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Streit um Straßennamen - Darf ein Platz "Hindenburg" heißen?

14.09.2012 | 16:45 Uhr
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Streit um Straßennamen - Darf ein Platz "Hindenburg" heißen?
In Münster ist am Sonntag ein Bürgerbegehren um die Umbennennung des Hindenburgplatzes. Eine Bürgerinitiative will den Namen nicht von Schildern und Stadtplan gelöscht sehen.Foto: Archiv

Münster/Essen.   Der Bürgerentscheid an diesem Wochenende über die Rückbenennung des Hindenburgplatzes in Schlossplatz in Münster schlägt Wellen über die Stadt hinaus. Historiker warnen, auch in anderen NRW-Städten Menschen, die zur Stützung des NS-Regimes beitrugen, auf Straßenschildern zu nennen oder Plätze nach ihnen zu benennen.

Kaum zu glauben: Halbe Ewigkeiten nach ihrem Tod bewegen Reichspräsident Paul von Hindenburg (in Münster und Wesel ), die Generäle Hans von Seeckt und Karl von Einem (in Essen) sowie die Schriftstellerin und Hitler-Verehrerin Agnes Miegel (in Velbert und in Ratingen) die Menschen. Dort und in anderen Städten in NRW toben Diskussionen, ob  Persönlichkeiten, für die Demokratie nicht erstrebenswert war, auf Straßenschildern auftauchen dürfen.

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Paul von Hindenburg darf das, findet die Bürgerinitiative (BI) „Pro Hindenburgplatz“ in Münster. Gerade erst hatte der Stadtrat entschieden, den nach dem Generalfeldmarschall benannten Platz in „Schlossplatz“ umzutaufen, da formierte sich Widerstand. Die Bürgerinitiative sammelte 17.000 Unterschriften.

Historiker kritisiert "Geschichtsrevisionismus" in Münster

An diesem Wochenende steht ein  Bürgerentscheid an, und es zeichnet sich eine sensationelle Wahlbeteiligung ab: Am Freitag hatten bereits 40.000 Münsteraner ihre Briefwahl-Unterlagen zurückgeschickt. Die Gründer der BI,  unter ihnen konservative Christdemokraten,  wollen mit der Rückkehr zu Hindenburg „Erinnerungskultur bewahren“. Der Platz habe diesen Namen 85 Jahre lang getragen, ohne dass  es  der Stadt geschadet habe. Immerhin, argumentieren die „Hindenburg-Fans“, sei der alte Soldatenführer bei seiner Reichspräsidenten-Kandidatur 1932 gegen Hitler auch von der SPD unterstützt worden.

So manchen Historiker grausen diese Debatten. „Bei Hindenburg und den Generälen von Seeckt und von Einem gibt es Gemeinsamkeiten: Sie standen prinzipiell dem Krieg positiv gegenüber. Sie sind Vertreter der preußischen Offizierskaste. Von Einem war außerdem extrem Homosexuellen-feindlich. Das sind Standpunkte, die nicht in die heutige Zeit passen. In eine Zeit, die Toleranz gegenüber Minderheiten und Andersdenkenden pflegt“, sagt  Frank Becker, Geschichts-Professor an der Uni Duisburg-Essen.

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Kommentare
18.09.2012
12:59
Streit um Straßennamen - Darf ein Platz
von CaptainFuture | #51

Man muss solche Personen in ihrem Historischen Kontext sehen. Die Deutschen der 1930er würden uns heute wie Aliens vorkommen. Ihre Eliten stammten nur aus dem Militär oder den Universitäten die damals voll von machohafter "Ehre" und "Stolz" die Niederlage des Weltkriegs nicht akzeptieren wollten.

Heute ist die Mentalität eine ganz andere. Zum Glück. Die Deutschen hassen ehr ihren Staat, als das sie sich für ihn auf dem Schlachtfeld opfern würden. Das mach mir die heutigen Deutschen sehr sympathisch ;-)

16.09.2012
18:16
Streit um Straßennamen - Darf ein Platz
von tomatenkiller_neo | #50

Ganz starke Leistung, daß Hindenburg ganz allein Hitler in den Sattel gehoben hat - wo waren denn da die Mio anderer, die die NSDAP gewählt haben ???

16.09.2012
14:41
Streit um Straßennamen - Darf ein Platz
von r.neuert | #49

Es sollte überhaupt keine Straße nach Politikern benannte werden. Es sei denn er hat sich in besonderem Maße Verdienste erworben, die auich über die Parteigrenzen hinweg und in der Bevölkerung allg. Anerkennung finden.

16.09.2012
13:45
Streit um Straßennamen - Darf ein Platz
von baiersdorf | #48

Ich empfehle jedem, der sich hier über den "hochbetagten" Hindenburg und die doch unnötige Straßen- und Platzumbenennungen äußerte, einen Blick in die exzellente Hindenburg-Biografie von Prof. Dr. Wolfgang Pyta zu werfen. Erst informieren, dann schreiben!

Hier einmal zwei Buchbesprechungen, damit endlich einmal statt Möchtegern-Geschichtskenntnisse ein wenig Wissen in die Diskussion kommt.

http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2008-1-076

http://www.sehepunkte.de/2008/06/13602.html

1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #48-1

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16.09.2012
13:42
Streit um Straßennamen - Darf ein Platz
von baiersdorf | #47

@ karmey "Abgesehen davon ist ihre Strassenschildstürmerei ahistorisch: Der Reichspräsident Hindenburg war kein Nazi, hatte mit Nazis und Hitler auch nichts am Hut, den er abfällig einen "bömischen Gefreiten" nannte. "

Nein, er hat Hitler und seine Verbrecher nur in den Sattel gehoben und schon zu Beginn seiner Amtszeit alles getan, dass es den Nazis besser ging. Was wissen SIe eigentlich über die deutsche Geschichte? Nur Guido Knoop gesehen?

1 Antwort
Wenn Sie hier schon so altklug tun...
von sellerieschubser | #47-1

... dann müssen(!) Sie auch exakt erläutern, warum und unter welchen Umständen Hindenburg so gehandelt hat!

Hier den "Besserwisser" zu geben ist schon ziemlich frech!

Und was Knoop angeht, er ist kein schlechter, zeigt aber in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit eben "nur" das wichtigste oder was man dafür halten kann. So betrachtet kommt wenigstens etwas "Basiswissen" ins Volk...

16.09.2012
13:08
Natürlich...
von Kontertor | #46

...sollten Menschen mit dicken braunen Flecken an der Weste nicht durch Strassen geehrt werden. Häufig ist die Grenzziehung aber schwieriger. Lutter war entschiedener Antisemit und hat gegen die Juden gewettert. Sollten die Lutter-Strassen nun umbenannt werden?? Wie blütenweiß muß denn das Leben des mit einem Strassennamen zu ehrenden sein? 80%? 90% 100%? Schwierig!

16.09.2012
12:57
Streit um Straßennamen - Darf ein Platz
von karmey | #45

Schade eigentlich, dass diese politisch korrekten Wutbürger ihr Empörungspotential nicht mal ein wenig auf die wirklichen Probleme in diesem Lande lenken, nämlich zunehmende Altersarmut, Minirenten unter Sozialhilfeniveau, Unwesen der Leiharbeiterei, Tarifflucht, Lohndrückerei, Arbeitnehmerausbeutung und Arbeitnehmerentrechtung, Wenn ich mich recht erinnere, war es eine Bundesregierung, die diesen Empörungsbürgern politisch nahesteht, die diese Entwickung stark befördert hat.

Abgesehen davon ist ihre Strassenschildstürmerei ahistorisch: Der Reichspräsident Hindenburg war kein Nazi, hatte mit Nazis und Hitler auch nichts am Hut, den er abfällig einen "bömischen Gefreiten" nannte.

16.09.2012
12:19
Also mal ehrlich!
von sellerieschubser | #44

Haben die keine anderen Sorgen?

OK, Paul von Hindenburg hat Hitler zum Kanzler gemacht, aber in unterschätzung dessen Charakters und Pläne. Man darf nicht vergessen, das Hindenburg damals hochbetagt und Hitler in keinster Weise mehr gewachsen gewesen ist.

Dieses sollte in dieser Diskussion auch einmal erwähnt werden...

Und wenn man, nur der politischen Korrektheit wegen und aus der Angst heraus "Wie stehen wir denn da?" alles auszumerzen, was auch nur andeutungsweise an das dritte Reich erinnert, auslöschen wollte, hätten viele Menschen verdammt lange damit zu tun.

So müsste zum Beispiel die Wewelsburg bei Paderborn umgehend gesprengt werden, weil die SS diese um- und ausgebaut hat, um dort ihren "Riten" zu frönen...

16.09.2012
11:23
Streit um Straßennamen - Darf ein Platz
von grummelglatz | #43

gibt es nicht in bochum eine straße "deutsches reich" ?

3 Antworten
Streit um Straßennamen - Darf ein Platz
von Broncezeit | #43-1

Und in der DDR fuhr noch die Reichsbahn.

Streit um Straßennamen - Darf ein Platz
von Hermann06 | #43-2

Es gab drei deutsche Reiche, selbst wenn wäre es nicht schlimm. Ein Verbrechrstaat war nur das dritte.

Streit um Straßennamen - Darf ein Platz
von karmey | #43-3

Die Strasse "Deutsches Reich" in Bochum ist nach einer ehemaligen Zeche gleichen Namens benannt. Die gleichnamige Bushaltestelle in Bochum-Werne wurde von der rot-grünen Stadtregierung mittlerweile umbenannt.

16.09.2012
10:51
Streit um Hindenburgplatz
von a_ha | #42

Vom ersten Moment an, als ich vor Jahren den Hindenburgplatz in MS zum ersten Mal sah, hat mich der Name Hindenburgplatz gestört.
Allein, weil ein Platz vor dem Schloss Schlossplatz heißen muss. Das ist eine lokal sehr logisch verortete Bezeichnung.
Dumm die Stadt, die eine solche Möglichkeit vergibt.

2 Antworten
Streit um Straßennamen - Darf ein Platz
von Broncezeit | #42-1

Schlossplatz mehr aus und ist auch passender. Aber die Entstehungsgeschichte des neuen Namens beruht eindeutg darauf, daß dem Zeitgeist entsprechend ein Name der nicht in die linke Gesinnung paßt wegmußte.

Streit um Straßennamen - Darf ein Platz
von Broncezeit | #42-2

"sagt" ist verschwunden

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