Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Syrien-Konflikt

Syrische Regierungssoldaten flüchten in die Türkei

03.07.2012 | 07:19 Uhr
Syrische Regierungssoldaten flüchten in die Türkei
Ein Flüchtlingscamp in der Türkei. Foto: Osman Orsal/rtr

Damaskus.   Der Flüchtlingsstrom von Syrien ins Nachbarland Türkei reißt nicht ab. Bei den jüngsten Überläufen sollen sich auch Dutzende Soldaten abgesetzt haben, darunter hochrangige Militärs. Unterdessen bedauerte Assad öffentlich den Abschuss eines türkischen Kampfjets.

Syriens Staatschef Baschar al-Assad hat den Abschuss eines türkischen Kampfjets durch die syrische Armee vor knapp zwei Wochen bedauert. Die Maschine sei in einem Gebiet unterwegs gewesen, das in der Vergangenheit mehrfach von der israelischen Luftwaffe genutzt worden sei, sagte Assad in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der türkischen Zeitung "Cumhüriyet". Er bedauere diesen Vorfall "zu 100 Prozent".

Auch hochrangige Militärs fliehen

Einem Medienbericht zufolge flohen derweil rund 300 Syrer in die Türkei, darunter 85 Soldaten der Armee. Es sei eine der größten Gruppen syrischer Deserteure gewesen, die seit dem Beginn der Proteste gegen Präsident Assad in der Türkei Zuflucht gesucht hätten, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Unter den Überläufern befanden sich demnach ein General und mehrere Offiziere. Mittlerweile halten sich mehr als 35.000 syrische Flüchtlinge in der Türkei auf.

In einem eindringlichen Appell ermahnte der Generalsekretär der Arabischen Liga die zersplitterte syrische Opposition zur Einigkeit. „Die Opfer des syrischen Volks sind größer als wir und wertvoller“ als jegliche Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Gruppierungen, sagte Nabil Elarabi am Montag vor fast 250 syrischen Oppositionellen in Kairo. Uneinigkeit herrscht zwischen den verschiedenen Gruppen vor allem in der Frage, ob ein Dialog mit der Regierung von Präsident Baschar Assad eingeläutet werden soll. Unterdessen flohen weitere 85 syrische Soldaten ins Nachbarland Türkei.

Appell an die Opposition

Die Opposition dürfe die Gelegenheit, ihre Differenzen zu überbrücken, unter keinen Umständen verstreichen lassen, forderte Elarabi. In einer Rede zum Auftakt der Konferenz stellte sich auch der Stellvertreter des UN-Sondergesandten Kofi Annan hinter den Appell Elarabis. Einigkeit sei „keine Option, sondern eine Notwendigkeit, wenn die Opposition die Unterstützung der Bevölkerung und auf internationaler Ebene mehren will“, sagte Nasser al Kidwa.

Es war das erste Mal, dass die Arabische Liga zu einem Treffen der syrischen Opposition eingeladen hatte. Allerdings war die Freie Syrische Armee (FSA) - der wichtigste Zusammenschluss von Rebellengruppen in dem Land - bei den Gesprächen nicht vertreten. Das Treffen sei rein politisch und die Rebellen seien daher nicht eingeladen worden, erklärte Fias Amru, der einer mit der FSA verbundenen Rebellengruppe angehört.

In New York rief UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay den UN-Sicherheitsrat dazu auf, die vorerst eingestellte Beobachtermission in Syrien zu stärken. Der blutige Konflikt in dem Land solle zudem vor den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag gebracht werden, forderte Pillay am Montag in New York. Einen solchen Vorstoß dürfte Russland allerdings blockieren. Die anhaltende Lieferung von Waffen an die Regierung und Opposition in Syrien drohe den Konflikt dramatisch zu verschärfen. „Das muss um jeden Preis verhindert werden“, sagte Pillay. (dapd)



Kommentare
Aus dem Ressort
Grüne wollen nach der Energiewende jetzt die Agrarwende
Parteitag
Die Partei versucht, einen Schlussstrich unter ihre Führungskrise zu ziehen und will mit der Agrarwende punkten. Der Grünen-Parteitag stärkt die Vorsitzenden und feiert den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann.
SPD und Grüne wollen "Soli"-Geld ab 2020 auch für den Westen
Soli
Die Ministerpräsidenten von SPD und Grünen einigten sich darauf, dass der Solidaritätszuschlag ab 2020 nicht ersatzlos wegfallen soll. Dann soll auch der Westen von den Einnahmen profitieren. Das Modell soll den CDU-geführten Ländern bei der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz vorgelegt werden.
Im Ruhrgebiet verfallen die Immobilienpreise
Immobilien
Eine Studie des Onlinedienstes Immowelt zeigt: Das Ruhrgebiet hinkt dem großen Immobilienrausch in Deutschland hinterher, im Durchschnitt verlieren sie in Städten wie Dortmund und Essen sogar an Wert. Doch das muss nicht automatisch ein Nachteil sein.
Mehrheit für Soli-Förderung in Ost- und Westdeutschland
Umfrage
Soli Ost auch für den Westen - dafür ist eine deutliche Mehrheit der Deutschen. In Düsseldorf diskutieren am Sonntagnachmittag die Ministerpräsidenten von SPD und Grünen über die Soli-Zukunft.
45 Tote bei Selbstmordanschlag während Volleyballturnier
Anschlag
Bei einem Selbstmordanschlag während eines Volleyballturniers sind im Osten Afghanistans mindestens 45 Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden befürchten, dass die Zahl der Toten weiter steigen könnte. Ein Provinzsprecher sagte, die Bombe sei während des Turniers zwischen den Zuschauern detoniert.
Umfrage
Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

 
Fotos und Videos