Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Geschichte

Steinbrück veröffentlicht seine Stasi-Akte

23.08.2013 | 07:15 Uhr
Peer Steinbrück hat seine Stasi-Akte eingesehen und publik gemacht.
Peer Steinbrück hat seine Stasi-Akte eingesehen und publik gemacht.Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Berlin  SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat seine Stasi-Akte im Internet veröffentlicht. «Nicht nur Medienvertreter, sondern alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sollen die Dokumente einsehen und sich ein eigenes Urteil bilden können», erklärte er auf seiner persönlichen Homepage peer-steinbrueck.de.

Die Akte enthalte aus seiner Sicht «keine essentiellen Informationen»: «Ich habe jetzt lediglich erfahren, welche Person mich bei meinen Besuchen in der DDR bespitzelte.»

Dabei handelte es sich laut Steinbrück um einen Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) der Stasi, der zu seinem weiteren verwandtschaftlichen Umfeld gehörte. Dieser habe vor allem Übertreibungen, Wichtigtuereien oder Fehlerhaftes geliefert, erklärte Steinbrück und bekräftigte: «Weder die Stasi noch andere Geheimdienste haben je versucht, mit mir Kontakt aufzunehmen.»

Der Mann einer Cousine Steinbrücks in Thüringen, der Schauspieler Lutz Riemann, hatte vor kurzem auf Anfrage der «Welt am Sonntag» eine Stasi-Mitarbeit eingeräumt, zugleich aber betont, er habe eine Bespitzelung Steinbrücks verweigert. Der Kanzlerkandidat hatte die Akte nach eigenen Angaben am 8. August von der Stasi-Unterlagenbehörde erhalten - verbunden mit der Anfrage, ob er Einwände dagegen habe, wenn die Akte aufgrund von «Medienvorhaben» Mitte September veröffentlicht werde. Er habe keinen Grund gesehen, damit so lange zu warten, erklärte Steinbrück.

Über die Berichte, die der Stasi-Spitzel über ihn lieferte, zeigte sich Steinbrück eher amüsiert. Der IM «konnte offenbar nicht umhin, meine ablehnende, "feindliche" Haltung zum sowjetisch dominierten Gesellschaftssystem der DDR zu melden», schrieb der Kanzlerkandidat. «Seine Denunziation, ich sei Marxist, könnte allenfalls für schlechtes politische Kabarett taugen. Zu ähnlichen Übertreibungen und Wichtigtuereien zählen auch seine Bemerkungen, er habe mich zum Dienst in der Ständigen Vertretung in Ost-Berlin ermuntert, und es hätten auch Versetzungen als Attache an osteuropäische Botschaften in Rede gestanden.»

Steinbrück war 1981 - nach einer Mitarbeit im Kanzleramt - kurzfristig bei der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin tätig, wo er in der Abteilung Wirtschaft beschäftigt war. Danach hatte er in unterschiedlichen Funktionen in Bonn und in Düsseldorf gearbeitet. Die genauen Zusammenhänge waren der Stasi aber offenbar nicht bekannt: «Die Behauptung des IM, ich hätte für den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung, Maihofer, gearbeitet, zeigt exemplarisch die Fehlerhaftigkeit und Fehldeutung in Berichten von Stasi-Zuträgern und in Stasi-Aufzeichnungen», schrieb Steinbrück. «Zuständiger Minister war zu dieser Zeit Hans Matthöfer.»

(dpa)

Facebook
Kommentare
Umfrage
Schalke-Boss Clemens Tönnies hat einen Besuch der Mannschaft im Kreml in Aussicht gestellt. Wie sehen Sie das: Darf Schalke öffentlichkeitswirksam Herrn Putin besuchen?

Schalke-Boss Clemens Tönnies hat einen Besuch der Mannschaft im Kreml in Aussicht gestellt. Wie sehen Sie das: Darf Schalke öffentlichkeitswirksam Herrn Putin besuchen?

 
Aus dem Ressort
VdK will in Karlsruhe bessere Pflege einklagen
Soziales
Einen ungewöhnlichen Weg geht der Sozialverband VdK, um die Zustände in der Pflege zu verbessern: Er will per Klage in Karlsruhe Mindeststandards festlegen lassen. Ob der angekündigte Vorstoß Erfolg haben wird, ist aber umstritten.
Regierung blockiert Rüstungsausfuhren nach Russland
Export-Stopp
Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hat das Bundeswirtschaftsministerium beschlossen, ein Rüstungsausfuhrverbot nach Russland zu verhängen. Betroffen seien aber keine Kriegswaffen, sondern nicht näher bestimmte Rüstungsgüter. Vorangegangen war eine Anfrage der Grünen.
Israel setzt Friedensverhandlungen mit Palästinensern aus
Nahost
Israel reagiert auf die Bemühungen der palästinensischen Fatah um eine Aussöhnung mit der Hamas - und setzt die Friedensgespräche aus. Dies beschloss das Sicherheitskabinett unter Leitung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Donnerstag. Eine Annäherung beider Seiten ist nicht in Sicht.
Russland reagiert mit Militärmanöver auf Gewalt in Ukraine
Ukraine
Als Reaktion auf den ukrainischen Militäreinsatz im Osten des Landes hat Russland am Donnerstag neue Militärmanöver an der Grenze zur Ukraine angeordnet. Die Übungen in den Grenzregionen unter Beteiligung der Bataillone aus den "südlichen und westlichen Militärbezirken" hätten bereits begonnen.
EU setzt auf mehr Jugendaustausch - Neuordnung der Programme
"Erasmus+"
Hunderttausende junge Leute profitierten schon von den Austauschprogrammen der EU. Nun gibt es einen neuen Ansatz - und es fließt mehr Geld. Das Bundesbildungsministerium geht davon aus, dass in Deutschland bis 2020 Über 500.000 junge Menschen von "Erasmus+" profitieren werden.