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Politik

"Tauziehen um neue Hochschule provinziell"

28.09.2007 | 16:16 Uhr

Prof. Lehner kritisiert Kirchturm-Denken

MEIN BLICKWINKELGetrennt marschieren und am Ende gemeinsam verlieren, das ist etwas, worin die Städte im Ruhrgebiet "stark" sind. Manch interessantes Projekt ist am Ruhrgebiet vorbeigegangen, weil mehrere Städte versuchten, die Sache für sich gewinnen - und wenn es nicht klappte, dafür zu sorgen, dass auch keine andere Stadt im Ruhrgebiet sie kriegt. Am Ende hat jede verloren und die Region insgesamt.

Jetzt zeichnet sich wieder so etwas ab. Kaum hat der Ministerpräsident von der Absicht gesprochen, in NRW drei neue Fachhochschulen zu schaffen, ist erst Mülheim vorgeprescht und kurz danach auch Castrop-Rauxel. Im Hintergrund scharren auch Oberhausen und andere Städte mit den Hufen.

Wenn wir die Metropole Ruhr nicht nur in Sonntagsreden ernst nehmen, dann sind solche Aktionen Blödsinn. Metropole Ruhr heißt ja auch, dass das Ruhrgebiet nicht nur eine Ansammlung von Städten ist, sondern eine Megastadt, in der alle Städte von den Infrastrukturen profitieren - egal wo im Ruhrgebiet sie liegen. Tatsächlich liegt Mülheim ja mitten im Bereich der Universität Duisburg-Essen und ist es von Castrop-Rauxel viel näher zur Ruhr-Universität Bochum oder zu den Hochschulen in Dortmund, als es von manchen Industrie- und Gewerbestandorten in München zur Ludwig-Maximilians-Universität ist.

Wenn statt des provinzlerischen Kleingeistes der große Blick auf die Metropole zum Zuge käme, könnte es jeder Stadt gleichgültig sein, wo im Ruhrgebiet eine der neuen Hochschulen hinkommt. Hauptsache, sie kommt ins Ruhrgebiet und wird rasch auf den Weg gebracht.

Rasch und stark kann die neue Fachhochschule nur auf den Weg gebracht werden, wenn sie sinnvoll in bestehende Hochschullandschaft des Reviers eingebunden wird. Wenn man eine neue Hochschule aufs freie Feld (oder die freie Industriebrache) setzt und sie von Grund auf neu aufbaut, dauert es Jahre, bis sie gut funktioniert und noch mehr Jahre, bis sich das für die Region wirtschaftlich ausbezahlt. Nutzt man aber die bestehende Hochschullandschaft, dann kann das viel schneller und viel besser gehen.

Das heißt nicht, dass die neue Hochschule an einem bestehenden Hochschulstandort angesiedelt werden muss. Das heißt nur, dass die Region gemeinsam mit ihren Hochschulen ein tragfähiges Konzept entwickeln soll - damit man nicht am Ende gemeinsam verliert.

Franz Lehner ist Professor für angewandte Sozialforschung an der Ruhr-Universität und Direktor des Instituts Arbeit und Technik der FH Gelsenkirchen.

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