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Überfüllte Unis – wohin mit den Studenten?

13.10.2011 | 19:30 Uhr
Überfüllte Unis – wohin mit den Studenten?

Düsseldorf/Essen.   Der Ansturm auf die Universitäten in NRW überrascht selbst die Experten. Politik und Unis stehen jetzt vor einer harten Prüfung: Was tun mit so vielen Studenten? Wissenschaftsministerin Svenja Schulze fordert zusätzlich Geld für die Unis.

Dass der Ansturm auf die Unis kommen wird, war klar. Aber dass er so früh einsetzt, überrascht selbst die Experten. Immer mehr junge Menschen wollen studieren – das ist eine gute Nachricht für die nach Fachkräften gierende Wirtschaft . Politik und Unis stehen hingegen vor ei­ner harten Prüfung: Was tun mit so vielen Studenten?

 

Warum kommen gerade jetzt so viele Erstsemester?

Es gibt viele Gründe dafür. Das Ende der Wehrpflicht ist einer davon. Außerdem gibt es die ersten doppelten Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen. Auffällig ist, dass der Erstsemester-Rekord in NRW mit der Abschaffung der Studiengebühren einhergeht. NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) hält einen Zusammenhang für möglich, das Deutsche Studentenwerk sieht das auch so. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) glaubt hin­gegen nicht daran, dass der Wegfall der Gebühren den großen Boom ausgelöst hat. Das CHE spricht von einem generellen Trend zu hohen Bildungsabschlüssen. Heute schafften fast 50 Prozent eines Jahrganges die Hochschulreife, in den 70er-Jahren seien es nur 20 Prozent gewesen.

 

Die Lage im Revier

Die gestiegene Zahl der Hochschulanfänger in diesem Wintersemester verteilt sich unterschiedlich auf die Universitäten der Region.

Während Münster und Duisburg/Essen nach aktueller Schätzung (die Anmeldeverfahren sind noch nicht abgeschlossen) rund 20 Prozent mehr Hochschulanfänger im Vergleich zum Vorjahr aufgenommen haben, hat sich bei der Ruhr-Universität Bochum (RUB) mit 4850 Einschreibungen die Zahl der Studienanfänger kaum verändert (plus 0,5 Prozent). Dazwischen liegt die TU Dortmund mit knapp 8 Prozent mehr Hochschulanfängern.

Zwar hatte die RUB mit rund 50 000 Bewerbern doppelt so viele Anfragen als vergangenes Wintersemester, doch wird die Mehrheit der Bewerber durch das Uni-interne Zulassungsverfahren ausgesiebt. Fast kein Studiengang der RUB ist ohne NC und zulassungsfrei. Laut Sprecher Josef König hat die RUB, wie mit dem Land NRW vereinbart, 270 neue Studienplätze für dieses Semester geschaffen. Zum Vergleich: Die Uni Münster (5630 Einschreibungen) hat rund 900 zusätzliche Studienplätze geschaffen.

Für den Studentenansturm der doppelten Abi-Jahrgänge im Jahr 2013 werden jedoch nicht nur zusätzliches Lehrpersonal und weitere Hörsäle benötigt: Die Uni Münster hat bereits jetzt die Bürger aufgerufen, Zimmer für Studenten zur Verfügung zu stellen.

Wie kann es sein, dass manche Unis viele Erstsemester haben, andere hingegen keine Zuwächse verzeichnen?

Christian Berthold (CHE) glaubt, dass es sich dabei um eine Art Pokerspiel der Unis handelt. Die Frage ist, ob Unis, die viele Erstsemester aufnehmen, dafür von Land und Bund belohnt werden: „Beim aktuellen Hochschulpakt II wissen die Hochschulen nicht, ob sie dafür, dass sie mehr Studierende akzeptieren, zusätzlich unterstützt werden. Das führt dazu, dass manche Hochschulen trotz großer Nachfrage nicht mehr Studierende akzeptieren. Andere öffnen sich für Studienanfänger.“

 

Reicht der Hochschulpakt von Bund und Ländern aus?

Ministerin Svenja Schulze glaubt: Nein. Sie fordert einen „Hochschulpakt Plus“, also zusätzlich Geld für die Unis. Das CHE sieht’s ähnlich: „Der Hochschulpakt II ist unterdimensioniert. Es wird viel mehr Studieninteressenten geben als geplant“, sagt Berthold. Das Ende der Studiengebühren kommt einige NRW-Unis teuer zu stehen. Ihre früheren Einnahmen werden nicht voll kompensiert.

 

Gibt es genug Lehrende für so viele Studenten?

Ursula Gather, die Chefin der Landesrektorenkonferenz, beteuert: Ja. Es seien schon viele zusätzliche Stellen geschaffen worden. Auch die Räume reichten aus. Patrick Schnepper, Sprecher der Studierendenvertreter in NRW, erinnert aber daran, dass heute schon manche Fächer völlig überlaufen sind.

 

Welche Probleme sehen die Studentenwerke?

Studentenwohnungen werden knapp. Besonders in Münster, Köln, Bonn und Teilen des Ruhrgebiets. Beim Bafög werde es keine Probleme geben, denn darauf gebe es einen Rechtsanspruch. Noch enger dürfte es in den Mensen zugehen: „Die Hochschulen legen ihre Veranstaltungen inzwischen so, dass mittags kaum Zeit zum Essen bleibt. Dann gehen alle gleichzeitig in die Mensa“, erklärt Achim Meyer auf der Heyde.

Kommentar: Chaostage an den Unis

Matthias Korfmann, Björn Bowinkelmann

Kommentare
24.10.2011
17:16
Überfüllte Unis – wohin mit den Studenten?
von Braaatwurst | #21

wohin mit den Studis? Können doch auf ne Privatuni. Genug Geld haben die meisten. Bildung ist in DE ja eine Geldfrage.

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2011-10-13 19:30
Unis,Hochschule,Studenten,wissenschaft,hochschulpakt,
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