Über Geheimnisse und ihren Verrat - von Ulrich Reitz
20.12.2010 | 17:53 Uhr 2010-12-20T17:53:00+0100Geheimnisverrat ist seit jeher unser journalistisches Geschäft. Wikileaks hat die Welt nicht neu erfunden. Reporter der Washington Post stürzten Präsident Nixon auch ohne Internet.
Beide Seiten sollten abrüsten: Die Wikileaks-Jünger, die sich für die einzigen Verteidiger der Demokratie halten und amerikanische Republikaner, die Gründer Assange am liebsten hängen sähen.
Die Enthüllung fördert die Demokratie. Aber sie muss erkämpft werden, wie eine kleine Verrats-Chronik aus der jüngsten Erfolgsgeschichte unserer Lokalredaktionen zeigt: Die Nachricht, dass die Stadtwerke der Pleitestadt Essen für zwei Millionen exklusive Büromöbel anschaffen wollten, ging natürlich nicht auf den Stadt-Sprecher zurück. Und es waren nicht offizielle, sondern verschlungene Wege, auf denen Dokumente öffentlich wurden, die belegten, dass die Ruhr-Stadtwerke bei einer Steag-Übernahme größere Risiken eingehen als angegeben.
Neuwahlen in Dortmund
Es war ein der Zeitung zugespielter interner Aktenvermerk, der belegte, dass der neu gewählte Dortmunder OB Sierau von den prekären Stadtfinanzen schon vor der Kommunalwahl gewusst haben muss. Eine Enthüllung, die für Neuwahlen sorgte.
Skandale passieren keineswegs nur in Großstädten. Der Korruptionsverdacht im Rathaus von Haltern am See wurde nach einem anonymen Hinweis recherchiert. Der Fall läuft noch. Oft wird die Politik erst aktiv nach solchen Veröffentlichungen, wie mehrfach in Mülheim an der Ruhr, wo es zuletzt um kaum haltbare Zustände in einem Seniorenheim ging. Oder um einen Kampfhund. Oder die Gefährdung der Bürgersicherheit in der Innenstadt.
Anrüchige Immobiliengeschäfte
Dasselbe Muster in Essen, wo erst Berichte über sogenannte Angsträume in Altenessen die städtische Verwaltung in Bewegung setzten. Und sicher hätte sich die Gelsenkirchener FDP-Ratsfrau ihre politisch anrüchigen Immobiliengeschäfte zwei Mal überlegt, wenn sie damit gerechnet hätte, dass dies öffentlich werden würde. Sie musste ihr Amt niederlegen.
All the news that’s fit to print, hat der New York Times-Eigentümer gesagt. Alles, was reif ist zur Veröffentlichung. Das ist der Maßstab. Reif, das heißt: Recherchiert, verantwortbar, im öffentlichen Interesse.
Fazit: Politik darf Geheimnisse haben. Journalisten jagen ihnen hinterher. Ernsthafte Enthüllungen fördern die Demokratie. Es kommt nun darauf an, bewährte Spielregeln aus der alten, analogen Welt in die neue, digitale Welt zu übertragen.

16:08
Toll, verdammt leicht zu finden!
14:45
Das stimmt ja nicht, der angeblich unwiederbringlich verschwundene Artikel ist hier:.http://derwesten.de/acleJ1
11:21
Stimmt, auch dieser Artikel rutscht!
09:45
@combo59: Da haben die Kommentatoren sich ja auch nicht gegen rebellierende Bürger ausgesprochen, sondern gegen einige sehr merkwürdige Äusserungen des Autors. So was macht man bei der WAZ nicht ungestraft. Demokratie hat eben Grenzen!
08:50
Bemekennswert ist, das manche Artikel durch Kommentare einzelner ganz schnell ins Nirwana verschwinden!
Siehe z.B den Artikel: Immer mehr Bürger rebellieren gegen Ihre Städte!
Nach nur einem Tag ist er unwiederbringlich verschwunden.
19:38
Fazit: Was im öffentlichen Interesse ist, bestimmen Redaktion und Eigentümer der örtlichen Monopolpresse. Die regen sich über Wikileaks auf (was an ihnen schnöde vorbeigegangen war) und öffnen rein zufällig wenige Tage später eine technische Möglichkeit zum anonymen Geheimnisverrat, der plötzlich unverzichtbar für die demokratische Gesellschaft ist.
Jetzt glaube ich beim besten Willen nicht, daß die WAZ plötzlich zurückrudert, weil der Gegenwind aus der Online-Gemeinde so heftig wie selten war. Was also sind die wahren Gründe für diese bemerkenswerte Kehrtwende?
19:05
# 1
es sollte durchführen heißen.
19:04
Da aber Kriegsführende Staaten wie in letzter Zeit geschehen Mit Hilfe genehmer Journalisten gezielte Irreführung durführen,kann es doch nicht schaden das die Wahrheit auch durch nicht Rechechierte Informationen ans Licht gezerrt wird.