Über 1000 Menschenhändler und Dealer bei Razzia festgenommen

Bei einer europaweiten Operation von Polizeibehörden wurden über 1000 Menschenhändler und Drogendealer festgenommen.
Bei einer europaweiten Operation von Polizeibehörden wurden über 1000 Menschenhändler und Drogendealer festgenommen.
Foto: dpa (Archivbild)
Was wir bereits wissen
Es war die bisher größte gemeinsame Operation europäischer Polizeibehörden. Operation "Archimedes" sollte der organisierten Kriminalität einen Schlag versetzen. Über 1000 Menschen wurden festgenommen, die Polizei beschlagnahmte tonnenweise Drogen. Allein in NRW waren über 3000 Beamte im Einsatz.

Essen.. 1027 Festnahmen, die tonnenweise Beschlagnahmung von Drogen und die Befreiung von 30 Kindern in Rumänien, die für den Einsatz in Internet-Pornos als Sex-Sklaven gehalten werden sollten. Das ist die Bilanz der bisher größten gemeinsamen Operation der europäischen Polizeibehörden, bei der auch amerikanische und australische Polizisten mithalfen.

Während einer Woche – vom 15. September bis zum Dienstagabend – checkten 20 000 Beamte aus 34 Ländern mit 290 Kontrollposten an Straßen, Grenzübergängen, See- und Flughäfen Fahrzeuge und Einzelpersonen. Kleinere Fische gingen dabei überall ins Netz: In Berlin fasste die Polizei im Rahmen der Operation „Archimedes“ drei Italiener auf frischer Tat, die einen Antiquitätenladen ausräumen wollten.

43 Festnahmen in Nordrhein-Westfalen

Die Polizei in NRW konzentrierte sich nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) an zwei Tagen während der Operation in Köln, Düsseldorf, Dortmund, Münster und Bielefeld auf die Bekämpfung der Wohnungseinbrüche. Auch in Essen und Bottrop gab es Einsätze. 3150 Beamte kontrollierten dabei über 12 000 Personen, mehr als 7000 Pkw, 104 Busse und 759 Lkw teilweise auch auf Autobahnen. Sie deckten 141 Straftaten auf, meist Einbrüche und Diebstähle, auch illegale Aufenthalte und Drogendelikte. Es wurden 43 Haftbefehle vollstreckt.

Im Kern diente „Archimedes“ dazu, der europaweiten Organisierten Kriminalität und damit dem Menschenhandel, dem Rauschgiftschmuggel, organisierten Wohnungseinbrüchen und der Produktpiraterie einen Schlag zu versetzen.

Großrazzia BKA-Chef lobt internationale Zusammenarbeit

Für den Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, war es einer seiner letzten Großeinsätze vor seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst im November - und offenbar ein Verpflichtung.

„Rauschgifthandel auf öffentlichen Plätzen, Kokainschmuggel aus Südamerika, synthetische Drogen, über 400 Wohnungseinbrüche in Deutschland am Tag und Schleuser, die sich am Leid anderer bereichern – dieser Entwicklung muss mit internationaler Zusammenarbeit entgegengewirkt werden“, sagte Zierke. Sein Wiesbadener BKA hatte neben dem Europol-Hauptquartier in Den Haag die Rolle einer Einsatzzentrale.

Elf Schleuser in Deutschland festgenommen

Rob Wainwright, Präsident von Europol, lobte: „Archimedes ist die bedeutendste koordinierte Aktion, die jemals in Europa gegen das organisierte Verbrechen gerichtet war“.

In Deutschland führte die Operation zur Festnahme von elf mutmaßlichen Schleusern. 241 illegale Einwanderer wurden in der Bundesrepublik festgestellt, europaweit trafen die Polizeibeamten auf 10.000, weil auch die Mitarbeiter der Grenzschutzagentur Frontex mit einbezogen wurden.

Polizei-Gewerkschaft ist mit Einsatz zufrieden

In mehreren deutschen Fällen ergab sich nach BKA-Angaben der Verdacht auf Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung. Auch von insgesamt 13 gestohlenen hochwertigen Fahrzeugen, die sichergestellt werden konnten, stammten sechs aus Deutschland. Der Anteil der deutschen Drogenaufgriffe: Drei Festnahmen und die Beschlagnahme von zwei Kilo Kokain.

Solche gemeinsamen Aktionen finden regelmäßig statt, bisher aber nicht in diesem Umfang. Sie ersetzen in gewisser Weise die mit dem Start des Schengen-Abkommens weggefallenen Grenzkontrollen. Oliver Malchow, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP): „Der Fahndungserfolg zeigt, dass die Antwort auf international operierende Verbrecherbanden nicht Abschottung und Wiedereinführung von Grenzen ist, sondern polizeiliche Kooperation heißt“.