Das aktuelle Wetter NRW 2°C
Politik

Thüringer Staatsanwalt verdächtigte Geheimdienst der Hilfe für NSU

17.01.2013 | 17:21 Uhr
Funktionen
Foto: /dapd/Matthias Rietschel

Die Staatsanwaltschaft Gera hat das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) verdächtigt, der späteren Terroristen-Gruppe NSU beim Untertauchen geholfen zu haben. Die Staatsanwaltschaft habe Ende der 1990er Jahre einen ungeheuerlichen Verdacht gehabt, sagte der Geraer Oberstaatsanwalt Gerd Schultz am Donnerstag dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages in Berlin.

Berlin (dapd). Die Staatsanwaltschaft Gera hat das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) verdächtigt, der späteren Terroristen-Gruppe NSU beim Untertauchen geholfen zu haben. Die Staatsanwaltschaft habe Ende der 1990er Jahre einen ungeheuerlichen Verdacht gehabt, sagte der Geraer Oberstaatsanwalt Gerd Schultz am Donnerstag dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages in Berlin. Zwar habe er eine Hilfestellung des LfV für das Trio "nicht für wahrscheinlich" gehalten. Ein möglicher Ermittlungsansatz sei dies aber gewesen.

Schultz sagte, es sei der Staatsanwaltschaft sehr merkwürdig vorgekommen, dass die sonst so erfolgreiche Zielfahndung des Landeskriminalamts Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe trotz intensiver Spurensuche nicht habe finden können. Auch die Fahnder hätten sich das nicht erklären können. Diese hätten vermutet, dass die Gruppe Unterstützung erhalten haben könnte. Hinweise auf Hilfe aus der rechtsextremen Szene habe es damals aber nicht gegeben.

Schultz erklärte, die Staatsanwaltschaft habe schließlich einen Brief an die LfV-Spitze und darin unter anderem gefragt, ob der Geheimdienst über Erkenntnisse zum Aufenthaltsort des Trios verfüge oder ob jemand aus dessen Reihen für das LfV arbeite. Daraufhin sei ein Vertreter des LfV in Gera erschienen und habe alle Fragen knapp mit Nein beantwortet. "So etwas habe ich nie mehr erlebt", Schultz.

Der Ausschuss arbeitet seit Anfang 2012 die Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) auf. Die Terrozelle lebte mehr als ein Jahrzehnt unentdeckt von den Sicherheitsbehörden im Untergrund und wird bundesweit für zehn Morde verantwortlich gemacht.

dapd

dapd

Kommentare
Aus dem Ressort
Zeugen wollen Böhnhardt vor Kölner Anschlag gesehen haben
NSU-Prozess
Überraschende Zeugenaussage am Dienstag vor dem Münchner NSU-Prozess: Eine Zeugin sagte aus, sie sei Uwe Böhnhardt vor dem Anschlag in Köln begegnet.
Provokateur Buschkowsky tritt als Bürgermeister zurück
Rücktritt
Der SPD-Politiker gilt als einer, der immer Tacheles spricht - auch zu Themen wie Integration und Sozialmissbrauch. In seiner Partei eckte er an.
IS attackiert offenbar Hotel in Libyens Hauptstadt Tripolis
Terrorgruppe
Bei einem Angriff auf ein Hotel in Tripolis sind mindestens vier Menschen verletzt worden. Hinter der Tat soll die Terrormiliz IS stecken.
Lauschangriff gegen Hooligans? NRW prüft schärfere Maßnahmen
Hooligans
Hat der Bundesgerichtshof der Polizei schärfere Waffen im Kampf gegen Hooligans gegeben? NRW-Innenminister Jäger prüft das. Experten warnen.
NPD-Verband soll Internethandel für Punks gehackt haben
Kriminalität
Hinter dem Hackerangriff auf einen Online-Versand für Punks steckt womöglich ein NPD-Jugendverband. Bei der Attacke waren Daten ausspioniert worden.
7492645
Thüringer Staatsanwalt verdächtigte Geheimdienst der Hilfe für NSU
Thüringer Staatsanwalt verdächtigte Geheimdienst der Hilfe für NSU
$description$
http://www.derwesten.de/politik/thueringer-staatsanwalt-verdaechtigte-geheimdienst-der-hilfe-fuer-nsu-id7492645.html
2013-01-17 17:21
Extremismus,Rechtsextremismus,NSU,
Politik