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Syrien

Türkei startet Vergeltungsschläge nach Toten durch syrische Granate

03.10.2012 | 22:15 Uhr

Beirut/Istanbul.  Nach dem Tod von fünf Zivilisten durch Granatenbeschuss aus Syrien hat die Türkei Vergeltungsangriffe gestartet. Der Nato-Rat wurde noch für den Abend zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen. US-Außenministerin Clinton äußerte sich "entrüstet" darüber, dass aus Syrien über die Grenze geschossen wurde.

Gefährliche Eskalation an der syrisch-türkischen Grenze: Eine aus Syrien abgefeuerte Granate schlug in einem Haus des türkischen Grenzortes Akcakale ein und tötete nach Angaben der türkischen Regierungspartei AKP fünf Menschen, darunter einen sechsjährigen Jungen. Das Büro des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan teilte am Abend mit, die Artillerie habe daraufhin Ziele in Syrien beschossen, die mit Radar erfasst worden seien. Türkische Sicherheitskreise vermuteten, dass die in Akcakale eingeschlagene Granate von syrischen Regierungstruppen abgefeuert wurde.

"Die Türkei wird solche Provokationen des syrischen Regimes, die unsere nationale Sicherheit bedrohen, niemals ungestraft lassen", erklärte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwochabend in Ankara. Der NATO-Rat wurde noch für den Abend zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen.

Nato beobachtet Konflikt "mit großer Sorge"

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu telefonierte wegen des Granatenbeschusses von Akcakale mit Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und dem internationalen Syrien-Sondergesandten Lakhdar Brahimi. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP), der sich auf einer Feier zur deutschen Einheit in der deutschen Botschaft in Paris aufhielt, sagte, er wolle sich erst zu den Vorgängen äußern, wenn er mit seinem türkischen Kollegen Davutoglu darüber gesprochen habe.

"Unversehrtheit des Gebiets" bedroht

Nach einem tödlichen Granatenbeschuss aus Syrien und Vergeltungsangriffen der Türkei sind in Brüssel am Mittwochabend die NATO-Botschafter der 28 Mitgliedsländer zu Beratungen auf Basis des Artikels 4 des NATO-Vertrags zusammen gekommen. In dem Artikel heißt es: "Die Parteien werden einander konsultieren, wenn nach Auffassung einer von ihnen die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht ist." Der sogenannte NATO-Bündnisfall nach einem Angriff auf ein Mitglied der Militärallianz wird in Artikel 5 geregelt.

In der Geschichte der NATO ist es erst das dritte Mal, dass Konsultationen auf Grundlage des Artikels 4 stattfinden. Zuletzt hatten die NATO-Länder auf Bitten der Türkei Ende Juni eine Artikel-4-Krisensitzung abgehalten, nachdem die syrische Luftwaffe einen türkischen Kampfjet abgeschossen hatte. Erstmals kam der Artikel im Jahr 2003 im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg zur Anwendung. Auch damals fanden die Konsultationen auf Antrag der Regierung in Ankara statt.

Das Militärbündnis beobachte die Lage "mit großer Sorge", sagte Rassmussens Sprecherin Oana Lungescu in Brüssel. Der Generalsekretär habe den Vorfall "scharf verurteilt". US-Außenministerin Hillary Clinton äußerte ihre "Entrüstung" darüber, dass aus Syrien über die Grenze geschossen worden sei. "Wir bedauern den Verlust von Menschenleben auf der türkischen Seite", sagte Clinton. Der UN-Generalsekretär bat den türkischen Außenminister, er möge "alle Kommunikationswege" zur syrischen Regierung aufrechterhalten, um "aus dem Vorfall resultierende Spannungen zu vermindern".

Unklare Lage auf den Golanhöhen

Auch an den südlichen Nachbarn Israel rückte der syrische Bürgerkrieg näher heran: An der Waffenstillstandslinie auf den von Israel kontrollierten Golanhöhen versammelten sich Dutzende bewaffneter Männer. Die israelischen Behörden versetzten daraufhin die Streitkräfte in der Region in Alarmbereitschaft und schlossen einen Ausflugspunkt. Israelische Sicherheitskräfte bezeichneten die Lage als unklar. So sei nicht bekannt, ob es sich bei den Männern in ziviler Kleidung um syrische Soldaten oder Rebellen handelte. Es habe keine Versuche gegeben, die Waffenstillstandslinie mit Gewalt zu überschreiten.

 In Syrien selbst wurde die umkämpfte Handelsmetropole Aleppo von drei Selbstmordanschlägen erschüttert, die mindestens 33 Menschen in den Tod riss. Es habe viele zum Teil schwer verletzte Menschen gegeben, meldeten syrische Medien und Rebellen. Mehrere Gebäude stürzten ein und begruben vermutlich weitere Menschen in den Trümmern.

Syrien
Dutzende Tote bei Anschlägen in Aleppo

Bei den Explosionen in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo sind offenbar noch mehr Menschen ums Leben gekommen, als zunächst gemeldet. Mindestens 40 seien getötet und 90 verletzt worden, berichtete die oppositionelle Syrische Beobachtergruppe für Menschenrechte am Mittwoch.

Drei Attentäter zündeten getrennt voneinander auf dem Platz Saadallah al Dschari im Zentrum der Stadt ihre Autobomben in der Nähe eines Offiziersclubs. Zunächst bekannte sich niemand zu den Anschlägen. Die Regierung in Damaskus machte die von ihr als "Terroristen" bezeichneten Rebellen verantwortlich. Es gibt aber auch zunehmend Befürchtungen, dass die Terrorgruppe Al-Kaida in Syrien tätig wird.

"Wie eine Serie von Erdbeben"

Staatliche syrische Medien berichteten, der Offiziersclub und ein Hotel seien fast vollständig zerstört worden. Eine weitere Bombe explodierte einige hundert Meter entfernt in der Nähe der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Altstadt. "Es war wie eine Serie von Erdbeben", sagte ein Bewohner des Viertels, der seinen Namen nicht nennen wollte.

Das Gebiet wird von Regierungssoldaten kontrolliert. Die Rebellen starteten in der vergangenen Woche eine neue Offensive in Aleppo. Die Eroberung der Stadt wäre ein strategisch wichtiger Erfolg. Die Rebellen hätten dann eine nördliche Basis, in der sie aus der Türkei versorgt werden und dann den Kampf gegen die Regierung von Präsident Baschar Assad weiter ins Land tragen könnten.

Seit Beginn des Aufstands gegen die Regierung von Assad im März des vergangenen Jahres sind nach Schätzungen von Aktivisten mehr als 30.000 Menschen getötet worden. (dapd)



Kommentare
04.10.2012
02:00
Nach hier aufgeführter Berichterstattung,...
von Cebulon | #6

...wurde über die Syrisch-Türkische Grenze geschossen. Fünf Menschen wurden getötet. Alles Andere wissen wir nicht.

Auch ich bin kein Anhänger des Herr Erdogan. Ob sich die Meldung als unwahr heraussellen sollte, kann man für möglich halten. Zu dem jetzigen Zeitpunkt und dem jetzigen Wissensstand einen Vergleich mit Gleiwitz und Tonkin zu ziehen, halte ich für falsch und zudem auch in anbetracht der Opfer für schlichtweg geschmacklos.

03.10.2012
23:54
Türkei startet Vergeltungsschläge nach Toten durch syrische Granate
von donfernando | #5

Vergeltungsschläge? Klingt ein bisschen wie im letzten Krieg. Da hieß es Partisanen bekämpfen...oder so ähnlich...tatsächlich hat man ganze Dörfer an die Wand gestellt. oder jedenfalls Geiseln. Siegfried Lenz: Stadtgespräch. Sollte ins Türkische übersetzt werden.

03.10.2012
22:59
Türkei startet Vergeltungsschläge nach Toten durch syrische Granate
von ditku | #4

Hau rein Erdogan! Zeig dein wahres Graue-Wölfe-Gesicht.

03.10.2012
22:31
Türkei startet Vergeltungsschläge nach Toten durch syrische Granate
von Hugo60 | #3

Es läuft alles nach Plan des Westens.

4 Antworten
Türkei startet Vergeltungsschläge nach Toten durch syrische Granate
von Ismet | #3-1

Können Sie das etwas näher Erläutern bitte?

Türkei startet Vergeltungsschläge nach Toten durch syrische Granate
von Ismet | #3-2

Könnten Sie das etwas näher Erläutern bitte?

Türkei startet Vergeltungsschläge nach Toten durch syrische Granate
von DerBiker72 | #3-3

Es geht um Geostrategische Erweiterung. Syrien ist "nur" ein Feld auf dem Schachbrett. Iran wäre danach an der Reihe. Alte Kriegstaktik - wir bauen Lügen auf und handeln danach und machen aus dem Opfer einen Satan.
Bezieh ich mich auf diesen Bericht in dem mal wieder steht "Türkische Sicherheitskreise vermuteten, dass die in Akcakale eingeschlagene Granate von syrischen Regierungstruppen abgefeuert wurde."...vermuten...
Von einer Vermutung in die nächste. Wie im Iran. Wie im Irak seinerzeit. Wer hier mal an Quellen kommt, aus denen internere Infos einlaufen, wird ganz schnell erkennen, dass die Konflikte programmiert und geplant sind.

Türkei startet Vergeltungsschläge nach Toten durch syrische Granate
von Ismet | #3-4

@DerBiker72
Danke für die erklärenden Worte.
Ich wollte es hier durch eine "Neutrale" Person lesen was ich eh wusste bzw. vermutet habe.
Es ist wie im letzten Irak Krieg wo die USA "vermutete" das es dort Massenvernichtungswaffen geben würde, die niemals gefunden wurde. Da fällt mir der Spruch von Vladimir Putin ein der in etwa so ging: "wenn ich die Amerikaner wäre, ich hätte welche gefunden"...

Um auf diese Krise zurück zu kommen. Hier sollten wir festhalten, das die politische Stimmung zwischen Syrien und der Türkei ohne hin schon angespannt war bzgl. dem Flugzeugabschuss durch die syrischen Streitkräfte.
Ich möchte betonen das ich im Herzen ein Pazifist bin und jedwede Form von Gewalt verabscheue.

03.10.2012
22:29
Türkei startet Vergeltungsschläge nach Toten durch syrische Granate
von neuernickdauert27sekunden | #2

Schönes Foto! Erinnert stark an.....
zum Thema:
Der Größtetürkenführer aller Zeiten lässt das zündeln nicht.....!!!

03.10.2012
22:26
Türkei startet Vergeltungsschläge nach Toten durch syrische Granate
von Pucky2 | #1

Kriegstreiber Erdogan!

Ich kann dazu nur sagen: Der Sender von Gleiwitz, der Golf von Tonking

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