Streit
Steinbach sorgt für Eklat in der Union
09.09.2010 | 08:06 Uhr 2010-09-09T08:06:00+0200
Berlin.Die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, verteidigte umstrittene Weltkriegs-Bemerkung vor Unions-Fraktion: Polen habe 1933 zuerst mobil gemacht. Steinbach fühlt sich absichtlich missverstanden.
In der Union wächst die Empörung über mehrere Vertriebenen-Politiker der Partei, darunter die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach. In der Vorstandssitzung der Unions-Bundestagfraktion distanzierte sich Kulturstaatsminister Bernd Neumann am Mittwoch ausdrücklich von Äußerungen der beiden Vertriebenen-Funktionäre Arnold Tölg und Hartmut Saenger, die der BdV als stellvertretende Mitglieder des Stiftungsrats der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung (SFW) benannt hatte. So hatte der baden-württembergische BdV-Chef Tölg davon gesprochen, dass Polen bereits im März 1939 mobil gemacht hatte und der deutsche Angriff auf Polen nur der zweite Schritt gewesen sei.
Zum wirklichen Politikum wurde der Vorfall aber vor allem dadurch, dass Steinbach die beiden nach der Neumann-Kritik in Schutz nahm und ankündigte, sie wolle beide auf der nächsten BdV-Sitzung für ihre Äußerungen verteidigen.
Schockenhoff fordert Ausschluss aus der Union
Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Andreas Schockenhoff kritisierte Steinbach scharf: „Es muss klar sein, dass es hier nicht um Meinungsverschiedenheiten, sondern Geschichtsklitterung geht. Eine solche Meinung hat in der Fraktion und der Partei keinen Platz“, sagte Schockenhoff der Nachrichtenagentur Reuters. „Der Hinweis auf die Mobilmachung Polen ist absurd - als ob dadurch der Einmarsch Polens ins Deutsche Reich bevorgestanden hätte.“ Jeder wisse, dass dies Unsinn sei und Hitler einen Krieg vorbereitet habe. Schockenhoff betonte am Donnerstag, er fordere damit aber nicht den Parteiausschluss.
Steinbach bestätigte nach einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ , dass sie in der Sitzung gesagt habe: „Und ich kann es auch leider nicht ändern, dass Polen bereits im März 1933 mobil gemacht hat.“ Sie legte dem Blatt zufolge allerdings Wert darauf, dass sie damit die Kriegsschuld Deutschland nicht habe bestreiten wollen und fühle sich absichtlich missinterpretiert. In die aufkommende Empörung, habe sie gerufen: „Da können Sie mich ja ausschließen, wenn Sie wollen.“
Schon zuvor war Steinbach dem Bericht zufolge in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der Fraktionsführung aneinandergeraten. Sie habe den Umgang der Parteiführung mit dem suspendierten Bundesbanker Thilo Sarrazin und dessen umstrittenen Integrationsthesen als „grottenschlecht“ kritisiert. Sarrazins Vorstellungen zur Genetik seien ihr „völlig egal“. Sie wolle nicht akzeptieren, wie Sarrazin mundtot gemacht werde, habe Steinbach gesagt. Der Fraktionsvorsitzende Volker Kauder habe sie scharf zurechtgewiesen. (rtr)

12:08
Nicht Frau Steinbach hat einen Eklat verursacht, sondern das Politestablishment derer jede Menge.
Erika Steinbach hat eines noch nicht begriffen: Sie kann huntertmal die Wahrheit sagen. Wenn sie - noch dazu als eine CDU-Obere - auch nur ein Jota von der geltenden political correctness abweicht, wird sie sofort zum Staatsfeind
16:49
Gerade wird auf N-TV gemeldet, dass sich Frau Steinbach aus der CDU-Führungsspitze zurückzieht.
Ich hoffe, sie ist konsequent und gibt auch ihr Parteibuch zurück.
Ich denke, bei der nächsten Bundestagswahl wird die Merkel-CDU so bei 20% landen.
16:33
@ 96: Ja, das ist richtig. Sie verteidigt aber explizit die Herren Tölz und Saenger, die bekennende Revanchisten sind.
@ 94: Wo haben Sie denn die Mär von der wilden amerikanischen Aufrüstung her? 1938 betrugen die Ausgaben der USA für militärische Zwecke nur 1,5 % des verfügbaren Sozialprodukts. Rein quantitativ waren die amerikanischen Rüstungsausgaben zwischen 1933 bis 1938 zwar ungefähr auf dem Niveau von England aber doch deutlich unter dem Niveau der japanischen Militärausgaben, die ja zudem eine agressive, expansionistische Politik betrieben. Wenn man den USA eine kriegstreiberische Politik vor 1940 unterstellt, ist es unerklärlich, warum die USA so weit unter ihren Möglichkeiten aufrüsteten.
16:20
#92 von Dr.Dr
Fairerweise sollte man zur Kenntnis nehmen dass Frau Steinbach eindeutig festgestellt hat, sie wolle mit ihren Aussagen keineswegs die Schuld Deutschlands am Ausbruch des 2. Weltkrieges relativieren.
16:16
Otto Sander sagte einmal in einem Tatort: ... es heißt ja auch Königsberger Klopse und nicht Kaliningrader! Jeder hat ein Recht auf Heimat - und die erscheint mir, als Kind von Vertriebenen, hier im Ruhrgebiet zunehmend willkürlich, will sagen unnatürlich, genau wie die klammheimliche Sehnsucht nach der fremden Heimat.
16:15
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16:06
Marschall Rydz-Smigly vor polnischen Offizieren im Juni 1939: Polen will den Krieg mit Deutschland, und Deutschland wird ihn nicht verhindern können, selbst wenn es das wollte Soviel zu der Geschichte vom arglosen und aus heiterem Himmel Überfallenem. Deutschland hat den Krieg begonnen, aber dieser Krieg hatte viele Väter.
16:01
Liebe Hobbyhistoriker,
liebe Revanchisten!
Es mag ja eine Menge strittige Dinge geben, auch bezüglich der Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges. Eines ist allerdings völlig unumstritten: Die polnische Teilmobilmachung spielte absolut keine Rolle für den Einmarsch deutscher Truppen in Polen.
Eine Interpretation die nahelegt, dass Hitlers Entscheidung eine Reaktion auf die Teilmobilmachung sei ist nicht nur falsch, sie ist auch revanchistisch!
Frau Steinbach mag sich jetzt an einer zeitlichen Chronologie klammern, allerdings ist ihre Motivation eine Unterstützung der unhaltbaren Thesen von Tölz und Saenger, dass Polen Schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs sei.
15:55
#Nie-Wieder-Repression-durch-Sozialisten, u.a.
Danke für die sachliche Diskussion. Fand ich richtig gut. Muss aber jetzt so allmählich zur Familie. Heute ist Bayram!
15:53
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