Sturm legt Bahnverkehr in NRW lahm

Ruhrgebiet..  Wer am heutigen Mittwoch mit der Bahn fahren will, sollte sich vorher vergewissern, dass der Zug auch tatsächlich fährt. Die DB hatte den Betrieb am Dienstagabend zwar teilweise wieder gestartet, doch blieb es ungewiss, ob sie heute nach Fahrplan fahren kann. Denn die Schäden durch den Sturm Niklas hätten ähnliche Ausmaße wie nach Kyrill und Ela, sagte ein Sprecher.

Zehntausende strandeten gestern an den Bahnhöfen, mussten ausweichen auf Taxis, Mitfahrgelegenheiten oder eine Übernachtung im Hotel. Bei Feuerwehr und Polizei gingen die Notrufe im Minutentakt ein, es wurden Hallendächer abgedeckt und Dachziegel heruntergeweht, Autobahnen wurden teilweise gesperrt und mehrere Menschen schwer verletzt. Bäume stürzten ebenso um wie Strommasten, Dixi-Klos und Bauzäune machten sich selbstständig.

Um 11 Uhr kapitulierte die Deutsche Bahn vor der gewaltigen Kraft des Unwetters. Der gesamte Nahverkehr wurde eingestellt – für den Rest des Tages, wie es zunächst hieß. Doch nach und nach konnte die DB am Abend dann doch wieder Züge auf inzwischen freigeräumte Strecken schicken. Eine Erleichertung für viele Pendler.

Im Fernverkehr gab es zwar keinen kompletten Stopp, aber nur einzelne Züge erreichten ihre Ziele in NRW. An vielen Bahnhöfen ging so gut wie nichts mehr. Ein Reisender saß 45 Minuten am Düsseldorfer Hauptbahnhof in einem ICE nach Münster. „Erst hieß es immer wieder, wir hätten nur ein paar Minuten Verspätung“, erzählte er. Dann fiel die Fahrt ganz aus.

Bei Hagen riss der Sturm ein Baugerüst von der Lennetalbrücke (A 45) ab. Zwei Arbeiter, die in 20 Metern Höhe mit Schweißarbeiten beschäftigt waren, stürzten in die Tiefe und verletzten sich schwer. In Unna begrub eine umstürzende Kastanie einen Rollerfahrer unter sich, der 51-Jährige wurde ebenfalls schwer verletzt.

Im morgendlichen Berufsverkehr kam es zu Problemen auf den Autobahnen. Die A 45 bei Hagen war stundenlang gesperrt, nachdem der Sturm einen LKW umgerissen hatte, von der A 2 in Bottrop und der A 52 in Essen mussten Straßenarbeiter Bäume entfernen.

Tote und Verletzte

In Sachsen-Anhalt starb ein Mann unter einer einstürzenden Mauer. Im Westerwald wurden zwei Männer von einem Baum in ihrem Auto erschlagen. Besonders schwer tobte sich der Sturm in Bayern aus: Mehrere Menschen wurden verletzt. Die Polizei räumte den Münchener Hauptbahnhof, weil unter dem Druck des Sturms Dachfenster sich verschoben hatten und herabzustürzen drohten.

Die Stadt Duisburg gab ihren Mitarbeitern vorzeitig frei. In Wuppertal und Dortmund blieben die Zoos geschlossen. In Köln waren Teile der Domplatte zeitweise gesperrt.