Tsipras schwärmt vom griechisch-russischen Frühling

Russlands Präsident Wladimir Putin (re.) empfängt den griechischen Premier Alexis Tsipras.
Russlands Präsident Wladimir Putin (re.) empfängt den griechischen Premier Alexis Tsipras.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der Besuch des griechischen Regierungschefs in Moskau sorgt in Brüssel für Unruhe. Es gibt die Sorge, Kreml-Chef Putin könnte versuchen, den Club der 28 EU-Staaten zu spalten - wieder einmal. Ob er dem Gast einen dicken Scheck überreicht, ist fraglich.

Moskau.. Am Mittwoch will er den Präsidenten Wladimir Putin treffen, danach erwarten ihn Premierminister ­Dmitri Medwedew, Duma-Sprecher ­Sergei Naryschkin und der ortho­doxe Patriarch Kiril. Russlands höchste Würdenträger empfangen Alexis Tsipras in Moskau, obwohl der griechische Premierminister mit ziemlich leeren Händen kommt. Aber er sagt Dinge, die man in Russland gerne hört.

Am Vorabend seines Besuches schwärmte er von „Neustart“ und „Frühling“ im griechisch-russischen Verhältnis. Außerdem erklärte der Grieche, er sei mit den EU-Sank­tionen gegen Russland nicht ein­verstanden. „Ich denke, das ist ein Weg, der ins Nichts führt.“

Reparationen Bekanntlich ist Griechenland ­beinahe bankrott, es gilt als sicher, dass Tsipras im Kreml um eine Senkung der Gaspreise und um eine ­Lockerung des russischen Boykotts von heimischem Obst und Gemüse bitten wird. Zudem vermutet man in Moskau, er wolle über Geld reden. „Wir sind bereit, Griechenland neue Kredite zu geben“, sagte ein Regierungsbeamter der Zeitung Kommersant. Im Gegenzug sei man „an bestimmten Aktiva in Griechenland“ interessiert.

Russische Diplomatie bearbeitet „Wackelkandidaten“

Vor allem aber konzentriert sich Russlands Interesse auf Tsipras’ politische Verlaut­barungen – im Idealfall auf ein ­griechisches Veto gegen die EU-Sanktionen, die offiziell im Juli auslaufen. Seit Monaten bearbeitet die russische Diplomatie verschiedene EU-Staaten mit dem Ziel, sie aus der europäischen Einheitsfront gegen das zum Teil kriegerische Vorgehen Russlands in der Ostukraine herauszubrechen.

Als Wackelkandidaten gelten etwa das hoch verschuldete Zypern, „Hausinsel“ russischer Millionäre. Präsident Anastasiadis stellte die Sanktionen wiederholt in Frage. Oder Ungarn, wo der Rechtspopulist Orbán regiert: Erst im Januar vergab er den Ausbau des Kernkraftwerks Paks an den rus­sischen Staatskonzern Rosatom – dafür pumpte er sich bei Russland zehn Milliarden Euro.

Gemeinsame Religion, gemeinsame Geschichte

Und schließlich ist auch der Linkspopulist Tsipras ein interessanter Ansprechpartner; sein Land teilt mit Russland die ortho­doxe Religion, auch die Anlehnung der politischen Linken an Moskau gilt seit Sowjetzeiten als Tradition.

Schon spekuliert die Financial Times über einen griechischen Plan „B“: Ausstieg aus der Eurozone, massive russische Kredite und als Dankeschön ein Veto gegen die Sanktionen und eine Blockade der von der EU geplanten Gaspipeline vom Kaspischen Meer nach Europa, unter Umgehung Russlands.