Suizid mit ärztlicher Hilfe ist laut einer Umfrage selten

Das Thema Sterbehilfe ist umstritten.
Das Thema Sterbehilfe ist umstritten.
Foto: Rainer Jensen / Illustration
Was wir bereits wissen
Ärzte helfen nur sehr selten bei einer Selbsttötung. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Ruhr-Uni Bochum unter Medizinern in NRW. Nur ein Fall von ärztlich assistiertem Suizid ist von 734 Medizinern genannt worden. In der Diskussion um ein Verbot ist die Ärzteschaft gespalten.

Bochum.. Einer Ärztebefragung zufolge ist Selbsttötung mit ärztlicher Hilfe der Ausnahmefall. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Instituts für Medizinethik der Ruhr-Uni Bochum. Nur ein Fall von ärztlich assistiertem Suizid ist bei der Befragung von 734 Medizinern genannt worden. Bei dieser Form der Sterbehilfe unterstützt der Arzt, der Patient vollzieht aber die letzte Handlung.

In der Diskussion um ein Verbot des assistierten Suizids ist die Ärzteschaft gespalten: Ein generelles Verbot der Sterbehilfe lehnten 34 Prozent der 734 Mediziner ab. Jeder Vierte befürwortet es, 41 Prozent sind unentschieden. „Dieser Wertepluralismus kann nicht durch Mehrheitsentscheidungen geregelt werden“, sagte Professor Jochen Vollmann.

40 Prozent der Befragten könnten sich Sterbehilfe vorstellen

Auch bei der Frage, ob sie im Zweifelsfall beim Sterben helfen würden, wenn ein Patient dies verlangt, gehen die Antworten auseinander: 40 Prozent der befragten Ärzte gaben an, dass sie sich diese Form der Sterbehilfe unter bestimmten Bedingungen vorstellen könnten. Für 42 Prozent der Befragten ist das nicht vorstellbar.

Politisches Forum Eugen Brysch, Chef der Deutschen Stiftung Patientenschutz, begrüßte es, dass die Begleitung des Suizids für Ärzte nicht alltäglich sei. Er weist jedoch darauf hin, dass viele Landesärztekammern die Hilfe beim Suizid grundsätzlich verbieten. „Dies widerspricht der geltenden Rechtslage, wonach die Hilfe bei der Selbsttötung nicht verboten ist. Wir brauchen eine einheitliche Regelung für ganz Deutschland.“

Stiftung Patientenschutz plädiert für einheitliche Regeln

Die Bundesärztekammer sei gefordert. Es könne nicht sein, dass bei der Hilfe zum Suizid unterschiedliche Regelungen der Landeskammern gelten: „Während sie in Nordrhein ausdrücklich verboten sei, heiße es für die Mitglieder der Kammer Westfalen-Lippe, sie ,sollen’ keine Hilfe zur Selbsttötung leisten. Damit gelte in Essen eine andere Regelung als in Bochum und in Würzburg eine andere als in Dresden.“

Deshalb gehe es in der Debatte des Bundestages auch um etwas anderes: das Verbot der organisierten Hilfe zur Selbsttötung. „Der Tod aus den Gelben Seiten von Sterbehilfeorganisationen darf keine Option für eine Sterbebegleitung sein“, erklärte Brysch.