Uli Hoeneß, dem Präsidenten des Fußballbundesligisten FC Bayern München sind am Wochenende neue Details verbreitet worden. Laut einem Medienbericht soll Hoeneß überwiegend mit Währungen spekuliert haben. Besonders erfolgreich sei er dabei nicht gewesen.

Dabei wird der auf vier Tage angesetzte Prozess das Bild eines dritten Uli Hoeneß zeigen. Das eines Süchtigen, der bei der Blase von 2001 viel Geld an der Börse verloren hatte und panisch auf dem Parkett von Tokio, Hongkong und London versuchte, den Verlust auszugleichen. In den am Ende für die Anklage relevanten Jahren muss er mit einem dreistelligen Millionen-Einsatz rund 30 Millionen Euro Gewinn gemacht haben. „Der hat eine Wettbude betrieben“, staunt der Chef der Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler.

Tag und Nacht gezockt

Die Geschichte vom Fieber-Zocker hat Hoeneß selbst in der „Zeit“ erzählt. Danach hat er „Tag und Nacht“ spekuliert, „pures Adrenalin“ in den Adern. Die Familie? Sei genervt gewesen. Ein Spezialhandy habe ihn mit den Börsen verbunden. Das Startgeld habe ihm sein Freund gegeben, der inzwischen verstorbene französische Manager Robert Louis-Dreyfus: Fünf Millionen in bar, fünfzehn Millionen als Bürgschaft. Das Konto kam zur Zürcher Bank Vontobel. Zinsgewinne hat er dann, leider, zu Hause nicht versteuert.

Richter Heindl muss die Hinterziehung nicht nachweisen. Uli Hoeneß gibt alles zu. Heindl muss eher die Verjährungsfrist berechnen und entscheiden, ob die Selbstanzeige ausreicht, die am 17. Januar 2013 um 8.15 Uhr beim Finanzamt Rosenheim erstattet wurde.

Steuer-Experte glaubt an Haftstrafe

München.

Mitten in die Münchner Freude über das 3:0 (2:0) gegen den FC Augsburg und das 37. Bundesliga-Spiel in Serie ohne Niederlage platzte der Jubelschrei über den Ausrutscher von Borussia Dortmund. Präsident Uli Hoeneß feierte auf der Tribüne mit geballten Fäusten den eigenen Erfolg und das 1:2 des BVB...

Enthält sie alle Zahlen und Daten? Kam sie rechtzeitig, ohne dass die Tat vorher entdeckt war? Fühlte sich Hoeneß, wie er behauptet, durch das Scheitern des geplanten Steuerabkommens zwischen Berlin und Bern zur Anzeige getrieben – oder hatten ihn Recherchen des „Stern“ gewarnt, der vom Geheimkonto eines deutschen Fußball-Magnaten bei Vontobel wusste? Nur wenn Selbstanzeigen vollständig, rechtzeitig und ungewarnt daherkommen, können sie zur Straffreiheit führen.

Sie sei unvollständig, sind die Staatsanwälte überzeugt. „Er wird eine Freiheitsstrafe bekommen“, glaubt auch Steuer-Experte Eigenthaler. Das bedeute: Mindestens ein halbes, höchstens zehn Jahre. „Entscheidend ist, ob eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder über zwei Jahre verhängt wird. Bei zwei Jahren könnte noch die Aussetzung zur Bewährung erfolgen. Da ist die Wegmarke.“

Und dann weinte Hoeneß...

 

Dietmar Seher



Kommentare
09.03.2014
12:07
HerbertKemper1946 | #35
von Leser2014 | #36

Herr Hoeneß ist nach eigenen Angaben so doof und zahlt Steuern, und Herr Edathy hat sich im Bundestag für die verschärfte Bekämpfung von Kinderpornografie im Internet ein gesetzt.

"Der Verbreitung von Kinderpornografie über das Internet, sagt Edathy, „darf meines Erachtens nicht tatenlos zugesehen werden“.

09.03.2014
11:57
Uli Hoeneß droht im Steuer-Prozess eine Haftstrafe
von HerbertKemper1946 | #35

Herr Hoeneß hat sich selbst angezeigt nachdem er von seiner Schweizer Bank erfahren hat, das ein Reporter des Stern unbequeme Fragen an die Bank gestellt hat.

Zitate Uli Hoeneß

"Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.”

"Ich habe in meinem ganzen Leben noch kein Steuersparmodell gemacht. Ich verdiene lieber das Doppelte."

„Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein“

„Nicht nach oben buckeln und unten treten. Sondern umgekehrt: Die Großen anpinkeln und den Schwachen helfen.“

09.03.2014
11:57
Uli Hoeneß droht im Steuer-Prozess eine Haftstrafe
von Buschtrommler | #34

Uli Hoeneß ist ein Angeber, er war es schon immer. Er ließ keine Gelegenheit aus, in die Welt hinauszuposaunen, dass er ein notorischer Wohltäter ist, der nicht gerne über seine Wohltaten spricht(siehe bvb). Endlich wird der Mutter Theresa des Deutschen Fussball die Maske heruntergezerrt. Er hat sich von Kirch schmieren lassen und schon damals gezeigt, dass er Pharisäer ist. Vielleicht kommt auch noch raus, dass er Geld vom fc Bayern veruntreut hat, wer weiß? Jetzt wissen die ganzen halbreligiös verblendeten fanboys nicht mehr ein noch aus. Der Super-Uli nichts weiter als ein staatsbescheisser und die CSU tat viel, um ihn vor der Verfolgung durch Steuerermittler zu schützen, während er sich als Korruptions- und Fifa-Kritiker inszeniert und damit geprahlt hat, dass er Sepp Blatter nicht leiden kann.

09.03.2014
10:39
Uli Hoeneß droht im Steuer-Prozess eine Haftstrafe
von WaddeHaddeDuddeDa | #33

Knast? 2 Jahre (höchstens) mit Bewährung wegen guter Prognose und hasse nicht gesehen... und die Prozeßkosten zahlt er aus der Porto- oder Vereinskasse.

09.03.2014
10:26
Uli Hoeneß droht im Steuer-Prozess eine Haftstrafe
von OhneUepsilon | #32

Tut mir leid, dass ich die Vorfreude torpedieren muss. Aber Hoeneß wird NIEMALS in das Gefängnis kommen. Höchstens zieht er noch 4000,- Mark ein. Wie einst bei Zumwinkel wird es höchstens zu einer Geld- mit Bewährungsstrafe kommen.

09.03.2014
09:53
Uli Hoeneß droht im Steuer-Prozess eine Haftstrafe
von BR01 | #31

So soll es sein ab in den Knast mit der Heulsuse.

09.03.2014
08:22
Uli Hoeneß droht im Steuer-Prozess eine Haftstrafe
von remoss | #30

Denke der FILZ wird siegen!

1 Antwort
Uli Hoeneß droht im Steuer-Prozess eine Haftstrafe
von BLUE-RIDER | #30-1

Es braucht keinen Filz, die deutsche Gesetzgebung vor 2009 ist ausreichend. Damals waren nur 5 Jahre Steuerstrafrechtliche Verjährung relevant. Wenn die Tat 2014 entdeckt wurde, wird 2006 und 2007 verjährt sein.

09.03.2014
08:13
Uli Hoeneß droht im Steuer-Prozess eine Haftstrafe
von ForzaBVB | #29

Bei den Ausmassen der "Selbstanzeigen" (in NRW im Feb, zb. 952) muss der Staat im Interesse des Steuerbürgers hart durchgreifen!!

Egal ob es ein Herr Hoeneß oder sonst wer ist, diese Kriminellen gehören vor Gericht und
verurteilt. Diese Betrüger an der Allgemeinheit müssen auch Namentlich genannt werden, das hat nix mit "die Sau durchs Dorf treiben" zutun - nein das hat was mit Anstand und Diziplin zutun!!

Es kann nicht sein das der "Kleine Mann" für diese Kohlesäcke bluten soll!!

Das wäre ein Paradebeispiel für einen Volksentscheid!!

1 Antwort
Uli Hoeneß droht im Steuer-Prozess eine Haftstrafe
von TottiDU | #29-1

die kleinen hängt man die großen ...... siehe LoPa - Anklage!!!!

09.03.2014
08:11
Uli Hoeneß droht keine Haftstrafe
von erbsenzaehler | #28

Das ist meine persönliche Meinung.

Strafrechtlich sind nur die letzten fünf Jahre vor der Selbstanzeige relevant. Alles davor ist verjährt.
Ich denke, die hinterzogenen Steuern werden (wie im Fall Zumwinkel) so lange heruntergerechnet bzw. in die verjährten Zeiträume verschoben, daß es für eine Bewährungsstrafe paßt.
Das ist schade. Denn er hat willentlich und wissentlich, also mit Vorsatz, dem Staat die ihm zustehenden Steuern hinterzogen.

Steuerrechtlich muß er allerdings für die letzten zehn Jahre vor der Selbstanzeige zahlen. Das ist der Fehler im System. Der Staat verzichtet im Tausch gegen die Steuernachzahlung auf eine "gerechte" Bestrafung.

Seine "Wohltaten" darf man übrigens nicht gegen sein verbrecherisches Tun aufrechnen. Es gibt in unserem Rechtssystem kein Recht im Unrecht.

1 Antwort
Uli Hoeneß droht im Steuer-Prozess eine Haftstrafe
von BLUE-RIDER | #28-1

Die letzten 6 Jahre. Ich gehe davon aus, dass Hoeness als beratener Steuerpflichtiger seine Erklärung erst am Ende des folgenden Jahres abgegeben hat. Allerdings wird dann maximal 2008 drin sein, ggf. noch 2007, falls eine weitere Fristverlängerung hinzukam. 2006 ist wohl in jedem Fall verjährt.

09.03.2014
08:07
Uli Hoeneß droht im Steuer-Prozess eine Haftstrafe
von dieterborussia | #27

Knast oder nicht Knast , das ist die Frage.

Uli H. hat sich selbst angezeigt.
Hat er das aus Reue getan ?.
Wohl eher nicht.
Er hoffte auf ein Steuerabkommen mit der Schweiz , welches nicht zustande kam.
Dann bekam er eine Warnung das ein Journalist vom Stern ihm auf der Spur sei.
Erst dann kam seine Selbstanzeige .
Die kam dann so schnell das sie unvollständig geworden ist.

Bei aller Häme die sich ein Uli H. jetzt gefallen lassen muss , sollte man sachlich an diese sache herangehen.
Dieser Mann gehört verurteilt und nichts anderes.
Danach sollte wieder Ruhe einkehren.

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