Tsipras verspricht Merkel für Dienstag neue Vorschläge

Gespanntes Verhältnis: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras.
Gespanntes Verhältnis: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Griechenland will den Euro-Partnern bei ihrem Sondergipfel am Dienstag neue Vorschläge gegen die Schuldenkrise vorlegen. Merkel und Hollande machen Druck.

Athen/Berlin/Paris.. Einen neuen Vorstoß und neue Vorschläge gegen die Schuldenkrise versprach Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Telefonat am Tag nach dem griechischen Referendum. Das bestätigten Regierungskreise in Athen und Berlin.

Merkel und Hollande verlangen schnelle Vorschläge

Deutschland und Frankreich machen der griechischen Regierung Druck bei der Suche nach einer Lösung für die Finanzkrise. Athen müsse "dringend" konstruktive Vorschläge machen, betonten Frankreichs Präsident François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag nach einem Treffen in Paris teils wortgleich in kurzen Statements. "Es gibt Zeitdruck für Griechenland und es gibt Zeitdruck für Europa", sagte Hollande.

Merkel forderte den griechischen Regierungschef Alexis Tsipras auf, rasch einen konkreten Plan für die wirtschaftliche Zukunft seines Landes zu unterbreiten. "Hierbei drängt die Zeit. Wir werden darauf Wert legen, dass in dieser Woche solche Vorschläge auf den Tisch kommen müssen", sagte Merkel im Élyséepalast. Sie erwarte präzise Vorschläge für ein mittelfristiges Programm, das Griechenland wieder Wachstum bringe. Bereits am Dienstag kommen in Brüssel die Staats- und Regierungschefs der Euroländer zu einem Sondergipfel zusammen.

Merkel: "Die Tür für Gespräche bleibt offen"

"Wir sagen sehr deutlich, dass die Tür für Gespräche offen bleibt", betonte Merkel. Für Verhandlungen über Hilfen unter dem Dach des Euro-Rettungsschirms ESM seien die Voraussetzungen aber zurzeit nicht gegeben.

Auch aus Sicht Hollandes braucht Griechenland langfristige Lösungen. "Es gibt nicht mehr viel Zeit", betonte Hollande. Tsipras müsse jetzt Vorschläge machen. Dabei sei "der Gleichklang von Solidarität und Verantwortung die Leitlinie für die kommenden Tage".

Merkel und Hollande wollten vor dem Treffen der 19 Euro-Länder am Dienstag eine gemeinsame Linie abstimmen. Merkel hob in Paris zugleich hervor, wie wichtig die Reaktionen in allen Euro-Ländern seien. "Auch das ist Demokratie", sagte die Kanzlerin.

Griechischer Finanzminister Varoufakis tritt zurück Griechenland-Pleite

Trotz des Erfolgs bei der Volksabstimmung trat Tsipras’ umstrittener Finanzminister Yanis Varoufakis (54) zurück. Sein Schritt könne dem Regierungschef vielleicht helfen, eine Vereinbarung mit den Geldgebern zu erreichen, so Varoufakis: „Aus diesem Grund verlasse ich das Finanzministerium heute.“ Der exzentrische 54-Jährige galt im Kreise der Euro-Finanzminister als isoliert. Neuer Finanzminister wird der bisherige Vize-Außenminister Euklides Tsakalotos. Der Ökonom, der sich selbst als Marxist bezeichnet, gilt als umgänglicher als Varoufakis.

Bei der Volksabstimmung über die Sparvorgaben der Gläubiger hatten am Sonntag 61,31 Prozent der Wähler mit „Nein“ und 38,69 Prozent mit „Ja“ votiert. Regierungschef Tspiras verlangte nach diesem Ergebnis Zugeständnisse der Gläubiger. Führende EU-Politiker forderten die Regierung in Athen auf, neue Vorschläge zur Lösung der Schuldenkrise vorzulegen. Offen blieb zunächst, wie diese Vorschläge aussehen könnten.

Hektische Krisen-Diplomatie vor Sondergipfel am DienstagGriechenland

Dem Treffen der Staats- und Regierungschefs aller 19 Euro-Länder am Dienstag war eine hektische Krisen-Diplomatie in Europa vorausgegangen. Am Montagvormittag telefonierten Griechenlands Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos und Ministerpräsident Tsipras mit dem französischen Präsidenten François Hollande, bevor der am Abend Merkel empfing.

Banken bleiben mindestens bis Mittwochabend geschlossen

Die Banken in Griechenland bleiben bis wenigstens Mittwochabend weiter geschlossen. Wie die Präsidentin des Bankenverbandes, Louka Katseli, am Montag mitteilte, wurde die seit gut einer Woche geltende Regelung um zwei Tage verlängert. Dies habe der Rechnungshof auf einer Sitzung unter dem Vorsitz des stellvertretenden Finanzministers Dimitris Mardas beschlossen.

Griechenland Danach dürfen die Griechen weiterhin maximal 60 Euro am Tag an den Geldautomaten von ihren Konten abheben. Die bisher geltenden Kapitalverkehrskontrollen waren Anfang voriger Woche in Kraft getreten und sollten am Montagabend auslaufen. Überweisungen ins Ausland sind nur nach einer Genehmigung der Zentralbank möglich. Rentner, die keine Bankkarten haben, können in der Woche höchstens 120 Euro abheben. Ausländische Touristen sind von den Einschränkungen nicht betroffen. (mit dpa)