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Teurer wohnen

20.06.2007 | 08:48 Uhr

Minister Tiefensee stellt Bericht für die Jahre 2002 bis 2006 vor:Die Mieten steigen nur gering, die Nebenkosten aber explodieren

Berlin. Gute Nachrichten für die rund 50 Millionen Mieter in Deutschland: Die Mieten steigen weniger schnell als die Inflation. Dies sagte gestern Verkehrs- und Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Allerdings sind seit 2002 die Nebenkosten um mehr als 30 Prozent nach oben geschossen. Schuld sind die gestiegenen Energiepreise, aber auch der Staat durch Abgaben wie die für erneuerbare Energien und die Ökosteuer. Der Mieterbund kritisierte, Tiefensee verharmlose die Lage der Mieter.

Dem Miet-Bericht Tiefensees für die Jahre 2002 bis 2006 zufolge betrug 2006 die Durchschnitts-Bruttokaltmiete (ohne Heizung und Warmwasser) pro Quadratmeter durchschnittlich 6,25 Euro. Für Heizung und Warmwasser mussten die Mieter durchschnittlich 1,07 Euro/m2 ausgeben, 30 Prozent mehr als 2002 (0,81 Euro), so dass eine Bruttowarmmiete von 7,32 Euro/m2 zustande kam. Eine 70-Quadratmeter-Wohnung kostete damit im Schnitt 512,40 Euro.

Die Wohnungsmieten haben sich in den vergangenen vier Jahren dagegen moderat entwickelt. Im Vorjahr verteuerten sich die Mieten nur um rund ein Prozent. Die kräftigste Mieterhöhung gab es mit 1,6 Prozent bei den bis 1948 errichteten Altbauwohnungen. Sie liegen aber immer noch etwas unter den Mieten in neueren Gebäuden: Dem Bericht zufolge reichen im Altbau die Mieten im Durchschnitt von 4,50 bis 7,50 Euro pro Quadratmeter. Für einen Neubau (ab 1949) muss ein Mieter pro Quadratmeter mit bis zu 7,60 Euro rechnen. Diese Preise schwanken natürlich stark je nach Ort. In Ballungszentren liegt laut Tiefensee das Mietniveau bis zu 20 Prozent über den Durchschnittsmieten. Am teuersten sind Single-Wohnungen, am günstigsten die für Zwei-Personen-Haushalte.

Für Wohngeld verringerten sich die staatlichen Ausgaben von 5,2 Milliarden Euro im Jahr 2004 auf rund 1,1 Milliarden Euro 2006. Die Zahl der unterstützten Haushalte reduzierte sich von 3,5 Millionen auf nur noch 680.000. Das starke Minus geht auf die Einführung von Hartz IV zum 1. Januar 2005 zurück. Hartz-IV- Empfänger erhalten die Kosten für Wohnung und Heizung zusätzlich zum Arbeitslosengeld II und fallen nicht mehr unter die Wohngeldregelung.

Mieterbund-Präsident Franz-Georg Rips kritisierte, dass derzeit etwa 800 000 Haushalte mit wenig Einkommen, insbesondere Rentner, bis zu 40 Prozent ihres Geldes für die Miete ausgeben müssten (üblich sind ein Viertel). Die Bundesregierung müsse für diese Personen das Wohngeld erhöhen. In Ballungszentren lägen die Mieten in Wirklichkeit um 30 und nicht nur um 20 Prozent über dem Schnitt.

Der Verkauf kommunaler Wohnungen an private Finanzinvestoren hat nach Einschätzung der Regierung bislang überwiegend keine negativen Folgen auf Mieter und Wohnungsbestand gehabt. Jedoch hätten sich Befürchtungen bestätigt, dass die neuen Eigentümer bei der Stadtentwicklung und der Unterbringung von sozialen Problemfällen wenig kooperationsbereit seien. In Freiburg etwa hatten die Einwohner per Bürgerentscheid einen Verkauf öffentlicher Wohnungen gestoppt.

Von Andreas Abs

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