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Thorsten Schäfer-Gümbel soll die Hessen-SPD retten

05.01.2009 | 16:55 Uhr
Thorsten Schäfer-Gümbel soll die Hessen-SPD retten

Wiesbaden. Überraschungskandidat Thorsten Schäfer-Gümbel soll die Hessen-SPD retten. Durch sein Rednertalent, Faktenwissen und Angriffslust gegenüber der CDU-Landesregierung hat er sich in kürzester Zeit Achtung verschafft. Er ist offen für eine große Koalition ohne Koch.

Nachdem er zum SPD-Spitzenkandidaten für die hessische Landtagswahl gekürt worden war, habe ein enger Freund ihm drei Ratschläge gegeben, berichtet Thorsten Schäfer-Gümbel: «Ändere deinen Namen, kauf dir eine neue Brille und rede nicht über Fußball.» Der 39-Jährige, der die hessische SPD vor der Wahlkatastrophe retten soll, hörte nur teilweise auf die gut gemeinten Hinweise.

Der an einen Loriot-Sketch erinnernde Name ist geblieben. Auch die neue Brille sieht aus wie die alte. Und über Fußball versucht der SPD-Spitzenkandidat möglichst selten zu reden. Dennoch hat Schäfer-Gümbel in den vergangenen Wochen erstaunlich rasch seinen Platz in der medialen Öffentlichkeit erobern können.

Völlig überraschende Nominierung

Für Freund und Feind völlig überraschend hatte die gescheiterte hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti den 39-Jährigen Anfang November 2008 zum Spitzenkandidaten ausgerufen. Für viele lag der Verdacht nahe, dass Ypsilanti in Schäfer-Gümbel einen Strohmann gefunden hatte; jemanden, der für sie den harten Winterwahlkampf führen und die absehbare Niederlage mit nach Hause nehmen sollte.

Der Eindruck wurde dadurch verstärkt, dass Ypsilanti ihre Posten an der Spitze von Partei und Fraktion ausnahmslos behielt. Doch wenn Berechnung im Spiel war, so ist sie definitiv nicht aufgegangen. Denn Schäfer-Gümbel hat sich für die hessische SPD als Mann der Stunde entpuppt.

Thorsten Schäfer-Gümbel besuchte im Wahlkampf ein Altenheim. Fotos: ap/ddp

In einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen erklärten 34 Prozent, sie würden Schäfer-Gümbel zum hessischen Regierungschef wählen. Zum Vergleich: Den seit zehn Jahren regierenden Roland Koch wünschten sich 41 Prozent der Hessen als Ministerpräsident. Durch sein Rednertalent, Faktenwissen und Angriffslust gegenüber der CDU-Landesregierung hat sich der Kandidat in kürzester Zeit Achtung verschafft.

Thorsten Schäfer-Gümbel wurde am 1. Oktober 1969 in Oberstdorf im Allgäu geboren, wo sein Vater damals als Zeitsoldat tätig war. Als Schäfer-Gümbel fünf Jahre alt war, zog die Familie ins mittelhessische Gießen. Hier machte er Abitur, studierte zunächst Landwirtschaft und dann Politik. Er trat 1986 in die SPD ein und engagierte sich bei den Jusos.

«Man geht nie unter»

Schon nach wenigen Jahren hätten manche in der Partei ihn am liebsten vor die Tür gesetzt. Schäfer-Gümbel nahm 1993 an einer Protestaktion teil, bei der einige Jusos drohten, einen Hund zu vergiften, falls Hessen keinen Abschiebestopp für Kurden verhängen sollte. Ein Parteiausschlussverfahren gegen den heutigen Spitzenkandidaten endete damals jedoch mit einem Freispruch.

Nach dem Examen 1997 wurde Schäfer-Gümbel zunächst Referent in der Gießener Stadtverwaltung, wo er sich vor allem um Sozialpolitik kümmerte. Nach seiner Wahl in den Landtag 2003 arbeitete der Vater von drei Kindern sich in die Wirtschafts- und Forschungspolitik sowie den Bereich Landesentwicklung ein. Den Linkskurs Ypsilantis hat Schäfer-Gümbel in den vergangenen Monaten mitgetragen. Für die Zeit nach der kommenden Wahl aber will er auch eine Große Koalition nicht ausschließen.

Bedingung ist für ihn jedoch, dass CDU-Ministerpräsident Koch den Rückzug antritt: «Roland Koch wird in der Staatskanzlei nur überleben, wenn er eine schwarz-gelbe Mehrheit bekommt.» Dass er selbst keine Chance hat, Koch als Ministerpräsident zu beerben, weiß Schäfer-Gümbel. Dennoch stemmt er sich mit vollem Einsatz gegen die Niederlage. Es sei mit der SPD wie auf einem Floß, erklärt der Spitzenkandidat auf Parteiversammlungen: «Man hat ständig nasse Füße, aber man geht nie unter.» (ap)

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Kommentare
17.01.2009
16:30
Thorsten Schäfer-Gümbel soll die Hessen-SPD retten
von Klaus P. Sattler | #2

Mit Schäfer-Gümpel die Rot-Grün-Gelbe
Variation wäre die Vernünftigtste und den
Verhältnissen in Hessen nach 2008 relevantere
- für den Bürger Naheliegenere - Möglichkeit,
Nach alledem könnte es mit den Erstwählern
ein ausgeprägteres Ergebnis werden - wenn
auch bei 54:56 !!???

09.01.2009
16:08
Thorsten Schäfer-Gümbel soll die Hessen-SPD retten
von Hans Hetfeld | #1

Thorsten Schäfer-Gimpel oder wie???

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