RWI-Studie
Steuerpläne der Parteien könnten richtig teuer werden
24.09.2009 | 11:09 Uhr 2009-09-24T11:09:00+0200
Essen. Die Steuerpläne der Parteien könnten für die Bürger richtig teuer werden. Und kein Konzept hält, was es verspricht. Das belegt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Die Liberalen haben sich verrechnet. Die Union belastet die Mittelschicht, die SPD den Haushalt.
Kein Steuerkonzept hält, was die jeweilige Partei verspricht. Das bescheinigt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) vier Tage vor der Wahl Union, SPD und FDP. Das Konzept der Union würde nicht die Mittelschicht entlasten; das der SPD sich nicht selbst tragen und das der FDP satte 89 statt 35 Milliarden Euro kosten. Die Konzepte von Grünen und Linken wurden nicht durchgerechnet.
Das Unions-Konzept
Dass die Union im wichtigsten Punkt vage bleibt, erschwert die Analyse: Sie will die „kalte Progression” abflachen, also den steilen Anstieg der Steuersätze im mittleren Einkommensbereich. Doch sie lässt offen, wie sehr. Das RWI hat zunächst nur berechnet, was konkret im Programm steht: Der Eingangssteuersatz soll von 14 auf 12 Prozent gesenkt werden, der Höchstsatz von 42 Prozent erst ab 60 000 Euro gelten. Das für Laien verblüffende Ergebnis: Mittlere Einkommen würden sogar belastet. Dafür sorgt der durch den niedrigeren Eingangssatz steilere Anstieg der Tarife, er verschärft die Progression. Bei einem Jahreseinkommen von 50 000 Euro fielen so knapp 100 Euro mehr Steuern an.
Würde die Progression ganz abgeschafft, würden alle Steuerzahler sparen, im Schnitt 1545 Euro im Jahr. Das würde den Staat 43 Milliarden kosten. Die Wahrheit liegt dazwischen. Würde die Abflachung der Progression – etwa unter Verweis auf die Haushaltslage – verschoben, wäre das Konzept aufkommensneutral.
Das SPD-Konzept
Die SPD kritisiert, Steuerentlastungen seien derzeit nicht finanzierbar. Doch nach den RWI-Berechnungen würde der Fiskus auch durch ihr Konzept immerhin 2,6 Milliarden Euro weniger einnehmen. Das Ziel, besonders untere Einkommen zu entlasten, erfülle die SPD aber mit der Senkung des Eingangssteuersatzes von 14 auf 10 Prozent. Weil sie kräftiger ist als bei der Union, würde die steilere Progression auch nicht die Mittelschicht belasten. Die Erhöhung der Reichensteuer auf 47 Prozent, die bereits ab 125 000 statt 250 000 Euro greifen soll, würde gut eine Milliarde Euro einbringen – zu wenig, um die Entlastungen auszugleichen.
Das FDP-Konzept
Durch den Stufentarif der FDP (15, 25 und 35 Prozent) würde jeder Steuerzahler im Schnitt 3167 Euro sparen, Gutverdiener ab 77 000 Euro Jahresbrutto sogar 12 035 Euro. Die veranschlagten Kosten von 35 Milliarden können die Forscher nicht nachvollziehen. Sie kommen auf 89 Milliarden. „Kaum finanzierbar”, so das RWI-Fazit.

16:06
Hat überhaupt jemand die Studie genau gelesen? Dort heißt es:
Zentrales Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, die Entlastungseffekte zu quantifizieren, die sich aus den Steuerreformvorschlägen der drei
ausgewählten Parteien bei unverändertem Verhalten und wirtschaftlichem
Erfolg der Steuerpflichtigen ergeben können
Doch gerade ein verändertes Verhalten der Steuerpflichtigen ist das Ziel fast jeder Steuerreform (Stichwort: Verringerung der Schwarzarbeit), Mit einer statischen Analyse lässt die Wirkung einer Stärkung der häufig zitierten Wachstumskräfte nicht berücksichtigen.
Vielmehr wäre es notwendig ein dynamisches Arbeitsangebots und Steuertransfermodell zu modellieren, um die vorliegenden Reformvorschläge umfassend bewerten zu können.
15:57
@ 35 Korrektur . Beitrag wird natürlich groß geschrieben
Gemeinsamkeiten auch!!!!
15:55
@ 34 r.kant ! Vielen Dank für den produktiven und informativen beitrag Ihrerseits.
Weiter so und wir werden noch gemeinsamkeiten zwischen uns entdecken! .-)))))
15:44
@ kuba4711
Ich bin davon ausgegangen, dass sie als überzeuger Linker diese kennen.
Aber ich helfe ihnen natürlich gerne mit einem Link aus. :-))
http://die-linke.de/wahlen/positionen/wahlprogramm/bundestagswahl/2_die_sozialen_interessen_der_menschen_in_den_mittelpunkt_stellen/29_fuer_eine_sozial_gerechte_steuerreform/
http://www.rp-online.de/public/article/politik/deutschland/752725/So-viel-kosten-die-Plaene-der-Linken.html
15:14
@32 r.kantWie sehen denn die Steuerpläne der Linken aus?
14:39
Dei Steuerpläne der Linken wurden aus zwei Gründen nicht erwähnt:
1. Es gibt keinerlei Möglichkeit für die Linke nach dieser Wahl an die Macht zu kommen.
2. Die Steuerpläne der Linken sind derartig abstrus, abenteuerlich und absolut unfinanzierbar, dass sich kein seriöser Mensch mit dieser Option beschäftigt.
13:27
Also wenn ich das richtig interpretiere macht das RWI offenbar indirekt Werbung für die Steuerpläne der Linken ,da sie sie offenbar für so seriös hält ,dass sie nicht näher untersucht werden.
Also dieser Empfehlung folge ich zu Hundert Prozent.
12:39
Nach Seuern sollte niemand mehr das 2,5 fache des niedrigsten Lohnes verdienen.
Das gerechteste Steuersystem der Welt und ganz einfach.
Kirchoff bekäme keine Pension mehr.
Sondern das was auch ein Facharbeiter als Rente erwarten kann.
12:32
Vermutlich sind die Steuerpläne der Grünen und der LINKE schlüssig, oder warum wurde das nicht durchgerechnet. 25 % + X der Wählerschaft kann man doch nicht einfach ignorieren oder doch. Angst?
11:25
Ops #26 natürlich, ich bin meiner Zeit wieder voraus ;-)