Trotz Vollzeitjob droht vielen Menschen Altersarmut

Ein entspannter Lebensabend ist das Ziel der Arbeitnehmer. Doch Experten warnen: Viele werden im Alter kaum genug Geld zum Leben haben.
Ein entspannter Lebensabend ist das Ziel der Arbeitnehmer. Doch Experten warnen: Viele werden im Alter kaum genug Geld zum Leben haben.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Sozialexpertin Ursula Engelen-Kefer: Ein Drittel der 30- bis 55-Jährigen ist betroffen. Außerdem schrumpfen die Rücklagen der Rentenversicherung.

Berlin.. Die heute mittleren Generationen (30- bis 55-Jährige) haben von der gesetzlichen Rente oft nicht viel zu erwarten. „Für etwa ein Drittel der Vollzeit-Beschäftigten besteht die Gefahr von Altersarmut“, befürchtet die Sozialexpertin und frühere DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer. Hauptgrund ist die Absenkung des Rentenniveaus bis 2030. Dazu kommt, dass die Inflation an der Kaufkraft der Ruhegelder nagt. Seit 2005 hätten die Rentner im Westen 13 Prozent, im Osten acht Prozent an Kaufkraft eingebüßt, so Engelen-Kefer.

Überdies sinken durch das von der Großen Koalition beschlossene Paket aus Mütterrente und dem abschlagsfreien Zugang mit 63 Jahren die finanziellen Spielräume der Rentenversicherung. Die Rücklagen werden schon nach wenigen Jahren aufgebraucht sein. Gerade die Rente mit 63 erweist sich als Renner. Nach Angaben der Rentenversicherung haben bisher 255. 000 Arbeitnehmer einen Antrag gestellt. Das sind deutlich mehr als gedacht. Damit wird dieses Instrument noch teurer als erwartet. Beides zusammen kostet die Beitragszahler rund 8,5 Milliarden Euro im Jahr.

Union fordert Nachbesserungen am Rentenpaket

Aus der Union wird nun die Forderung nach Nachbesserungen an dem von der SPD durchgesetzten Teil des Rentenpakets laut. So könnte beispielsweise die bisherige Anrechnung von Zeiten der Arbeitslosigkeit auf die Beitragszeit wieder gestrichen werden, heißt es aus dem Mittelstandskreis der Union. Bei anhaltender Nachfrage müssten sonst spätestens in vier Jahren die Beiträge zur Rentenversicherung angehoben werden. Antragsberechtigt sind alle Arbeitnehmer, die mit 63 Jahren insgesamt 45 Jahre lang Beiträge in die Rentenversicherung gezahlt haben.

Rente Das weitaus größere Problem der gesetzlichen Rente wird erst in einigen Jahren in aller Härte sichtbar. Die bisherige Prognose der Bundesregierung reicht bis zum Jahr 2030. Im kommenden Jahr muss sie eine darüber hinausgehende Schätzung vorlegen. Nach Einschätzung des Ökonomen Friedrich Breyer von der Uni Konstanz wird das dann geltende schon geringe Rentenniveau von 43 Prozent des letzten Lohnes bei gleichbleibenden Beitragssätzen nicht lange haltbar sein. „Es wird ein Schröder II kommen und die Renten weiter kürzen“, befürchtet der Forscher. Sowohl Engelen-Kefer als auch Breyer fordern rechtzeitige Korrekturen, damit eine Welle von Altersarmut noch verhindert werden kann.