Taliban-Chef Mullah Omar lüftet seine Geheimnisse

Mullah Mohammed Omar, 1959 geboren, ist der geistliche Führer der Taliban, die in Teilen Afghanistans und Pakistans bis heute  Terrorakte gegen „Ungläubige“ ausüben. Von 1996 bis Ende 2001 regierte er faktisch das Land. Das rechte Auge verlor er im Kampf gegen sowjetische Besatzungstruppen. Als strenggläubiger Salafist  hat er fast jedes Foto von sich untersagt. Weltweit bekannt wurde erstmals dadurch, dass er die Buddha-Statuen von Bamiyan sprengen ließ.
Mullah Mohammed Omar, 1959 geboren, ist der geistliche Führer der Taliban, die in Teilen Afghanistans und Pakistans bis heute Terrorakte gegen „Ungläubige“ ausüben. Von 1996 bis Ende 2001 regierte er faktisch das Land. Das rechte Auge verlor er im Kampf gegen sowjetische Besatzungstruppen. Als strenggläubiger Salafist hat er fast jedes Foto von sich untersagt. Weltweit bekannt wurde erstmals dadurch, dass er die Buddha-Statuen von Bamiyan sprengen ließ.
Foto: picture alliance / CPA Media Co.
Was wir bereits wissen
Der Taliban-Chef lebt seit dem 11. September 2001 im Verborgenen, auf ihn ist ein Kopfgeld ausgesetzt. Eine Webseite veröffentlicht seine Biographie.

Kabul.. Rund 20 Jahre lang hüllte ­Afghanistans Taliban-Chef Mullah Omar sich in einen Mantel des Schweigens über seine Person. Jetzt haben die Milizen auf ihrer offi­ziellen Webseite erstmals eine Biographie des Mannes veröffentlicht, der für die deutsche Bundeswehr und andere westliche Streitkräfte, die nach dem 2001 In Afghanistan stationiert wurden, nur einen Oberbegriff kennt: „Arrogante ungläu­bige Weltmächte“, die keine Scharia-Gesetze tolerieren wollten.

Der etwa 20 Seiten lange offizielle Lebenslauf stellt klar, dass „Mullah Mohammed Omar Mujahid“ – so der offiziell korrekte Namen – keine ausländischen Bankkonten besitzt, ein ruhiger Mensch sei und weder Mut noch Gelassenheit verliere.

Mit dieser Biographie gibt es nun auch eine offizielle Quelle über seine ­Herkunft. Danach wurde er 1960 in dem Dorf Chah-i-Himmat im Khakrez-Distrikt von Kandahar geboren und gehört zum Hotak-Stamm.

Er bleibt auf dem Laufenden

Die Biographie bestätigt, dass Mullah Omar dank einer seiner vier Kriegsverletzungen tatsächlich auf einem Auge blind ist. „Obwohl ihm seit Jahren die Feinde nachspüren, hat er seine tägliche Routine nicht geändert“, behauptet die offizielle Biographie nun über den Mann, der seit 1996 den Titel „Führer der Gläubigen“ trägt.

„Er hält sich über das tägliche Geschehen in Afghanistan und in der Welt auf dem Laufenden“, behauptet die Biographie recht glaubhaft. Denn Mullah Omar, auf den die USA ein Kopfgeld von zehn Millionen US-Dollar ausgesetzt ­haben, ist aus der Zeit vor den Anschlägen am 11. September 2001 als redseliger und eifriger Telefonierer bekannt. Mehrmals pro Woche stellt er bei pakistanischen Journalisten telefonisch Sachverhalte richtig oder begründet Entscheidungen.

Taliban sondieren Chancen zum Gespräch mit Kabul

Leider gibt es auf der Webseite ­keine Begründung für die Veröffentlichung der Biographie des Mannes, von dem es nur ein einziges, verschwommenes Foto gibt. Vielleicht versuchen die Taliban Gerüchten den Boden zu entziehen, er sei mittlerweile verstorben.

Andere Beobachter spekulieren, die Taliban wollten mit ihrer neuen Version von ­Personenkult gegen die Konkurrenz von Daish – so lautet der arabische Name für die islamistische Terrormiliz IS – kämpfen, die neben den ­Regierungen in Kabul und Islamabad offenbar auch der Chefetage der Talibanmilizen Kummer bereitet.

Zu der Reihe möglicher Motive ­gehören allerdings auch die Sondierungen, die Taliban in diesen Tagen mit der Regierung in Kabul führt. Dabei geht es um den offiziellen ­Beginn von Verhandlungen über eine politische Lösung des Konflikts am Hindukusch. Laut Kennern der Talibanmilizen befürwortet Mullah Omar Gespräche.