Syrische Soldaten ergreifen Partei für Rebellen
07.06.2011 | 13:46 Uhr 2011-06-07T13:46:00+0200Beirut.Innerhalb des syrischen Militärs hat es anscheinend eine Revolte gegen Präsident Baschar al-Assad gegeben. In der nordwest-syrischen Stadt Dschisr al-Schughur seien heftige Kämpfe zwischen desertierten und loyalen Soldaten ausgebrochen, sagte der Leiter der Menschenrechtsorganisation Insan, Wissam Taif.
Die Zahl der Toten sei bisher unklar. Das Staatsfernsehen berichtete dagegen, in der Stadt seien bei Überfällen „bewaffneter Banden“ auf Sicherheitskräfte mehr als 120 Soldaten getötet worden. Dabei seien auch Regierungsgebäude in Brand gesteckt und fünf Tonnen Sprengstoff entwendet worden. Die Angreifer hätten mit Maschinengewehren und Raketenwerfer auf Zivilisten und Mitglieder der Sicherheitskräfte geschossen.
Es war nicht möglich, die widersprüchlichen Angaben zu überprüfen, weil die syrischen Behörden eine unabhängige Berichterstattung durch ausländische Journalisten unterbinden.
Proteste gegen Assad
In Syrien kommt es seit zweieinhalb Monaten immer wieder zu Protesten gegen die Herrschaft von Assad. Dabei wurden nach Angaben von Menschenrechtsgruppen 1000 Zivilisten getötet. Ihren Ausgang nahmen die Proteste in der südlichen Stadt Deraa. Dort gingen Sicherheitskräfte massiv gegen Demonstranten vor, was nun anscheinend zu einer Rebellion innerhalb der Armee führte.
Aufruf zur Revolte
„Nach diesen Verbrechen in Deraa und weiteren Städten im ganzen Land kann ich nicht mehr in der syrischen Armee bleiben“, sagte ein Mann dem arabischen Fernsehsender Al-Dschasira, der nach eigenen Angaben als Oberleutnant in der syrischen Stadt Rastan in der Provinz Homs gedient hatte. Er sei Soldat geworden, um das syrische Volk zu beschützen, und nicht, um das Herrschaftssystem der Assad-Familie zu verteidigen. Der Offizier rief weitere Soldaten dazu auf, ihrem Gewissen zu folgen und sich der Revolte anzuschließen.
Scharfschützen auf dem Dach
Hintergrund des jüngsten Gewaltsausbruchs in der Stadt Dschisr al-Schughur soll nach Angaben von Anwohnern eine Beerdigung von sechs Demonstranten am Samstag gewesen sein. Dabei kam es erneut zu Protesten, worauf Scharfschützen von einem Dach das Feuer auf die Mitglieder der Trauergemeinde eröffneten. Daraufhin hätten sich die Proteste ausgeweitet, berichteten auch Menschenrechtler. Die 50.000 Einwohner zählende Dschisr al-Schughur liegt zwischen der Küstenstadt Latakia und Aleppo. (rtr)

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