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Tödlicher Medikamenten-Mix

21.01.2015 | 00:10 Uhr

Düsseldorf/Siegen. Ein falscher Medikamenten-Mix macht immer mehr Menschen krank. Nach Angaben von Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) nehmen 1,5 Millionen Menschen in NRW täglich fünf oder mehr Medikamente parallel ein. Die Folge: Fünf Prozent aller Krankenhausfälle in NRW werden auf Nebenwirkungen von Medikamenten-Cocktails zurückgeführt – das sind 215 000 Patienten im Jahr. Für 4300 Patienten endete dies tödlich. In einem Modellprojekt im Siegerland konnte durch die bessere Abstimmung der Ärzte die Wirkstoffmenge der Medikamente in einem Jahr um 17 Prozent gesenkt werden.

Gemeinsam mit Kassenärzten und Krankenkassen in NRW setzt Steffens auf mehr Arzneimittel-Therapiesicherheit vor allem für Senioren. Notwendig sei ein abgestimmtes Arzneimittelmanagement, bei dem Haus-, Fachärzte und Apotheken über verabreichte Medikamente informiert seien. „Einzelne Präparate werden häufig von verschiedenen Ärzten verordnet oder frei hinzugekauft und sind nicht miteinander abgestimmt“, warnte Steffens vor gefährlichen Folgen durch Medikamenten-Cocktails. Die parallele Einnahme mehrerer Arzneimittel könne deren Wirkung senken.

Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Wolfgang-Axel Dryden, beschrieb das Modell Siegerland: Dort werde ein Arzt informiert, wenn ein Patient über zwei Quartale hinweg parallel fünf und mehr Medikamente täglich einnimmt. Dies habe zu einem Rückgang der Verordnungen geführt. Nebeneffekt: Die Kosten der Arzneimittel für ein halbes Jahr sanken um elf Prozent – gleich 92 Euro – pro Patient.

Steffens legte Wert darauf, dass Kliniken und Pflegeheime in die Vermeidung gefährlicher Medikamenten-Cocktails einbezogen werden müssten. Auch könne jeder Patient bei seinem Arzt oder der Krankenkasse einen Medikationsplan anfordern, in den alle Wirkstoffe eingetragen und auf ihre Vereinbarkeit geprüft werden. Steffens sprach sich für eine flächendeckende Einführung von Medikationsplänen aus.

Die Kassenärzte bedauerten, dass die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte bisher am Datenschutz scheitert. Steffens drängte in einem ersten Schritt auf eine „zielgruppenorientierte Gesundheitskarte“ für interessierte Senioren, für die eine elektronische Erfassung eine große Hilfe sei.

Wilfried Goebels

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Tödlicher Medikamenten-Mix
Tödlicher Medikamenten-Mix
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2015-01-21 00:10
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