Tausende Mediziner protestierten gegen Honorarreform
11.03.2009 | 23:17 Uhr 2009-03-11T23:17:00+0100Stuttgart/Berlin. In mehreren Bundesländern standen am Mittwoch Patienten vor verschlossenen Praxen. Aus Protest gegen Einschnitte bei ihrer Bezahlung erschienen mehrere tausend Ärzte nicht zum Dienst. In Stuttgart demonstrierten am Nachmittag rund 8000 Mediziner
Der Streit um die Ärztehonorare hat sich deutlich verschärft. In mehreren Bundesländern begannen die Mediziner mit Protestaktionen gegen die Einschnitte bei ihrer Bezahlung. Vor allem in Baden-Württemberg blieben viele Arztpraxen geschlossen, tausende Ärzte gingen auf die Straße. Aber auch in Nordrhein-Westfalen und Hamburg protestierten Mediziner. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt forderte die Patienten auf, keinesfalls die von einigen Ärzten geforderte Vorkasse vor einer Behandlung zu leisten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung verlangte eine schnelle Korrektur der Honorarreform.
Mit den Protestaktionen richten sich die Ärzte gegen die nach ihren Angaben erheblichen finanziellen Einbußen, die mit der Honorarreform verbunden seien und in einzelnen Fällen bis zu 35 Prozent ausmachten. Aus Protest dagegen schlossen in Baden-Württemberg Tausende Mediziner ihre Praxen. Über 7.000 niedergelassene Ärzte beteiligten sich an der Aktion, wie die Interessenvertretung Medi in Stuttgart mitteilte.
Rund 8.000 Ärzte und ihre Angestellten demonstrierten laut Medi am Nachmittag in Stuttgart für eine gerechtere Bezahlung ihrer Leistungen. Der Vorsitzende des Ärzteverbunds, Werner Baumgärtner, forderte: «20 Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen müssen in die ambulante ärztliche Vergütung fließen. Im Augenblick sind das etwa 15 Prozent. Das reicht nicht aus.» Baumgärtner kündigte weitere Praxisschließungen für den 1. und 2. April sowie eine Großkundgebung fürt den 23. September an, kurz vor der Bundestagswahl.
Gesundheitsministerin verurteilt Vorkasse-Forderung
Bundesgesundheitsministerin Schmidt verurteilte in scharfer Form, dass Ärzte wegen ausgeschöpfter Budgets von ihren Patienten Geld im Vorkasseverfahren fordern. Im ZDF-Morgenmagazin sagte die SPD-Politikerin: «Wenn Vorkasse verlangt wird, dreh' Dich um und geh.» Ärzte als Vertragspartner der Krankenkassen sollten ihren Auftrag erfüllen und dürften nicht auf dem Rücken der Patienten austragen, was an Zwistigkeiten innerhalb der Ärzteschaft zu klären sei. «Wer Vorkasse verlangt, sollte seine Zulassung zurückgeben.»
Die Politik und die politisch Verantwortlichen hätten dafür gesorgt, dass im Vergleich zu 2007 über drei Milliarden Euro mehr für diese neue Honorarreform fließen. «Und jetzt haben wir es mit einem innerärztlichen Verteilungsproblem zu tun, das die Facharztgruppen unterschiedlich betrifft», fügte Schmidt hinzu. Die Ministerin riet zu Gelassenheit. Man sei noch in einer Übergangsphase, Ärzte und Kassen hätten ja bereits beschlossen «nachzujustieren». Wo mehr Behandlungsbedarf sei, solle auch mehr Geld hinfließen.
KBV für grundsätzliche Korrektur
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung sprach sich für eine grundlegende Korrektur der Honorarreform zum 1. Juli aus. «Wir wollen den Beschluss zu den Regelleistungsvolumen vollständig überarbeiten», sagte der KBV-Vorsitzende Andreas Köhler der «Rheinischen Post». So könnte es für einzelne Leistungen regionale Zuschläge geben. Zugleich will Köhler einen Schutz für kleine Arztgruppen erreichen. «Die Benachteiligung von Praxen mit kleinen Fallzahlen, aber einem weitreichenden Leistungsangebot, wollen wir beenden», sagte der KBV-Chef.

10:07
Erwischt, erwischt. Jammern mit vollen Backen.
11:11
Hat von Ihnen schon einmal jemand binnen Sekunden zwischen Therapieoptionen entscheiden müssen und damit über das Schicksal eines anderen Menschen Urteil gefällt? Möglicherweise die Option gewählt zu haben die den Kranken über Jahre zu einem Pflegefall macht, mit allem was dazu gehört. Lange, lange Zeit mit dem Gefühl zu leben hätte ich doch zwischen diesen zwei gleichwertigen Optionen die andere gewählt ist meiner Meinung nach mit 1900€ Netto lange nicht gut genug bezahlt. 5 Jahr zu studieren, Nächte mit lernen verbringen und jedes halbe Jahr 700€ Studienbeitrag. Unzählige Bücher und Verlust der Sozialkontakte. Danach 1 Jahr unbezahlt im Krankenhaus arbeiten zu müssen um sich letztlich um seinen Lohn zu kämpfen. Armes Deutschland. Wenn ich fertig bin gehe ich in unser benachbartes Ausland und verdiene das Geld, was einem auch hier zustehen sollte. Noch weniger Ärzte in Deutschland, noch längere Wartezeiten, noch weniger Zeit für den Arzt den Patienten nach den Regeln der Kunst zu behandeln. Willkommen im Jahr 2010.
20:09
Ärzte hin Ärzte her - auch in dieser Berufsgruppe wird es solche und solche geben! Besonders eklatant wird es allerdings bei den Fachärzten, lange Wartezeiten für den ersten Termin usw.
Mein letztes herausragendes Erlebnis mit einem aus dieser Gattung war bei einem Urologen in Oberhausen-Schmachtendorf, trotz oder gerade wegen akuter Blutungen beim Wasser lassen habe ich schon nach 5 Wochen einen Termin zum Röntgen der Nieren erhalten. Nachdem der große Tag gekommen war habe ich morgens vorsichtshalber angerufen, ob es dabei bleibt – man weiss ja nie – Notfälle ect. – alles im grünen Bereich Sie können kommen, war die Losung. Just in den 10 Minuten meiner Anreise müssen sich alle Notfälle aus groß Oberhausen in Schmachtendorf verabredet haben – denn bei der Ankunft (9.00 Uhr) war die Praxis voll! Üben in Geduld und Gleichmut war die Devise für die nächsten 4 Stunden !
Nach einer etwas brummigen Anfrage was denn nun wäre – wurde ich für weitere 45 Minuten
in ein Beruhigungszimmer geparkt aber dann – Zeichen und Wunder – König Doc erschien und blickte herab auf den lästigen Patienten! Zugegeben ich hatte schon etwas Mühe mich zu beherrschen, aber dennoch habe ich zunächst sachlich gefragt – wie lange es denn noch dauern würde – schließlich will man selbst nicht Andere warten lassen – und müsste die ggf. informieren. Das hatte sich aber mit der Antwort von König –Doc erledigt, denn dieser sprach: wenn Ihnen das Warten nicht passt- gehen Sie doch woanders hin! Dieser Empfehlung
habe ich Folge geleistet – nicht ganz so ruhig wie es hier steht – aber der Mann ist unverletzt geblieben – fortan habe ich mich immer wieder lobend über die Praxis geäußert – das die Leute es mir nicht abgenommen haben und lieber nach Sterkrade oder Alt Oberhausen gefahren sind lag nicht an mir – gell ? Übrigens wie sich später heraus stellte war nicht etwa der Massenandrang wegen akuter Notfälle aufgetreten – sondern König –Doc hatte entschieden die letzten 8 Werktage bis zum Quartalsende nicht mehr zu arbeiten – weil Budget ausgeschöpft – so war die Parole für den Rest des Monats – wir machen Abrechnung !!!!!!
Aber mal im Ernst – Geld ist genug im System – das es bei den falschen Adressaten ankommt
liegt ausschließlich an den Lobbyisten, nur die Patienten haben keine Lobby! Also Lobbyisten raus aus den Ministerien und in die Produktion - Funktionäre der Ärztekammern gleich hinterher! Dann Patienten, Ärzte, Kassen und Politik an eine Tisch – für die Pharmakonzerne Knüppel aus dem Sack – wäre zumindest ein Anfang !
19:43
es muß aber geld bei den ärzten ankommen . mein arzt fährt zu dritten mal in diesem jahr in den urlaub. wenn so armut aussieht möchte ich arm sein.
17:45
Im Moment weiß ich nicht, was ich von der Sache halten kann. Viele Kommentare hier, viele Ansprachen von Fachleuten (?) in anderen Medien.
Der Arzt mit seinem verantwortungsvollem Beruf muss gut verdienen, darum kann ich mir nicht vorstellen, dass der Mediziner zwischen 20 u.40€ pro Nase/Quartal zu kriegen hat. Das ist unrealistisch, auch wenn der Patient nur alle drei Monate zur Untersuchung kommt. Ich denke dabei an den Preis der Waschmaschinenreparatur.
Das kann so nicht gewollt sein. Selbst wenn gesagt wird, dass der Arzt verschiedene Untersuchungen extra honoriert bekommt, für mich ist das ganze fragwürdig.
17:22
3Millarden wurde von den Gesetzlichen Krankenkassen für die bessere Bezahlung der Ärzte aufgewendet.Wenn dann bei den NRW_Ärzten
weniger ankommt,Ist das eine Riesensauerei.
Wohin hat Fr Schmidt die Milliarden verschleudert.
15:38
Nun, auch viele Untersuchungen, die wirklich wichtig sind, werden ja nur noch mit Zuzahlung angeboten- z.B. Ultraschalluntersuchungen beim Gynäkologen. Bestes Beispiel ist der Gebärmutterhalskrebs: in jeder drittklassigen Superillu wird davor gewarnt, aber die Untersuchung muss man selber zahlen- und diese Kosten sind andererseits für viele Menschen sehr hoch (auch wenn es vielleicht nur 40 Euro sind). Wird diese Krankheit jedoch in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt, so sind die Kosten ja im Grunde viel höher. Aber hauptsache vorher schon gespart- also sollten wir uns einfach alle wehren- mitsamt den Ärzten, denn irgendwie sitzen wir doch alle in einem Boot!
15:32
Ich wiederhole mich hier: Diese so genannte Reform wurde von den Ärztevertretern( BKV ) abgesegnet. Warum sollen jetzt dafür Patienten die Dummen sein?
10:50
Da kann sich die Pharmaindustrie so richtig ins Fäustchen lachen.
Hier werden ständig neue Rekordgewinne vermeldet, aber niemand, auch nicht Ärzte und Gesundheitsministerin Schmidt, sprechen darüber, dass dadurch der Löwenanteil der Beiträge abgegriffen wird.
Die Postivliste bei Medikamenten, die hier wirklich helfen könnte, wird seit vielen Jahren erfolgreich von der Pharmalobby verhindert.
08:15
# 11
Du hast absolut recht. Die deutschen sind ein Volk von Duckmäusern geworden. Wir lassen uns alles vorschreiben und keiner wehrt sich mehr.
Das System ist mehr als krank. Fast 1.800 Euro Beitrag im Quartal,
aber für Herrn Doktor nur rd. 30 Euro.
Da sind aber auch die Ärzte sehr gefordert.
Jagd die Ullalla in die Wüste.