Streik der Lokführer: Schon heute fallen erste Fernzüge aus

Beim Lokführer-Streik im vergangenen Jahr sind diese Passagiere in Essen gestrandet. Archiv-Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services
Beim Lokführer-Streik im vergangenen Jahr sind diese Passagiere in Essen gestrandet. Archiv-Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die GDL bestreikt seit 15 Uhr den Güterverkehr. Mittwoch beginnt der Streik im Personenverkehr - doch auch der wirft schon seine Schatten voraus.

Berlin.. Bahnreisende müssen sich in den nächsten Tagen wieder auf Verspätungen und Stillstand einstellen. Die Lokführer legen seit Dienstagnachmittag erneut bundesweit ihre Arbeit nieder. Den Streik, der bis Freitagmorgen dauern soll, hatte die Gewerkschaft GDL am Montagabend angekündigt.

Erst Streik im Güterverkehr

Seit Dienstnachmittag wird im Güterverkehr der Bahn gestreikt. Enden soll der Streik in dieser Bahn-Sparte am Freitagmorgen um 9 Uhr. Der Personenverkehr soll von Mittwochfrüh, 2 Uhr, bis Donnerstag um 21 Uhr bestreikt werden. Zuletzt waren die Lokführer Anfang November in den Ausstand getreten.

Die Deutsche Bahn will mit einem Ersatzfahrplan zumindest einen Teil des Personenverkehrs während des Lokführerstreiks aufrechterhalten. In NRW soll etwa ein Drittel der Züge im Fern-, Nah- und S-Bahnverkehr fahren, wie ein Bahnsprecher am Dienstag sagte. Die Bahn will den Ersatzfahrplan mit Lokführern auf die Beine stellen, die verbeamtet, in anderen Gewerkschaften organisiert sind oder nicht dem Streikaufruf der GDL folgen.

Bereits am Dienstag kann der Streik in NRW erste Auswirkungen haben. Bei den Vorbereitungen auf den Ausstand würden einzelne Züge aus dem laufenden Fahrplan genommen und auf Startpositionen gestellt, um sie am Mittwoch als Ersatzzüge einsetzen zu können, teilte ein Bahnsprecher in Düsseldorf mit. Dadurch könnten im Laufe des Tages einzelne Züge im Fernverkehr ausfallen.

Weselsky wirft Bahn Hinhaltetaktik vor

Streik GDL-Chef Claus Weselsky warf der Bahn eine Hinhaltetaktik vor. "Das Management will scheinbar gar kein Ergebnis erzielen", sagte Weselsky der "Passauer Neuen Presse". Er kritisierte, auch nach 16 Tarifverhandlungsrunden fehlten noch immer Ergebnisse in zentralen Fragen. Als Beispiel nannte er eine Begrenzung der Überstunden. Die GDL verlangt außerdem fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche.

Ein Streitpunkt ist auch die Rolle der Lokrangierführer. Diese Kollegen machten die gleiche Arbeit wie Lokführer, würden aber deutlich schlechter bezahlt und hätten viel schlechtere Arbeitszeitregelungen, betonte Weselsky.

Bahn reagiert mit Unverständnis

Die Deutsche Bahn reagierte mit Unverständnis auf die siebte Streikaktion seit Beginn des Tarifkonflikt. "Die GDL hätte ihr gewünschtes Zwischenergebnis in den Verhandlungen in nahezu allen Punkten haben können", betonte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber.

Die Güterbahn stellte sich angesichts der angekündigten 66 Stunden Streik auf erhebliche Beeinträchtigungen ein. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kritisierte den Streik laut der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstag) als "Gift für den Standort Deutschland". Täglich würden eine Million Tonnen Güter per Bahn transportiert, erklärte demnach DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann. Im Güterverkehr führten Streiks bereits nach wenigen Tagen zu Produktionsstörungen.

Weselsky lehnte in der "PNP" eine Schlichtung erneut ab. "Die Bahn verlangt von uns Kompromissfähigkeit. Sie selbst ist aber nicht dazu in der Lage. Unter diesen Voraussetzungen gehen wir nicht in eine Schlichtung", sagte er. (dpa)