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Tsipras greift nach der Macht

24.01.2015 | 00:11 Uhr

Athen. Antonis Samaras macht den Griechen Angst: Ein Sieg des radikal-linken Bündnisses Syriza bei der Parlamentswahl am Sonntag? Dann gerät der Euro in Gefahr, warnt der konservative griechische Premierminister. An den Bankautomaten gibt es dann womöglich kein Geld mehr, dem Land droht der Absturz in eine neue, noch schwerere Krise ? Staatsbankrott. Alle Opfer der vergangenen Jahre währen umsonst gewesen.

Doch viele Wähler scheinen unbeeindruckt von den Horrorszenarien. Seit Monaten liegt Syriza in den Meinungsumfragen vorn, in der Woche vor der Wahl hat das Linksbündnis sogar seinen Vorsprung sogar ausbauen können. In einer am Freitag publizierten Erhebung liegt die Linke mit einem Abstand von 6,2 Prozentpunkten vorn – doppelt so viel wie noch eine Woche zuvor. „Die Hoffnung kommt“ – lautet der Syriza-Wahlkampf-Slogan. Man sei „nur noch einen halben Schritt vom Sieg entfernt“, frohlockt Parteichef Alexis Tsipras. „Nichts kann uns mehr stoppen“, rief der 40-Jährige am Donnerstagabend auf einer Wahlkampfkundgebung in Athen. „Die Zeit der Linken ist gekommen“, schallte es aus dem Publikum zurück.

Volksabstimmung gegen den Sparkurs

Die Wahl wird zu einer Volksabstimmung gegen den Sparkurs, der Griechenland in den vergangenen fünf Jahren ein Viertel seiner Wirtschaftskraft gekostet und eine Million Arbeitsplätze ausradiert hat. Seit Beginn der Krise sind 230 000 Klein- und Mittelstandsbetriebe pleitegegangen. Die Rezession hat die Menschen zermürbt. Die Arbeitslosenquote beträgt 26 Prozent, unter den Jugendlichen sogar 50 Prozent. Tsipras will die Sparpolitik beenden, Renten und Mindestlöhne erhöhen. Konflikte mit den Kreditgebern sind damit programmiert.

22 Politische Parteien und Parteienbündnisse treten am Sonntag bei der Parlamentswahl in Griechenland an. Acht von ihnen haben Aussichten, die geltende Dreiprozenthürde zu überspringen. Während sich anfangs das Interesse auf das Duell zwischen Samaras und Tsipras konzentrierte, steht inzwischen Tsipras als Gewinner so gut wie fest. Alles andere als ein Syriza-Sieg wäre jedenfalls eine faustdicke Überraschung. Offen bleibt, ob Tsipras eine absolute Mehrheit gewinnt.

50 Bonussitze für den Wahlsieger

Eine Regierungsbildung gegen den voraussichtlichen Sieger Syriza ist kaum möglich, da die stärkste Partei nach dem griechischen Wahlrecht einen Bonus von 50 der 300 Mandate erhält. Deshalb bekommt das Rennen um Platz drei besondere Bedeutung. Ihn belegt in den meisten Umfragen die erst im März 2014 gegründete Partei „To Potami“ (Der Fluss). Initiator der Mitte-Links-Bewegung ist der bekannte griechische Fernsehjournalist Stavros Theodorakis. „Unsere Heimat ist Europa, unsere Währung ist der Euro“, sagt Theodorakis. Er gilt als möglicher Koalitionspartner für Syriza, falls Tsipras die absolute Mehrheit verfehlt – und könnte in dieser Rolle mäßigend auf die radikale Linke einwirken.

Gerd Höhler

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2015-01-24 00:11
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