Teure Verantwortungslosigkeit

Fahrerflucht wird immer mehr zum Volkssport. Nach den jüngsten Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) wurden 2013 mit 37 000 Personen wieder zwei Prozent mehr Flüchtige wegen der Straftat in das Verkehrszentralregister in Flensburg eingetragen. Für den verkehrspsychologischen Gutachter Ulrich Höckendorf von der Dekra in Moers ist der anhaltende Trend in den letzten sechs Jahren eindeutig. Zu inzwischen über einer halben Million Anzeigen jährlich wegen Fahrerflucht kommt eine unbekannte Zahl von Fällen, bei denen die Geschädigten mangels Erfolgsaussichten auf eine Anzeige verzichten.

Keine bundesweite Statistik

Unfallflucht wird nur bedingt erfasst. Es gibt keine bundesweite Statistik. Nicht alle Länder liefern Zahlen. In NRW stieg die Zahl der Anzeigen im Jahr 2013 um 0,4 Prozent auf über 116 000. Seit 2009 beträgt der Zuwachs in NRW sechs Prozent. In Bayern waren es im gleichen Zeitraum 13,5 Prozent mehr, in Berlin 8,7 Prozent, so der Automobilclub von Europa (ACE). Im Verkehrszentralregister des KBA finden sich rund 360 000 Einträge von Unfallflüchtigen, zu fast 80 Prozent von Männern.

Dabei sind Fälle von Unfallflucht, bei denen Menschen verletzt oder getötet werden, seit Jahren rückläufig. Der Grund liegt laut Verkehrspsychologen Höckendorf, darin, dass die Hälfte der Fälle von Unfallflucht Verschleierungstaten von Fahrern sind, die zur Tatzeit unter Alkohol oder Drogen stehen. Alkoholfahrten sind jedoch grundsätzlich seit Jahren rückläufig.

Auf der anderen Seiten nimmt die Bereitschaft, sich nach Sachschäden vom Touchieren einer Laterne bis zum ausgewachsenen Unfall aus dem Staub zu machen, ständig zu. Laut Höckendorf gibt es für die Experten zwei Erklärungsmodelle. Erstens sinke die Verkehrsmoral, außerdem werde eine Nichtbeachtung von Normen in vielen Bereichen der Gesellschaft sichtbar.

Gesellschaftlicher Sprengstoff steckt im zweiten Erklärungsversuch: Der demografische Wandel und damit mehr ältere Menschen am Steuer führe zu viel mehr Kleinunfällen wie dem klassischen Parkplatzrempler. Tatsächlich seien Ältere eher mit stressigen Parksituationen überfordert und würden leichte Kollisionen gar nicht bemerken. Allerdings gebe es gerade bei älteren Männern eine Tendenz zum Altersstarrsinn und zum Verdrängen des eigenen Fehlverhaltens.

Junge Leute sind laut Höckendorf dagegen in einer Unfallsituation oft emotional überfordert, da ihnen die Lebenserfahrung fehlt und sie in der Fahrschulausbildung überhaupt nicht darauf vorbereitet werden. Sie stellen sich nach einer Unfallflucht häufiger als andere Altersgruppen.

Finanzielle Folgen

Die Strafen für Unfallflucht sind drastisch bis hin zum Führerscheinverlust und Freiheitsstrafe ohne Bewährung bei Unfällen mit verletzten. Daneben kommen die finanziellen Folgen für den Täter. Bei einer Verurteilung zahlt die Rechtsschutzversicherung nicht; die Haftpflichtversicherung kann sich Gelder zurückholen. Die Vollkaskoversicherung zahlt je nach Vertrag entweder gar nicht oder nur anteilig.