Tröglitz ist nicht überall...

An Rhein und Ruhr..  Tröglitz, die kleine Gemeinde im Burgenlandkreis, ist zum Synonym für Fremdenfeindlichkeit und rechte Hetze geworden. Ein ehrenamtlicher Bürgermeister wirft nach rechten Anfeindungen das Handtuch, ein Landrat wird mit dem Tode bedroht, ein Flüchtlingsheim brennt. Ganz Deutschland schaut irritiert auf diesen Ort. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff meint: „Tröglitz ist überall.“ Aber so einfach ist die Sache nicht. In den neuen Ländern und gerade im Burgenlandkreis ist rechtes Gedankengut weit verbreitet.

Torsten Hahnel, Rechtsextremismus-Experte des Vereins „Miteinander“ in Halle, meint, dieser Ungeist spuke überall. Neonazi-Hotspots gebe es ja auch in Aachen oder Dortmund. Aber Hahnel erkennt gravierende Unterschiede zwischen Ost und West: „Der Alltagsrassismus bricht sich in Teilen Ostdeutschlands öffentlich Bahn. Insbesondere im Burgenlandkreis zeigt die NPD fast flächendeckend Präsenz.“

Folgen der DDR-Geschichte

Im Osten, sagt Hahnel, gebe es leider die Tendenz, dass Menschen sich raushalten – nicht zuletzt ein Ergebnis der DDR-Geschichte. Je nach Region liege das rechtsextreme Potenzial zwischen 15 und 30 Prozent der Bevölkerung. Die Zahl der rechten Straftaten im Osten liegt etwa dreimal höher als in NRW.

Claudia Luzar gründete 2011 die Beratungsstelle „Back up“ für Opfer rechter Gewalt in NRW. Zuvor beobachtete sie die rechte Szene in Brandenburg. Auch sie nennt das Neonazi-Problem in den neuen Ländern eine „Altlast“ der DDR. Rechtsextreme hätten dort auffällig großen Rückhalt in der Bevölkerung. „Ein Grund dafür ist, dass die Menschen im Westen Erfahrung mit Zuwanderung haben. Rassismus ist ja ausgerechnet dort am stärksten, wo es die wenigsten Migranten gibt.“

In NRW sei zum Beispiel die Haltung weit verbreitet, mit Rechtsextremen keinen Pakt zu schließen. Luzar: „Wenn sich in einer Bürgerversammlung in Hamm 600 Menschen über ein Flüchtlingsheim informieren, dann sind zwar auch Rechtsextreme im Publikum, aber die anderen distanzieren sich von ihnen.“

Luzar, Hahnel sowie der Rechtsextremismus-Forscher Alexander Häusler aus Düsseldorf prangern die Versäumnisse der Politik in den 90er-Jahren an. Lange sei die aufkeimende rechte Gewalt verharmlost worden, nicht nur im Osten. Angesichts der Hetze in Tröglitz ruft Häusler nun nach repressiven staatlichen Mitteln gegen Rechts. Sein Rat an Politik und Medien: „Zeigt nicht nur die fiesen Seiten von Ostdeutschland, sondern auch Bürger, die sich gegen Rechts engagieren. Damit sie spüren, dass man ihre Arbeit wertschätzt.“