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Trommeln und Tröten verboten

23.01.2015 | 00:11 Uhr

Hagen. Heimspiel? Beim Mülheimer VfB Speldorf löst der freundliche Begriff eher unfreundliche Gefühle aus. Kämpfen seine Kicker zu Hause auf dem Platz an der Saarner Straße, gelten für die Fans strikte Regeln. Trommeln und Fanfaren sind verboten. Musik vor oder nach dem Spiel oder wenn ein Tor gefallen ist ist tabu. Die Vorgaben der Stadt sind der Preis dafür, dass der VfB hier überhaupt antreten darf. Kommunale Ordnungskräfte wachen darüber, dass alles eingehalten wird.

Speldorf ist nur ein Beispiel von vielen in der Region – und nicht nur dort. Bundesweit erzwingen Anwohner Einschränkungen für Sportvereine. Der Lärmschutz geht vor. In Oberhausen am Rechenacker etwa dürfen nur Schulklassen Sport treiben. Vereinssport? Geht nicht. Tatsächlich stört nicht nur der Spiellärm, sondern auch das Drumherum. Die An- und Abfahrt der Busse. Die verstopften Parkplätze. Der Bratwurstduft, der durch die Siedlung zieht. Das „Urinieren in Vorgärten und an Hauswänden“, wie Anwohner klagen. Beim Städtetag hat man für beide Seiten, also auch für die Beschwerden Verständnis. Die Gesamtbelastung müsse man sehen, so Dezernent Klaus Hebborn. „Wird der Lärm für viele Wohngebiete nicht insgesamt größer?“

Berlin, Sportausschuss im Bundestag. Er ist auch Bühne für die großen Sportverbände. War ihr Auftritt bisher nicht mächtig genug, sich gegenüber der Politik zu wehren?

Bereitschaft zur Klage gestiegen

„Der organisierte Sport hatte bisher nicht den Eindruck, dass beim Gesetzgeber Änderungsbereitschaft besteht“, sagt Willi Hink, Direktor Amateurfußball beim DFB. Politiker redeten zwar von der Förderung der Gemeinschaftserlebnisse. Aber der Fußballplatz werde eben „zugunsten von Individuen benachteiligt“. Achim Haase vom Landessportbund NRW verweist auf die letzte Umfrage unter den Mitgliedern: 23 Stadt- und Kreissportbünde stellen „eine gestiegene Bereitschaft zur Klage durch Anwohner“ fest, wenn es laut wird. Zehn rechnen sogar „mit einer Verschärfung der Situation“.

Jetzt aber könnte vieles anders werden. „Wir müssen noch dicke Bretter bohren Aber man erkennt unseren Anspruch an“, hofft auch Achim Haase. Denn das Bundesumweltministerium, das eine Lockerung der Regeln für den Sport in Wohngebieten bisher ablehnte, ist zur Korrektur bereit, sagt sein Staatssekretär Florian Pronold.

Wie könnte die aussehen? Der Grenzwert von 50 Dezibel an sich, der in einem Tagesmittel gemessen wird, steht nicht zur Debatte. Dafür aber der Sonntagsschutz, der die Nutzung der Außensportanlagen zwischen 13 und 15 Uhr an Sonn- und Feiertagen bisher verbietet. Das sei, schreibt der Städtetag in einem Papier, mit Blick auf „veränderte Sport- und Freizeitgewohnheiten“ akzeptabel. Und der Altanlagenbonus, der für Sportplätze gilt, die vor 1991 gebaut sind, könnte künftig selbst dann noch weiter gelten, wenn aus einem Aschenplatz ein Kunstrasenplatz wird. Heute gilt in vielen Bundesländern, dass nach einem Umbau des Platzes niedrigere Lärmwerte einzuhalten sind.

Kinderlärm als Richtschnur

Als Kern der Neuregelung zeichnet es sich aber ab, wenn „wir den Kinderlärm als Richtschnur nehmen“, wie es die Ausschussvorsitzende Dagmar Freitag (SPD) will. Seit 2011 können Anwohner in Wohngebieten nicht mehr gegen Kinderlärm klagen. Denkbar: Künftig darf auch die Vereinsjugend trainieren und spielen, ohne dass diese Lärmwerte den Vereinen als Grenzwertverletzung angekreidet werden. „Es macht logisch keinen Sinn, wenn 13-Jährige noch Lärm machen dürfen, 14-Jährige aber bei der sportlichen Betätigung nicht mehr“, sagt Freitag.

Leicht, weiß Dagmar Freitag, wird das nicht. „Wir werden keine Lösung finden, die beiden Seiten zu 100 Prozent gerecht wird“. Dass das so ist, kann sie auch in den Internet-Kommentaren zur Lage des Mülheimer VfB Speldorf ablesen. Stoertebekker23 schreibt: „Da wundern wir uns, dass es überall in der Welt Krieg gibt, wenn wir es nicht einmal im kleinen nachbarschaftlichen Kreis schaffen, miteinander zu leben“.

Dietmar Seher

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Trommeln und Tröten verboten
Trommeln und Tröten verboten
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http://www.derwesten.de/politik/trommeln-und-troeten-verboten-aimp-id10265471.html
2015-01-23 00:11
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