Toter Asylbewerber - Grünen-Politiker Beck zeigt Ermittler an

Ein Asylbewerber (29) aus Eritrea wurde vor seinem Dresdner Wohnhaus offenbar erstochen.
Ein Asylbewerber (29) aus Eritrea wurde vor seinem Dresdner Wohnhaus offenbar erstochen.
Foto: Arno Burgi
Was wir bereits wissen
In einer Dresdner Plattenbausiedlung wurde ein toter Asylbewerber gefunden. Grünen-Abgeordneter Beck bezeichnet die Arbeit der Ermittler als "dilettanisch" und erstattet Anzeige.

Dresden.. Im Zusammenhang mit der Tötung eines Asylbewerbers in Dresden hat der Grünen-Politiker Volker Beck Strafanzeige gestellt. Sie richte sich gegen unbekannt wegen möglicher Strafvereitelung im Amt, teilte der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion am Donnerstag bei Twitter mit. Bei "Mopo24" - dem Internetportal der "Dresdner Morgenpost" - sprach Beck von Ermittlungspannen, die "rückhaltlos aufgeklärt" werden müssten.

Der Asylbewerber aus Eritrea war am Dienstagmorgen tot vor seinem Wohnhaus in einer Plattenbausiedlung im Stadtteil Leubnitz-Neuostra gefunden worden. Laut Staatsanwaltschaft starb der 20-Jährige durch Messerstiche in Hals und Brust. Die Behörde hatte in einer ersten Information zu dem Fall zunächst mitgeteilt, es gebe für eine Fremdeinwirkung keine Anhaltspunkte.

Beck bezeichnet Polizeiarbeit als "dilettantisch"

"Erst nach der Obduktion des Opfers räumt die Polizei ein Fremdverschulden ein und schickt erst 30 Stunden nach der Tat die Spurensicherung an den vermeintlichen Tatort", sagte Beck. "Dies wirkt dilettantisch." Ihm fehle jedes Verständnis für das nachlässige Vorgehen der Ermittlungsbehörden.

Nach dem gewaltsamen Tod eines 20-jährigen Asylbewerbers in Dresden warnt Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) vor Mutmaßungen. "Ich glaube, mir geht es wie vielen, dass diese Tat an einem Asylbewerber aus Eritrea, der in unserer Stadt gelebt hat, viele Fragen aufwirft", sagte sie am Donnerstag. Sie habe aber Vertrauen, dass Polizei und Staatsanwaltschaft die Fragen schnell klären könnten. Orosz warnte zugleich davor, Spekulationen in die eine oder andere Richtung abzugeben.

Tötungsdelikt "Flüchtlinge in dieser Stadt haben Angst", erklärte eine Sprecherin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Sachsen, deren Mitarbeiter den 20-Jährigen sowie dessen sieben Mitbewohner aus Eritrea bisher betreut haben. In der vergangenen Woche habe ein Kollege von Tritten gegen die Wohnungstür der Asylbewerber sowie von Hakenkreuz-Schmierereien im Hausflur berichtet.

Nach Angabe der Staatsanwaltschaft laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Hinweise auf Täter, Hintergründe und Umstände des Verbrechens gebe es aber noch nicht. (dpa)