"Titanic"-Komponist James Horner stirbt bei Flugzeug-Absturz

James Horner während eines Interviews im Jahr 2013. Die Maschine von Horner ist in Kalifornien abgestürzt.
James Horner während eines Interviews im Jahr 2013. Die Maschine von Horner ist in Kalifornien abgestürzt.
Foto: Georg Hochmuth
Was wir bereits wissen
Oscarpreisträger James Horner ist vermutlich bei einem Flugzeug-Crash gestorben. Er war einer der erfolgreichsten Film-Komponisten Hollywoods.

Los Angeles.. „Keine verdammten Geigen“. Und bloß keinen schmalzigen Pop-Song. Das waren James Camerons unmissverständliche Vorgaben, als er 1997 die Film-Musik zu „Titanic“ in Auftrag gab. James Horner hat den Regisseur, der ihm seit dem Weltall-Grusel-Epos „Aliens“ als exzentrisch und herrisch bekannt war, im Grund genommen in beiden Fällen betuppt.

Was für ein Glück.

Mit dem von Violinen-Klängen gesättigten Musik-Teppich, auf dem Jack (Leonardo DiCaprio) und Rose (Kate Winslet) sich von Gefühl zu Gefühl hangelnd dem unvermeidbaren Untergang entgegenlieben, und der von Céline Dion geschmetterten Taschentuch-Hymne „My Heart Will Go On“ schuf der 61-Jährige einen unsterblichen film-musikalischen Godzilla, der alle Kassenrekorde niederwalzen sollte. Zwei Oscars 1998 und bis heute 30 Millionen verkaufte Platten des epischen Soundtracks machten Horner zu einem der erfolgreichsten und bestbezahlten Komponisten Hollywoods.

„Wir haben eine wunderbare Person mit einem riesigen Herzen verloren“

Am Montag endete seine Karriere nach fast 40 Jahren jäh. James Horner kam nach Angaben der Behörden beim Absturz seines einmotorigen Kleinflugzeugs, einer Tucano MK1, im Los Padres National Forest vor Santa Barbara 100 Kilometer nördlich von Los Angeles ums Leben. Eine männliche Leiche, die in dem verbrannten Wrack gefunden wurde, muss noch identifiziert werden. Polizei und Freunde gehen jedoch davon aus, dass es Horner war. „Wir haben eine wunderbare Person mit einem riesigen Herzen und unglaublichem Talent verloren“, schrieb seine Assistentin Sylvia Patrycja.

Über die Unglücksursache hat die Polizei in Ventura County bisher keine Angaben gemacht. Horner, Anwohner des Nobelvorortes Calabasas in den Hollywood Hills und Besitzer von fünf Flugzeugen, galt als passionierter, erfahrener Pilot. „Es bricht mir das Herz für seine Lieben“, schrieb der Regisseur Ron Howard, der mit Horner in sieben Filmen zusammenarbeitete.

Horner, Sohn eines österreichischen Einwanderers, der später in Hollywood ein mit zwei Oscars dekorierter Szenenbildner wurde, hatte Anfang der Anfang der 80er Jahre mit wegweisenden Kompositionen (48 Stunden, Gorky Park) auf sich aufmerksam gemacht und mit Star Trek II seinen internationalen Durchbruch.

In etlichen Thrillern („Das Kartell) reicherte er die von Unruhe, Verrat und Heimtücke geprägte Stimmung mit passgenauen Tönen an, die das Kino im Kopf anregten. Seine Musik führte im besten Fall einen kongenialen Dialog mit den Bildern, schlich dem Zuschauer ins Hirn und blieb dort wie bei Ennio Morricone (Spiel mir das Lied vom Tod) nicht selten für immer haften.

Am anderen Ende des Spektrums stehen pathetische Klänge, die in ihrem manchmal schwer erträglichen Stimmungszauber mit schamlos romantischem Wohlklang die Gefühle des Publikums ausbeuteten. So zum Beispiel in „Der Name der Rose“. Für Kassen-Magneten wie „Apollo 13“, „A Beautiful Mind“, „Avatar“ oder das keltische Freiheits-Drama „Braveheart“ mit Mel Gibson erhielt Horner jeweils Oscar-Nominierungen.

Der unter anderem am Royal College of Music in London ausgebildete Horner, der beim Komponieren weder Klavier noch Computer benutzte und seinen Schaffensakt einmal mit der Malerei verglich, empfand sich als Weiterentwickler der sinfonischen Dichtung des 19. Jahrhunderts.

Ähnlich wie Strauss oder Liszt wollte er in seinen Soundtracks große Geschichten von Schmerz, Wut, Liebe und Verzweiflung erzählen. Horner war für 16 Stunden-Tage und einen nimmermüden Ausstoß bekannt. Allein 1993 vertonte er 13 Filme.

In Fach-Zirkeln, nie beim breiten Publkikum, brachte ihm das so manchen Gegner ein. Immer wieder warf man ihm vor, das klassische Repertoire wie ein dreister Plagiator zu plündern, ohne den Originalen Genugtuung widerfahren zu lassen. So etwa in Ron Howards Epos „Willow“, das sich Schumanns "Rheinische Sinfonie" (minus die Geigen) einverleibte. Ein Bläsermotiv aus Prokofievs "Alexander Nevsky" taucht sogar in mehreren Film-Musiken Horners auf.

Seine große Anhänger-Schar sieht mit einer Träne im Auge dem neuen Box-Film „Southpaw“ mit Jake Gyllenhaal in der Hauptrolle entgegen. Es ist das vorläufig letzte film-musikalische Werk eines Mannes, der sich wie wenige darauf verstand, Bilder und Töne zu verheiraten.