Das aktuelle Wetter NRW 8°C
Überwachung

Türkei will nach Protesten stärkeren Zugriff auf Twitter

27.06.2013 | 08:48 Uhr
Türkei will nach Protesten stärkeren Zugriff auf Twitter
Protest against PM Tayyip Erdogan at the taksim Square in Istanbu

Ankara.  Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will einen härteren Zugriff auf den Kurznachrichtendienst Twitter haben. In den vergangenen Wochen hatten sich Demonstranten über Twitter verabredet und Nachrichten über die Proteste und Zusammenstöße verbreitet.

Nach den Massenprotesten gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan fordert die Türkei einen härteren Zugriff auf den Kurznachrichtendienst Twitter, den viele Demonstranten als Sprachrohr nutzten. Twitter müsse ebenso wie andere soziale Medien ein Büro in der Türkei haben, sagte Kommunikations-Minister Binali Yildirim am Mittwoch. "Wenn wir Informationen haben wollen, wollen wir, dass es jemanden in der Türkei gibt, der uns das liefern kann. (...) Es muss einen Ansprechpartner geben, dem wir eine Beschwerde übermitteln können, und der dann einen Fehler beheben kann, wenn es einen Fehler gibt."

Im Juni waren wiederholt tausende Menschen in türkischen Städten gegen Erdogan auf die Straßen gegangen. Dabei ging die Polizei zum Teil mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die Demonstranten vor. Erdogan hatte die Protestierer unter anderem als "Terroristen" bezeichnet. Seine harte Reaktion hatte in vielen Ländern Besorgnis ausgelöst, Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich "erschrocken" gezeigt.

Erdogan hat Dienste wie Twitter als "Plage" bezeichnet

Während die meisten türkischen Medien die Proteste am Anfang kaum thematisierten, waren sie etwa auf Twitter oder Facebook allgegenwärtig. Erdogan hat Dienste wie Twitter als "Plage" bezeichnet, die Lügen über die Regierung verbreiten, um die Gesellschaft zu terrorisieren. Örtlichen Medien zufolge soll die Polizei mehrere dutzend Personen festgenommen haben, denen sie vorwirft, während der Proteste über soziale Medien Unruhen geschürt zu haben.

Mit Facebook hat die Regierung den Angaben nach keine Probleme. Der Dienst arbeite mit den Behörden zusammen und habe einen Vertreter in der Türkei. Von Twitter habe er aber keine positive Schritte gesehen, nachdem die Regierung dem Dienst die "notwendigen Warnungen" habe zukommen lassen, sagte Minister Yildirim. Aus Kreisen des Ministeriums hieß es, die Regierung habe Twitter aufgefordert, die Identität der Nutzer preiszugeben, die beleidigende Nachrichten über die Regierung oder Erdogan gepostet hätten.

Es ist unklar, wie Twitter auf die Aufforderung reagiert hat. Facebook erklärte in einer Mitteilung, man habe nach einer Anfrage der Regierung keine Daten von Nutzern an die Behörden weitergegeben.

Identifikationsnummern für Twitter-Nutzer?

Das türkische Innenministerium hat bereits jüngst mitgeteilt, es arbeite an neuen Regeln, die auf "Provokateure" in sozialen Medien abzielten. Details dazu sind noch unklar. Ein Insider sagte, das Justizministerium habe vorgeschlagen, dass jeder Türke, der einen Twitter-Account einrichten wolle, sich mit seiner nationalen Identifikationsnummer anmelden müsse. Ein anderes Ministerium habe das als "technisch unmöglich" abgelehnt.

Auf eine deutsche Behröden-Anfrage hin hat Twitter bereits seit 2012 eine Funktion mit Namen "country withheld content". Damit ist eine Art Zensur von Tweets möglich, die in einem bestimmten Land als gesetzeswidrig angesehen werden könnten. Die Funktion war damals genutzt worden, um Tweets einer rechtsgerichteten Gruppe in Deutschland zu blockieren.

Die Türkei hatte in der Vergangenheit bereits Erfolg bei ihrem Bemühen nach mehr Zugriff auf soziale Medien. So hatte die Regierung nach eigenen Angaben 2012 nach längerem Streit erreicht, dass die Filme-Plattform Youtube in der Türkei unter einer türkischen Web-Domain arbeitet. Damit hat das Land mehr Kontrolle über Youtube und kann zudem die Zahlung von Steuern fordern. Die Türkei hatte Youtube zuvor zwei Jahre lang verbannt, nachdem über die Plattform Filme verbreitet wurden, die nach Meinung der Regierung den Republik-Gründer Kemal Atatürk verunglimpften. (rtr)



Kommentare
27.06.2013
09:17
Türkei will nach Protesten stärkeren Zugriff auf Twitter
von mansgruf | #1

Versteh ich jetzt nicht wirklich "Türkei will nach Protesten stärkeren Zugriff auf Twitter" muss sich doch nur anmelden, oder?
Ach jetzt verstehe ich, Erdogan ist die Türkei..das nenne ich mal regimetreue Propaganda in der deutschen Presse..erst denken, dann noch mal probelesen, dann verbreiten liebe Redaktion..ach ja gibt es ja aus Kostengründen nicht mehr, Denker und Probeleser!

Aus dem Ressort
Deutschland testet Ebola-Impfstoff
Ebola
Für den Einsatz in den afrikanischen Ebola-Gebieten melden sich viele Ärzte und Angehörige der Bundeswehr freiwillig - aber die wenigsten sind einsatzfähig. In Deutschland wird bald ein Impfstoff getestet. Bei Unruhen in Sierra Leone starben Menschen.
Gabriel wirbt in USA für Chancen durch TTIP
Freihandelsabkommen
Sigmar Gabriel ist erstmals als Wirtschaftsminister in den USA - und wehrt sich gegen Forderungen, dass Deutschland die Probleme anderer EU-Staaten mit mehr Geld lösen soll. Bei US-Vizepräsident Joe Biden ging es um das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP.
Angriff mit zwei Toten auf Parlament in Kanada
Terror-Alarm
Dutzende Schüsse peitschten am Mittwoch durch das kanadische Parlament. Auch am Kriegerdenkmal in Ottawa wird geschossen. Ein Soldat stirbt später an seinen Verletzungen. Auch eine zweite Person wird erschossen. Stehen Islamisten hinter dem Anschlag? Nichts ist sicher.
Kanzlerin Merkel will Migration als Chance nutzen
Zuwanderung
Deutschland sollte die Chancen der Zuwanderung nach Ansicht von Kanzlerin Angela Merkel stärker nutzen. Das Land habe die Möglichkeit, „ein tolles Integrationsland“ zu sein, sagte Merkel am Mittwoch bei einer Konferenz ihrer Partei zum Thema Zuwanderung. Migration müsse als Chance verstanden werden.
DFL soll in Bremen für Polizei bei Risikospielen zahlen
Fußball-Bundesliga
Die erste Rechnung kommt möglicherweise noch in diesem Jahr: Künftig will Bremen als erstes Bundesland die Deutsche Fußball Liga an den Kosten für Polizeieinsätze bei Risikospielen beteiligen. Muss Werder Bremen letztlich dafür aufkommen?
Umfrage
Die Stadt Duisburg will Schul-Parkplätze an Lehrer vermieten – aber auch an Anwohner. Eine gute Idee?

Die Stadt Duisburg will Schul-Parkplätze an Lehrer vermieten – aber auch an Anwohner. Eine gute Idee?

 
Fotos und Videos
Sakurai und Co.
Bildgalerie
Fotostrecke