Trend geht zum Online-Banking

Für Bankgeschäfte auf Papier nimmt die Postbank in Zukunft Gebühren. Eine Überweisung kostet dann 99 Cent, es sei denn, man erledigt es per Internet.
Für Bankgeschäfte auf Papier nimmt die Postbank in Zukunft Gebühren. Eine Überweisung kostet dann 99 Cent, es sei denn, man erledigt es per Internet.
Foto: picture alliance /
Immer mehr Bankkunden vertrauen digitalen Geldgeschäften. Bei der Postbank sind nur noch 3,9 Prozent der Überweisungen in Papier. Aufschlag in der Kritik.

Essen..  Wenn’s ums Geld geht, war früher nicht alles besser. Aber manches einfacher. Die Welt der Banken und Geldinstitute präsentierte sich vergleichsweise überschaubar. Hier die allgegenwärtigen Sparkassen und Volksbanken, dort ein paar staatstragende Großbanken. Und mittendrin: das Postscheckamt. Ja, das gab es auch mal. Man trug sein Geld zur Bundespost, wähnte es dort sicher und konnte seine Bankgeschäfte beim Briefmarkenkauf erledigen. Oder am Briefkasten.

Mit ihrer Infrastruktur als Briefbeförderer hatte die Post gegenüber anderen Kreditinstituten einen unschätzbaren Vorteil. Geldgeschäfte per Post zu regeln, die Überweisung einfach einzutüten und die zigtausenden Briefkästen in Deutschland als Schalter benutzen zu können, die rund um die Uhr geöffnet hatten – das war eine Art Online-Banking im vordigitalen Zeitalter. Auf diesem Geschäftsmodell fußt letztlich bis heute der Erfolg der Postbank, die zu den größten bundesdeutschen Bankhäusern gehört – aber natürlich längst nicht mehr dem Staat.

5,25 Millionen Privatkunden

5,25 Millionen Privatkunden vertrauen dem Bonner Konzern ihre täglichen Bankgeschäfte an. Zahlen darüber, wie sich die Giro-Kunden in Deutschland verteilen, rückt das Unternehmen (Bilanzsumme: 155 Milliarden Euro, 15 000 Mitarbeiter) nicht heraus. Sicher aber ist: Viele von ihnen regeln ihren Geldverkehr längst vom heimischen Computer aus.

Das ist, trotz aller Sicherheitsbedenken, der kaum mehr aufzuhaltende Trend. Auch bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken ist das so. Von den rund 300 000 Kunden der Sparkasse Essen etwa kontrollieren 128 000 per PC den Kontostand. Tendenz: steigend. Bereits ein Drittel der Online-Zugriffe erfolge über mobile Endgeräte, so ein Sparkassensprecher.

Papierbelege abschaffen

Bei den Postbank-Kunden ist laut Unternehmensangaben der Zug zum Digitalen noch deutlich ausgeprägter. Knapp 4,2 Millionen Kunden haben einen Zugang zur Online-Plattform des Postbank-Girokontos, was nichts darüber aussagt, ob sie ihn auch nutzen. Aber: „Nur noch 3,9 Prozent aller Überweisungen bei uns finden über Papierbelege statt“, versichert Unternehmenssprecher Ralf Palm. Da liegt es nah, mal darüber nachzudenken, die Papierbelege gleich ganz abzuschaffen.

Die Absicht aber, Kunden ins Online-Banking drängen zu wollen, weist der Postbank-Sprecher weit von sich, spricht lieber von einem sich ändernden Kundenverhalten und von der gebotenen Wirtschaftlichkeit des Girokontos, das bei einem Monatsumsatz von 1000 Euro für den Kunden schließlich gebührenfrei bleibe.

Mit dem Geld, dass die Abermillionen Postbankkunden auf ihrem Girokonto herumliegen haben, konnte die Bank bislang spekulieren. Die Gewinne ersetzten die Kontoführungsgebühren. Diese Rechnung geht aus Sicht der Postbank wegen der anhaltenden Zinsflaute nun nicht mehr auf. So erklärt es Konzernsprecher Ralf Palm. Deshalb die neuen Extrakosten auf Papierbelege.

99 Cent pro Überweisung

Hjördis Christiansen, Bankenexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg, hat eine andere Sicht: Erst hat der Kapitalmarkt das Konto finanziert, in Zukunft werden es diejenigen Kunden sein, die ihre Überweisungsträger noch per Hand ausfüllen. Für Christiansen ist der Fall klar: „Die Postbank will ihre Kunden ins Online-Verfahren pressen.“

99 Cent pro Vorgang nimmt die Postbank also ab 1. April – für jede Überweisung, für Scheck- und Wechseleinzüge „sowie für die erstmalige Ausführung eines neu eingerichteten Dauerauftrags“, wie es in einem Schreiben an die Kunden heißt, dass seit Ende Januar millionenfach verschickt wird. Ein Vorschlag, wie man die Kosten umgeht, wird gleich mitgeliefert: „Nutzen Sie einfach das bequeme Online- oder Telefon-Banking.“

Rein rechtlich haben die von dieser Zeitung befragten Experten an den neuen Geschäftsbedingungen nichts zu mäkeln. NRW-Verbraucherschützer Markus Feck hofft dennoch, dass die Postbank Kunden „jetzt mit den Füßen abstimmen. Postbank, nicht mit uns!“