Das aktuelle Wetter NRW 2°C
Zentralabitur

Turbo-Abiturienten schaffen bessere Noten als G9-Absolventen

22.08.2013 | 16:57 Uhr
Turbo-Abiturienten schaffen bessere Noten als G9-Absolventen
Mit einer Durchschnittsnote von 2,41 haben Schüler, die das Abitur erstmals bereits nach acht Gymnasialjahren ablegten, leicht besser abgeschnitten als die G9-Absolventen (2,44)Foto: Armin Weigel/dpa

Düsseldorf.   Das Turbo-Abitur in acht Gymnasialjahren ist allem Anschein nach ein Erfolg. So konnten G8-Schüler in den diesjährigen Abiturprüfungen sogar durchschnittlich bessere Ergebnisse erzielen als ihre Mitschüler, die ein Jahr länger zur Vorbereitung hatten. Die positive Abi-Bilanz wird allerdings getrübt.

Das umstrittene „Turbo-Abitur“ hat zu keinerlei Leistungseinbrüchen bei den Schülern in NRW geführt. Mit einer Durchschnittsnote von 2,41 haben Schüler, die das Abitur erstmals bereits nach acht Gymnasialjahren ablegten, sogar leicht besser abgeschnitten als die G9-Absolventen (2,44). „Das ist ein Grund zur Freude, da es viele Stimmen gegeben hat, die im Doppeljahrgang am Gymnasium Leistungseinbrüche befürchtet hatten“, sagte Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) bei einer ersten Abi-Bilanz 2013 am Donnerstag.

Insgesamt sind in NRW 2013 knapp 129 000 Schüler in die Abiturprüfung gegangen, rund 2,85 Prozent fielen durch. Stark gestiegen ist die Durchfallerquote an Gesamtschulen. Dort schnitten auch die Abiturienten um etwa eine Drittel-Note schlechter ab als an Gymnasien. Löhrmann sprach dennoch von guten Werten, da Gesamtschulen auch viele Migranten und Schüler ohne Gymnasial-Empfehlung erfolgreich zum Abschluss führten.

1695 Schüler erreichten die Bestnote 1,0

Die Bestnote 1,0 erreichten 1695 Schüler, was einen minimalen Anstieg im Vergleich zu 2012 bedeutete. Es gebe unter den Jugendlichen einen bundesweit feststellbaren Trend zu höherer Leistungsbereitschaft, so Löhrmann. Vorwürfe der Opposition, in NRW werde das Abitur aus politischen Gründen leichter vergeben, wies die Schulministerin scharf zurück: „Wir greifen politisch nicht in die Aufgabenstellung ein.“ Seit 2007 gibt es auch in NRW ein von Experten erarbeitetes Zentralabitur mit gleichen Anforderungen für alle Schüler und Schulformen.

Kommentar
Das Turbo-Abi funktioniert - von Birgitta Stauber-Klein

Inzwischen ist an den Schulen G8 Alltag, für die meisten Lehrer ist es nun wichtiger, Ruhe vor weiteren Reformen zu haben als G9 wieder einzuführen. Schließlich bleibt für sie genug zu tun, um Druck aus dem Schulalltag zu nehmen.

Trotz des guten Abschneidens der „Turbo-Abiturienten“ will die Landesregierung an der Möglichkeit festhalten, erst nach neun Jahren die Reifeprüfung abzulegen. An Gesamtschulen, den neuen Sekundarschulen und vereinzelten Gymnasien werde diese Variante weiter angeboten. Zudem müssten die Rahmenbedingungen für das „Turbo-Abitur“ verbessert werden, damit der empfundene Schulstress für Heranwachsende nicht zu groß werde.

Hausaufgaben sollen in den Schulalltag integriert werden

So sollen Hausaufgaben in den Schulalltag integriert und Ganztagsangebote ausgebaut werden. Zudem will das Land nach Klagen über angeblich zu anspruchsvolle Mathematik-Aufgaben die Klausuren der vergangenen fünf Jahre gesondert analysieren lassen. Seit der Einführung des Zentralabiturs hatten verschiedene Aufgaben für landesweiten Ärger gesorgt, etwa das kaum lösbare „Oktaeder des Grauens“.

Tobias Blasius



Kommentare
24.08.2013
00:38
Turbo-Abiturienten schaffen bessere Noten als G9-Absolventen
von zapfel217 | #12

Es ist alles gruselig. Turbo-Abiturienten - was soll das sein? Ich habe bei meinen Kindern weder einen Wirbel, noch eine wie-auch-immer-geartete Aufladung erlebt. Turbo war da gar nichts. Toller Neologismus.
Inhaltlich: Weil ja im Schulministerium augenscheinlich niemand umrechnen kann, oder will, und bei den Journalisten auch keiner, sei die Formel verraten: Abiturdurchschnitt ist gleich (17-Durchschnittspunktzahl) geteilt durch 3. Wenn man die Zahlen einsetzt (na, wer kann das noch?) kommt man darauf, dass der zwangsbeatmete Turbo-Abiturient etwa 5 Punkte mehr als der herkömmliche hat. Entspricht ca. 0,85% Unterschied. Hefte raus, Klassenarbeit. Wir messen einen Unterschied von 0,85% mit einem Zollstock (und das ist im Vergleich zu Schulnoten schon ein mächtig genaues Instrument!). Na, wer kann sicher 1 Meter von 1,085 Meter unterscheiden (8,5 Millimeter, für die, die nicht so genau aufgepasst haben)? Geht nicht. Eben. Also ist die Überschrift falsch. Und alles andere Humbug.

23.08.2013
20:40
Turbo-Abiturienten schaffen bessere Noten als G9-Absolventen
von Greenkeeper01 | #11

Meine vier Kinder haben alle das G9 Abitur gemacht.Sie waren alle sehr gut vorbereitet.
der Oktaeder des Grauens wurde gelöst und in diesem Jahr wurde die Mathe-Kausur auch sehr gut gelöst.Ich bin froh,dass uns das G8 Abitur des Grauens erspart geblieben ist.

23.08.2013
16:37
Turbo-Abiturienten schaffen bessere Noten als G9-Absolventen
von donelvis | #10

Wenn die Anforderungen beim "Turbo-Abitur" derart sinken, ist es kein Wunder. Mein Sohn hat kaum Hausaufgaben auf, viel Unterrichtsausfall und der Stoff ist zum Teil so anspruchslos, dass er gute Noten ohne große Anstrengung schafft (und er ist KEIN Genie). So etwas kommt raus, wenn man ein Turbo-Abi ohne nachzudenken einführt. Das Abitur soll auf ein Studium vorbereiten. Da werden sich einige Turbo-Abiturienten wundern.

23.08.2013
07:53
Turbo-Abiturienten schaffen bessere Noten als G9-Absolventen
von ibbessen | #9

1. siehe #8
2. gerade in Latein wurde der Lehrplan extrem ausgedünnt, weniger Pflichtvokabeln, nur noch Übersetzung Lat-D, Physik und Chjemie wurden gestrafft....

Also haben sie nicht schneller oder besser sondern kürzer und weniger gelernt
Da aber trotzdem mehr Wochenstunden angefallen sind, wurde die soziale und kindliche Weiterentwicklung gestört, schon beginnend damit das heute mehr 5 als siebenjährige in den ersten Klassen zu finden sind, was aber an den Eltern liegt.

Dann müssen diese Leute nicht mehr zum Bund und machen ein Bachelor-2/3-Studium, sollen aber dann mit 22 voll ins Berufsleben einsteigen,...., sorry, aber wir müssen bei solchen Bewerbern mit ihrem unsicheren kindlichen nicht vom Leben geschulten Auftreten immer ein wenig Schmunzeln, wenn die sich dann auf Bauleiter oder Controller-Stellen bewerben.

2 Antworten
Turbo-Abiturienten schaffen bessere Noten als G9-Absolventen
von Klug22 | #9-1

Die Leistung der G8 ist, dass diese sich letztlich bei den relevanten Fächern besser durchgesetzt haben und das ist sicher lobenswert!
Für alles andere stehen Hanni, Nanni und Konsorten und diejenigen die den Club dran gebracht haben!

Turbo-Abiturienten schaffen bessere Noten als G9-Absolventen
von ibbessen | #9-2

...bei den relevanten Fächern???

Selbst in Mathe wurden Differtial und Integralrechnung nur noch angerissen also abgespeckt. Ich habe den direkten Vergleich meiner beiden Kinder:

Abi 2013 G9 Sohn und G8 Tochter

23.08.2013
01:10
Turbo-Abiturienten schaffen bessere Noten als G9-Absolventen
von ruhrpottfan | #8

und was soll das heißen?
bei dem tempo bleibt für mich die allgemeinbildung auf der strecke.

22.08.2013
23:42
Turbo-Abiturienten schaffen bessere Noten als G9-Absolventen
von bion | #7

Wer stetig bei Pisa das Schlußlicht bildet und kann an der Normalverteilung der Intelligenz nichts ausrichten, ist angehalten, das Niveau zu senken und schon sind sie alle klüger. Da in Frankreich über 84% der Schüler schon eine Universität besuchen, fehlt es an Bäckern, Metzgern, Klempnern, Konditoren usw., unter Niveau will dort niemand eingestellt werden. Wenn die Anforderungen sinken, sind die Noten einfach besser. Das ist gut für die Lehrer, wer hat schon gerne viele Fünferkandidaten in seinem Kurs, könnte auf ihn zurückfallen, auch wenn die Schüler einfach nur faul sind, behindert den Aufstieg in die nächste Gehaltsklasse, und es ist auch stressig, sich um diese Schüler zu bemühen. Sollen sie doch einfach ihren Abschluß bekommen, an der Realität der Arbeitswelt werden sie sowieso scheitern, bei soviel Selbstwertgefühl nach dem bestandenen Abitur.

1 Antwort
Turbo-Abiturienten schaffen bessere Noten als G9-Absolventen
von Klug22 | #7-1

Das Problem sind nicht die Kinder, das Problem sind Menschen wie Hanni, Nanni und Konsorten!

22.08.2013
23:31
Turbo-Abiturienten schaffen bessere Noten als G9-Absolventen
von xxyz | #6

Es ist eine tolle Nachricht, dass es den Schulen gelungen ist, dafür zu sorgen, dass so viele Kinder ein Spitzenabi geschafft haben.

Es geht aufwärts.

Wenn dann noch mehr Geld in die Bildung investiert wird, wird es sicherlich auch nur noch lösbare Aufgaben und noch bessere Leistungen geben und der Stress wird sinken.

Bei den Spitzennoten und den Fördermöglichkeiten müssen diese Leistungen an den Unis bzw im Beruf vergoldet werden.

Im aktuellen Wirtschaftsboom wird das sicherlich in Nrw gelingen.

Glück auf!


22.08.2013
22:02
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

2 Antworten
Höheres Niveau ?
von westpennanthills | #5-1

Das ging auch nur durch Lehrplan-Ausdünnung. Was die G8-ler hier am Ort z.B. an Geschichte, Erdkunde und Sport hatten, war lachhaft.

Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #5-2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

22.08.2013
20:13
Turbo-Abiturienten schaffen bessere Noten als G9-Absolventen
von creck | #4

Wenn man sich vor Augen führt, dass in NRW die SPD regiert, der es mal ein Anliegen war, sozial schwache und Kinder mit Migrationshintergrund besonders zu fördern, damit kein Schüler mehr zurückgelassen wird, dann glaubt man seinen Augen nicht zu trauen, welch neoliberalen Schwachsinn solche Statistiken bestärken.
In Dortmund ist inzwischen das einzig rote an der Kinder- und Jugendpolitik ein brütender Milan.
Schämt Euch!

1 Antwort
Turbo-Abiturienten schaffen bessere Noten als G9-Absolventen
von Klug22 | #4-1

Schüler werden ja auch nicht zurückgelassen! Bis auf ein paar! Aber jetzt Studienanwärter die aufgrund des NC keinen Platz bekommen! ;-)

22.08.2013
19:08
armselig
von stefanw2468 | #3

Welch armselige Erkenntnis: Je kürzer die Schulausbldung, desto besser also das Bildungsergebnis? Dann sollten wir auf G7 oder besser noch G6 absenken. Und, daran hat in der Bildungspolitk sicher noch niemand gedacht: Das spart ja sogar Tausende Stellen ;-)

Im Ernst: Die Welt ist doch eher komplizierter gewordern, der Umfange dessen, was wir sachlich und fachlich bereifen wollen, eher größer. Und wir Menschen werden älter, arbeiten zudem länger. Was also liegt näher, als ein 14 Schuljahr einzuführen. Aber wir muten unserem Nachwuchs das Gegenteil zu und beschönigen den ganzen Schwachsinn mit selbst erstellten Statistiken.

2 Antworten
Turbo-Abiturienten schaffen bessere Noten als G9-Absolventen
von gatagorda | #3-1

Ein Vierzehntes Schuljahr ist Blödsinn. In den meisten anderen Ländern weltweit wird das Abitur bzw. eine dem Abitur entsprechende Prüfung nach 12 Schuljahren abgelegt. Allerdings ist in den meisten anderen Ländern die Grundschule auch mindestens sechsjährig. Ich fände es jedenfalls besser, wenn das dritte Kindergasrtenjahr Pflicht würde und als Vorschuljahr der Grundschule zugeschlagen würde.

Pflicht- Kindergartenjahr ?
von westpennanthills | #3-2

Dann wären wir ja wieder bei 13 Pflichtjahren auf dem Weg zum Abitur. Tolle Reform.

Aus dem Ressort
Schäuble warnt trotz "schwarzer Null" vor Übermut
Haushalt
Historischer Tag im Bundestag: Der erste Haushalt ohne neue Schulden seit 1969 ist beschlossene Sache. Um 13.04 Uhr gab die Vizepräsidentin des Parlaments, Edelgard Bulmahn (SPD), das Abstimmungsergebnis bekannt.
Cameron nennt Bedingungen für Verbleib in der EU
Ausländer
David Cameron, Premierminister von Großbritannien, hat den Verbleib der Briten in der Europäischen Union an konkrete Bedingungen bei Einwanderungsregelungen geknüpft. So sollen Einwanderer aus EU-Ländern erst nach vier Jahren Wohngeld, Kindergeld und andere Wohlfahrtsleistungen beanspruchen können.
Papst fordert in der Türkei die Freiheit des Glaubens
Papstreise
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan empfängt Papst Franziskus in seinem neuen Palast in Ankara. Nur wenige Stunden nach seinen heftigen Attacken gegen den Westen gibt sich der Präsident friedfertig. Sein Gast aber findet klare Worte.
Die meisten Patienten würden ihr Krankenhaus weiterempfehlen
Krankenhäuser
Im Schnitt würden 82 Prozent der stationär Behandelten ihr Krankenhaus weiterempfehlen. Das zeigt eine Umfrage von drei großen Krankenkassen. Doch es gibt auch starke Abweichungen. Die privat betriebene Helios Klinikum in Duisburg etwa rangiert ganz unten.
Bund gibt Kommunen eine Milliarde für Flüchtlingshilfe
Flüchtlinge
Der Bund will den Kommunen in Zukunft dabei helfen, die zahlreichen Flüchtlinge zu versorgen. Insgesamt sollen sie eine Milliarde Euro bekommen. Von den geplanten 25 Millionen Euro Soforthilfe fließen sechs Millionen nach NRW. Weitere Maßnahmen sollen die Kommunen zusätzlich entlasten.
Umfrage
Der deutsche Beitrag zum Spenden-Song
 
Fotos und Videos
Sakurai und Co.
Bildgalerie
Fotostrecke