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Syrische Streitkräfte kündigen "entscheidende Schlacht" um Aleppo an

05.08.2012 | 19:36 Uhr

Die syrischen Streitkräfte rüsten nach tagelangem schwerem Beschuss durch Artillerie und Kampfflugzeuge für die "entscheidende Schlacht" um Aleppo. Das schrieb die regierungsnahe Zeitung "Al Watan" am Sonntag. In Damaskus demonstrierten die Rebellen unterdessen ihre Fähigkeit, mit guerilla-ähnlichen Angriffen dem Regime zuzusetzen.

Beirut (dapd). Die syrischen Streitkräfte rüsten nach tagelangem schwerem Beschuss durch Artillerie und Kampfflugzeuge für die "entscheidende Schlacht" um Aleppo. Das schrieb die regierungsnahe Zeitung "Al Watan" am Sonntag. In Damaskus demonstrierten die Rebellen unterdessen ihre Fähigkeit, mit guerilla-ähnlichen Angriffen dem Regime zuzusetzen. Ihr größter Erfolg am Wochenende war die Gefangennahme von fast 50 Iranern, die ein Vertreter der Freien Syrischen Armee als Spione bezeichnete. Amtliche syrische und iranische Medien sprachen dagegen von schiitischen Pilgern, die einen Schrein in der Hauptstadt besuchen wollten.

Bei den gefangen genommenen Iranern handelt es sich nach Angaben des Rebellenoffiziers Abdel Nasser Schmeir, der sich als Kommandeur der Al-Baraa-Brigade bezeichnete und von Al Arabija interviewt wurde, um Mitglieder eines iranischen Spähtrupps. Mindestens ein Offizier der Eliteeinheit Revolutionsgarde sei darunter. Die iranische Nachrichtenagentur IRNA meldete dagegen, Bewaffnete hätten am Samstag bei Damaskus 47 iranische Pilger entführt, die mit dem Bus vom Ort Sajeda Seinab zum Flughafen gefahren seien.

Am späten Samstagabend meldete die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Fars, dass syrische Soldaten die Geiseln befreit hätten. Eine Quelle für die Information nannte die Agentur nicht. Auch eine Bestätigung von syrischer Seite gab es zunächst nicht. Iranische Staatsmedien machten die Rebellen für die Tat verantwortlich. Der Iran ist ein enger Verbündeter der Regierung von Präsident Baschar Assad.

Syrische Regierungstruppen bombardierten derweil nach Angaben von Aktivisten ein Viertel der umkämpften Wirtschaftsmetropole Aleppo. Im Stadtteil Salaheddin sei es zu Kämpfen gekommen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Auch in den Gebieten al Hamdanije, Al Sukkari und Al Ansari lieferten sich Rebellen und Regierungstruppen demnach Gefechte. Zwei Rebellenkämpfer seien im Stadtteil Dschamijat al Sahra getötet worden, hieß es. Aus dem Artikel in "Al Watan" ging nicht hervor, wann genau der Großangriff auf Aleppo erfolgen solle. Die amtliche Nachrichtenagentur SANA schrieb, in der Wirtschaftsmetropole nahe der türkischen Grenze kämpften "Milizen vom Golf und aus der Türkei". Während der Iran dem Assad-Regime nahesteht, unterstützen einige arabische Golfstaaten die Rebellen.

Syrische Staatsmedien berichteten, die Hauptstadt Damaskus sei bis Samstagabend wieder vollständig unter der Kontrolle der Regierung gewesen. Aktivisten wiesen das als "Unsinn" zurück. Die Rebellen seien zu einer Taktik blitzartiger Angriffe übergegangen, nach denen sie wieder untertauchten, sagte der Aktivist Mohammed Said.

Syriens erster Mann im All ist türkischen Berichten zufolge am Sonntag in die Türkei geflüchtet und hat sich dort der syrischen Opposition angeschlossen. Dem 61-jährigen Astronauten Mohammed Ahmad Faris sei im vierten Versuch über Aleppo die Flucht geglückt, meldete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Faris, ein Luftwaffenpilot, war 1987 als erster Syrer an Bord der sowjetischen Raumstation "Mir" im All.

Eine in Syrien ansässige sunnitische Extremistengruppe teilte im Internet mit, sie habe einen bekannten syrischen Fernsehsprecher entführt und getötet, der seit dem 19. Juli als vermisst galt. Dem Mann sei vor seiner Tötung der Prozess gemacht worden, teilte die Gruppe mit dem Namen Al-Nusra-Front mit.

Derweil sprach sich Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) auch nach dem Rücktritt des Syrien-Sondergesandten Kofi Annan für militärische Zurückhaltung in dem Land aus. "Das Scheitern der Diplomatie darf nicht automatisch zum Beginn des Militärischen führen", sagte de Maizière der Zeitung "Welt am Sonntag". Es sei "zweifellos bitter und frustrierend, auf dieses Morden schauen zu müssen, ohne direkt etwas dagegen unternehmen zu können", erläuterte der Minister. Deutschland müsse weiter humanitär helfen und die demokratisch gesinnten Teile der Opposition logistisch unterstützen. "Aber mehr nicht", sagte de Maizière.

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dapd

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