Streit angeheizt: Kassenärzte wollen mehr Geld
06.02.2009 | 16:40 Uhr 2009-02-06T16:40:00+0100Berlin. Die Forderung von Kassenärzten nach mehr Geld hat den Streit um die Ärztehonorare neu angeheizt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung verlangte deutliche Nachbesserungen und drohte im äußersten Fall mit Kürzungen in der Versorgung. Von Ulla Schmidt kam ein promptes Nein.
Die Forderung von Kassenärzten nach mehr Geld hat den Streit um die Ärztehonorare neu angeheizt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) verlangte am Freitag deutliche Nachbesserungen und drohte im äußersten Fall mit Kürzungen in der Versorgung. Von Bundesgesundheitsministerium Ulla Schmidt (SPD) kam ein promptes Nein. Auch die gesetzlichen Krankenkassen wiesen die Forderung zurück und rügten den Vorstoß als «überzogen».
KBV-Chef Andreas Köhler sagte, die Politik habe den Ärzten für 2009 rund drei Milliarden Euro mehr an Honoraren zugesichert. Nach den jüngsten Berechnungen ergebe sich aber nur eine Steigerung um rund 1,2 Milliarden Euro. «Diese Schere muss geschlossen werden», verlangte Köhler.
Der Verbandschef betonte, die bisherigen Kalkulationen zur Honorarsteigerung seien nur Simulationen gewesen. Seit wenigen Tagen liegen laut KBV die Abrechnungsdaten für das erste Halbjahr 2008 vor. Auf dieser Grundlage sei die Lücke sichtbar.
Neues Honorarsystem seit Jahresbeginn
Für Ärzte gilt seit Jahresbeginn ein neues Honorarsystem. Zuvor wurden die Leistungen der Mediziner nach Punkten berechnet, heute geschieht dies in Euro. Außerdem wurden früher Pauschalen pro Patient bezahlt, nun richtet sich die Vergütung nach dem Gesundheitszustand und der tatsächlichen Behandlung eines Patienten.
Noch sei nicht genau absehbar, wer zu den Gewinnern und den Verlierern der Reform gehöre, sagte Köhler. Bislang seien die Auswirkungen innerhalb von Regionen und Ärztegruppen sehr unterschiedlich. Grundsätzlich benachteiligt seien aber spezialisierte Mediziner mit einem großen Leistungsangebot. Um dies zu ändern, fordert die KBV unter anderem, bestimmte Behandlungen wie Ultraschall-Untersuchungen wieder aus den Regelleistungen auszugliedern und zusätzlich zu vergüten.
Die derzeitige Situation für die Ärzte sei «unerträglich», kritisierte Köhler. Zunächst will die KBV ihre Forderungen in Verhandlungen mit den Krankenkassen durchsetzen. Sollte dies scheitern, sei in letzter Konsequenz aber auch eine Kürzung in der Versorgung nicht ausgeschlossen, betonte Köhler. Die Debatte könne nicht nur auf den Schultern der Ärzte ausgetragen werden.
Schmidt: Kein Spielraum für "Mehrforderungen"
Schmidt bezeichnete die Aussagen der KBV als «verwunderlich» und rügte, die Forderung solle offenbar von eigenen «Unzulänglichkeiten» bei der Umsetzung der Honorarreform ablenken. Für «neue Mehrforderungen» gebe es «keinerlei Spielraum». Die Ministerin appellierte an die Ärztefunktionäre, «in der schwersten Krise der Bundesrepublik Deutschland gesamtstaatliche Verantwortung» zu übernehmen.
Auch der GKV-Spitzenverband, der Zusammenschluss der gesetzlichen Krankenkassen, reagierte mit heftiger Kritik. «Leistungsbeschränkungen anzukündigen, um überzogene Honorarforderungen durchzusetzen, weisen wir mit aller Entschiedenheit zurück», sagte Vize-Verbandschef Johann-Magnus von Stackelberg. Nur wenige Wochen nach dem Beschluss der Honorarreform einen Nachschlag zu fordern, lasse an der Verlässlichkeit der Ärztevertreter als Verhandlungspartner zweifeln. Es sei Aufgabe der Ärztefunktionäre, die «innerärztliche Verteilung» bei der Reform zu organisieren», mahnte Stackelberg. Einen erneuten Griff in den Geldbeutel der Versicherten könne es nicht geben. (ddp)

23:47
@Justiz1: wissen sie überhaupt, was sie da niedergeschrieben haben? sie haben wahrscheinlich noch nie hinter die kulissen einer arztpraxis gesehen, oder? ich habe es gesehen und kann sehr gut beurteilen, wie viel ein niedergelassener arzt verdient - nämlich genau 43,- € pro quartal und pro patient - egal, wie häufig dieser patient im quartal erscheint - egal, wie kompliziert die behandlung ist - ich weiß nicht, ob es ein verlust der bodenhaftung bedeutet, dass ein facharzt, der etwa 15 jahre für seine qualifikationen studiert hat, in einer sozialwohnung leben muss, weil das einkommen für eine normale wohnung nicht ausreicht....und schämen soll er sich obendrein auch noch!
ich frage mich gerade, wer sich hier schämen sollte.....
ihnen noch einen schönen abend.
bianca baum
18:11
Bei der Kassenärztlichen Vereinigung kann man nachlesen, was durchschnittlich ein niedergelassener Arzt verdient - doppelt so viel verdienen Fachärzte, Radiologen und Orthopäden dreimal so viel - netto !
Schaut doch mal nach -
Dieses Gejamere auf hohem Niveau der Ärzte kann ich nicht mehr hören. Schämen sollten sie sich. Sie haben völlig die Bodenhaftung verloren. Vielleicht sollten Sie mal ein Jahr mit einem Richter-Gehalt zu leben. - Das würde echte Einschränkungen bedeuten.
18:11
Was nützen 3 milliarden für die Ärzte,Wenn das ganze Geld gen Osten geht.Der Westen zahlt mal wieder und die NRW-ärzte haben weniger als
vorher,im Grunde ist die ganze Gesundheitsreform
eine Abzocke.Je Mehr man einzahlt je weniger hat
man den Nutzen davon.
12:15
Endlich diese Kassenärztlichen Vereinigungen abschaffen. Sie sind ungerecht und überflüssig und kosten viel zu viel Geld, das den Ärzten und Bürgern zugute kommen kann. Wann endlich kommt es dazu? Die Politik muss handeln!!!
16:18
Es kann doch nicht angehen, daß sie nur die Pharmalobby (mit tätiger Beihilfe der Politik) an den Krankenkassenbeiträgen bereichern!
15:52
Kassenärztliche Vereinigungen alle abschaffen! Die einzige Lösung. Wir lange wollen wir uns noch von denen auf der Nase rumtanzen lassen! Wenn die öffentlich zugeben, dass sie die Krankenkassen erpressen (z.B. der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes e.v. in Panorama), dann fragt man sich, warum die Funktionäre nicht direkt nach der Sendung mit Blaulicht von der grünen Minna abgeholt und direkt ins Gefängnis gekarrt werden.