Tag der Entscheidung

Athen/Brüssel..  Knicken die Griechen doch noch ein? Gibt es eine neue Hinhalte-Taktik? Oder riskiert die Regierung von Alexis Tsipras tatsächlich den ganz großen Krach? Kurz vor Ablauf des Eurogruppen-Ultimatums steigt im Schuldenstreit zwischen Griechenland und den Europartnern noch einmal die Spannung. Nach Angaben aus Athen soll heute ein Antrag auf weitere Finanzhilfen bei Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem eingehen. Doch niemand weiß, ob er überhaupt als Diskussionsgrundlage taugt.

Sollte die Regierung in Athen nicht zu Spar- und Reformauflagen stehen, werde der Antrag wertlos sein, lautete auch gestern das Credo der Geldgeber. Genau das hat der linke Ministerpräsident Alexis Tsipras bislang allerdings als unannehmbar bezeichnet, weil er die Auflagen für die soziale Misere im Land verantwortlich hält.

Mehr als 20 Milliarden abgehoben

Wenn die Bitte um eine Ausweitung der Finanzhilfen eingeht, werden sich deswegen erst einmal Experten über die Anfrage beugen. Verhandlungen der Finanzminister soll es nur geben, wenn die sogenannte „Arbeitsgruppe“ der Eurogruppe genügend Kompromissbereitschaft auf griechischer Seite sieht. Ende Februar schließt sich der bisherige Rettungsschirm der Europartner – gibt es keine Einigung, droht der Staatsbankrott.

In der griechischen Bevölkerung wird der Poker um die Zukunft des Landes zunehmend mit Sorge gesehen. Mit Blick auf einen möglichen Austritt aus dem Euro oder ein Bankensterben fürchten viele Menschen um ihr Erspartes. Schon jetzt sind nach Informationen aus Finanzkreisen mehr als 20 Milliarden Euro von griechischen Bankkonten abgezogen worden. Die Hälfte davon soll in Safes und Truhen versteckt sein.

Als Warnung dient den Griechen vor allem die Finanzkrise im benachbarten Zypern im März 2013. Damals wurden über das Wochenende die Banken geschlossen und Überweisungen nicht mehr bearbeitet. Erst nachdem die Probleme im zyprischen Bankensektor mit den anderen Europäern in einem schmerzhaften Kompromiss geklärt waren, öffneten die Banken wieder. Die Kunden der Bank of Cyprus mussten von Guthaben über 100 000 Euro 47,5 Prozent abschreiben. Die zweitgrößte Bank des Landes, die Laiki Bank, wurde zerschlagen.

Doch trotz der Sorgen der Bevölkerung: Die Regierung unter dem linken Regierungschef Alexis Tsipras zeigt sich bislang vollkommen unnachgiebig. Diplomaten in Athen zerbrechen sich den Kopf, woher Tsipras diese Sicherheit nimmt. Einige vermuten, er sei davon überzeugt, die Partner in der Eurozone würden ein Zudrehen des Geldhahns wegen der hohen Folgekosten nicht wagen. Dahinter steckt die Idee, eine Pleite Griechenlands würde die Europartner deutlich teurer zu stehen kommen als eine bedingungslose Verlängerung der Kredite.

Als „Anschauungsunterricht“

Vor dieser Sichtweise warnen allerdings nicht nur Diplomaten in Brüssel. Der US-amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman schreibt diese Woche in einem Beitrag für die „New York Times“, er halte es sogar für wahrscheinlich, dass Griechenland durch den harten Kurs in den Staatsbankrott und vielleicht sogar aus der Eurozone gedrängt werden solle. Mit dem Ziel, ein Exempel zu statuieren – „als Anschauungsunterricht für jeden, der um Unterstützung bittet“.