Tote und Verletzte bei Putschversuch in Niger
18.02.2010 | 20:21 Uhr 2010-02-18T20:21:00+0100
Niamey.Mindestens drei Tote hat offenbar ein Putschversuch in der westafrikanischen Republik Niger gefordert. Nach Angaben französischer Regierungskreise zielten die Angriffe auf den Präsidentenpalast . Augenzeugen berichteten von Gewehr- und Raketenbeschuss.
In der westafrikanischen Republik Niger hat es offenbar einen Putschversuch gegeben. Rund um den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Niamey waren am Donnerstag nach Augenzeugenberichten Schüsse und Explosionen zu hören, mindestens drei Soldaten wurden dabei getötet. Nach französischen Angaben versuchten Unbekannte, einen Staatsstreich zu verüben.
Auf den Straßen rund um den Präsidentenpalast waren Soldaten unterwegs. Ein Augenzeuge sagte, die toten Soldaten seien aus einem Panzer geborgen worden, der vor einem Krankenhaus unweit des Präsidentenpalastes postiert war. Der Panzer wurde demnach von einem Geschoss getroffen. „Es ist direkt vor mir passiert“, berichtete der Straßenhändler. „Ich habe gesehen, wie die Rakete das Deck des Panzers komplett zerstört hat.“
Die Schüsse zielten auf den Präsidentenpalast, wie ein Augenzeuge, der gegenüber arbeitete, sagte. Eine weitere Augenzeugin berichtete, gegen Mittag seien fast eine halbe Stunde lang ununterbrochen Gewehrfeuer und „gewaltige Explosionen“ in Niamey zu hören gewesen. „Das Haus hat gewackelt“, berichtete die Französin Claire Deschamps am Telefon.
Opposition hatte Parlamentswahl boykottiert
Am Nachmittag kreisten zwei Militärhubschrauber über dem Präsidentenpalast.Der Aufenthaltsort von Präsident Mamadou Tandja war zunächst unklar. Der 71-Jährige sollte am Donnerstag ursprünglich eine Kabinettssitzung leiten. Tandja sei „auf den ersten Blick in keiner guten Lage“, hieß es in französischen Regierungskreisen in Paris. Die frühere Kolonialmacht rief die in Niger lebenden Franzosen auf, ihre Häuser nicht zu verlassen.
Die Partei von Präsident Tandja hatte im Oktober die Parlamentswahl klar gewonnen. Die Opposition hatte den Urnengang allerdings boykottiert, nachdem der Staatschef im Mai 2009 das Parlament aufgelöst hatte. Damit machte er den Weg für ein umstrittenes Referendum über eine Verfassungsänderung frei, das ihm eine Verlängerung seiner eigentlich im Dezember ausgelaufenen Amtszeit bis 2012 ermöglichte. Die internationale Gemeinschaft hatte mehrfach vergeblich versucht, Tandja von der Volksabstimmung abzuhalten.
Die Afrikanische Union zeigte sich besorgt über den mutmaßlichen Putschversuch. AU-Friedenskommissar Ramtane Lamamra sagte in Addis Abeba, die Afrikanische Union verurteile jegliche Anwendung von Gewalt, um einen Politikwechsel herbeizuführen. Dies gelte für Niger genauso wie für andere Länder. (afp)

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