Terror in Tunesien - Schulterschluss am Ort des Schreckens

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (M.) mit seinen Amtskollegen aus Großbritannien, Frankreich und Tunesien am Tatort in Sousse.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (M.) mit seinen Amtskollegen aus Großbritannien, Frankreich und Tunesien am Tatort in Sousse.
Foto: dpa
Europas Innenminister zeigen nach dem Terroranschlag Solidarität mit Tunesien. Sie sorgen sich um einen Machtzugewinn der IS-Milizen.

Sousse/Madrid.. Starre Mienen, Schweigen, solidarische Gesten: Die Innenminister Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs und Tunesiens stehen nebeneinander im Sand am Ort des Horrors und trauern um die Terror-Toten von Tunesien. Sie legen Blumen an der improvisierten Gedenkstätte am Strand des Badeortes Sousse nieder.

Deutschlands Minister Thomas de Maizière (CDU), neben ihm der tunesische Kollege Najem Gharsalli, die britische Ministerin Theresa May und Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve. Dann ein symbolischer Schulterschluss – das sagt mehr als Worte.

Hilfe zugesagt

Später im Hotel „Imperial Marhaba“, an dessen Strand und Poolbereich der tunesische Attentäter Seifeddine Rezgui am vergangenen Freitag 38 Menschen getötet hatte, die Ankündigung, Tunesien in dieser schweren Stunde nicht alleine zu lassen. Deutschland wolle „Solidarität zeigen mit dieser jungen und noch verletzlichen Demokratie“. Man werde Tunesien beim Kampf gegen den Terrorismus unterstützen.

Die britische Ministerin May sagt ebenfalls Hilfe zu: „Wir werden gemeinsam daran arbeiten, unsere Werte zu verteidigen.“ Die Weltgemeinschaft müsse sicherstellen, „dass die Terroristen nicht gewinnen“. Londons Premierminister David Cameron hatte zuvor „unerschütterliche Entschlossenheit“ angekündigt. Großbritannien hat bei diesem Terroranschlag besonders viele Opfer zu beklagen: Etwa 30 der insgesamt 38 Toten sollen britische Urlauber sein, meldete der TV-Sender BBC. Noch sind aber nicht alle Opfer identifiziert. Auch zwei Deutsche, ein Franzose und mehrere Tunesier starben.

Treffen mit Überlebenden

Bundesinnenminister de Maizière traf im Hotel mit einigen Überlebenden des Anschlags zusammen. Nach dem Attentat hatten zwar viele Hotelgäste ihren Urlaub abgebrochen und waren nach Hause geflogen, doch einige blieben. Das Hotel und der Strand werden inzwischen von schwerbewaffneten Sicherheitskräften bewacht.

Tunesiens Innenminister Gharsalli verkündete derweil erste Festnahmen von mutmaßlichen Unterstützern des 23-jährigen Terroristen, der aus dem Umfeld der Terrorbewegung IS stammt. Den Anschlag hatte er nach bisherigen Erkenntnissen allein ausgeführt. Doch vermuten die Ermittler, dass es noch Hintermänner gibt, welche den Mann angestiftet und ihm eine Kalaschnikow besorgt haben.

Vater distanziert sich

Der Vater des Terroristen distanzierte sich inzwischen von seinem Sohn: „Nur Gott weiß, was ihn dazu brachte. Ich habe meinen Sohn nicht dazu erzogen, dass er Menschen tötet“, sagte er.

Minister Gharsalli versprach zudem, dass Tausende Polizisten, Soldaten und Reservisten für die Sicherheit von touristischen Einrichtungen und Hotels mobilisiert werden. Mehr Schutz für die Touristen hatte Tunesiens Regierung bereit im März zugesagt. Damals hatte ein Terrorkommando das Bardo-Nationalmuseum in der Hauptstadt Tunis überfallen und 21 ausländische Urlauber getötet.

Schutzmaßnahmen ohne Wirkung

Wirksam waren die damals angekündigten Schutzmaßnahmen offenbar nicht. Der Terrorschütze von Sousse konnte nun von Sicherheitskräften ungehindert auf das Hotelgelände vordringen und in aller Ruhe seine Morde ausführen. Erst nach einer langen halben Stunde gelang es der Polizei, den Attentäter zu erschießen.

Nach Schätzungen der tunesischen Regierung kämpfen bereits 3000 Staatsbürger in den Reihen der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS). Das Land mit seinen elf Millionen Einwohnern stellt damit die meisten Ausländer unter den Dschihadisten in Syrien und Irak.

Europa und die USA befürchten eine Ausweitung des sogenannten IS-„Kalifats“ in unmittelbarer Nähe der südlichen Grenze nach Europa. Dies würde das Risiko terroristischer Anschläge erhöhen und auch die Flüchtlingskrise im Mittelmeer weiter verschärfen.

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