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RWE-Dividende: Deshalb sind Städte entsetzt über Nullrunde

18.02.2016 | 12:31 Uhr
RWE-Dividende: Deshalb sind Städte entsetzt über Nullrunde
Überraschende Mitteilung von RWE-Peter Terium: Aktionäre sollen auf Dividende verzichten.Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Service

Essen.   Dividenden-Nullrunde bei RWE: Mit seinen Plänen sorgt Konzern-Chef Peter Terium für Entsetzen bei den Städten. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Eine RWE-Mitteilung von Konzern-Chef Peter Terium hat heftige Reaktionen ausgelöst – massive Kritik aus den Städten, einen Kurseinbruch an der Börse, Sorge in der Politik. Wir erläutern die Hintergründe.

Warum ist RWE in der Krise?

RWE ist geprägt von Kohle- und Atomkraftwerken und hat in der Vergangenheit nur wenig auf das Geschäft mit Ökostrom gesetzt. Mit dem anstehenden Atomausstieg und dem rasanten Aufstieg von Wind- und Sonnenenergie gerät RWE in Bedrängnis. Im Jahr 2015 verbuchte der Konzern einen Nettoverlust von 200 Millionen Euro. Für 2016 rechnet RWE-Chef Terium mit weiteren Ergebnisrückgängen.

Was hat der Vorstand beschlossen?

Kommentar
RWE kappt Dividende und brüskiert die Städte - ein Kommentar

RWE will eine Nullrunde bei den Dividenden, die Städte sind entsetzt. Die ursprünglich gute Zusammenarbeit ist brüchig geworden. Ein Kommentar.

Die Aktionäre sollen weitestgehend auf eine Dividende verzichten. Im vergangenen Jahr hatte RWE noch einen Euro je Aktie gezahlt. Diesmal sollen lediglich die wenigen sogenannten Vorzugsaktionäre eine Ausschüttung von 13 Cent je Anteilsschein erhalten – eine Art Mindest-Dividende, die in der RWE-Satzung festgelegt ist. Für die Stammaktionäre – die große Mehrheit – soll es nichts geben. Zudem kündigte der RWE-Vorstand an, das laufende Sparprogramm im Konzern noch einmal zu verschärfen.

Warum sind die Reaktionen so heftig?

Die Mitteilung der RWE-Spitze kam selbst für Insider völlig überraschend. Der Aktienkurs stürzte ab. „Der Markt hat bereits eine Dividendenkürzung erwartet, aber keine Nullrunde“, erklärt Thomas Deser von der Fondsgesellschaft Union Investment. Hinzukommt: Der Dividendenvorschlag für die Hauptversammlung wird bei großen Unternehmen in aller Regel zunächst mit dem Aufsichtsrat abgestimmt und dann der Öffentlichkeit mitgeteilt. Bei RWE ist der Vorstand vorgeprescht, das Kontrollgremium, zu dem auch Vertreter der kommunalen Aktionäre gehören, trifft sich erst am 3. März. „Es geht überhaupt nicht, dass der Vorstand mit so einer Information an die Öffentlichkeit geht, ohne ein Votum des Aufsichtsrats zu haben“, kritisiert Dortmunds Stadtwerke-Chef Guntram Pehlke. „Das ist ein nicht zu akzeptierender Umgang.“ Dortmunds Stadtwerke sind mit 4,1 Prozent an RWE beteiligt und damit größter kommunaler Aktionär.

Was befürchten die Städte?

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Die meisten Kommunen haben bislang eine Gewinnausschüttung von RWE fest eingeplant. Essens Kämmerer Lars Martin Klieve hat mit 50 Cent pro Aktie gerechnet, sein Bochumer Amtskollege Manfred Busch hat 60 Cent erwartet. Bei Dortmunds Stadtwerke-Chef Pehlke waren es sogar 75 Cent. Noch ist die Dividendenhöhe nicht offiziell beschlossen. Die RWE-Aktionäre müssen die Pläne bei der Hauptversammlung Mitte April absegnen. Setzt sich RWE-Chef Terium gegen den zu erwartenden Widerstand der Kommunen durch, müssen viele Kämmerer und Stadtwerke-Chefs neu rechnen. Pehlke sagt: „Wir werden einen deutlich höheren Verlust im Unternehmen haben.“

Wie reagiert die Politik?

NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) zeigt sich besorgt. Der Bundestag müsse dringend Klarheit für den Strommarkt der Zukunft und damit für die Unternehmen schaffen. „Berliner Spekulationen über Kohleausstieg und Rückstellungen beim Atomausstieg sind dabei wenig hilfreich“, kritisiert Duin. Am Ende seien nicht nur Dividenden gefährdet, sondern die Versorgungssicherheit in Deutschland, Tausende von hochwertigen Ar­beitsplätzen und nicht zuletzt die Handlungsfähigkeit der beteiligten Kommunen.

Wie argumentiert der RWE-Chef?

„Eine Ausschüttungspolitik mit Augenmaß, die sich im Rahmen des Möglichen bewegt, liegt auch im Interesse der Aktionäre“, sagt Terium. „Wir wissen, dass wir mit der heutigen Entscheidung viele Aktionäre enttäuschen. Sie ist jedoch notwendig, um unser Unternehmen zu stärken.“ Unterstützung bekommt der RWE-Chef von Fondsmanager Thomas Deser von Union Investment. „Die Streichung ist eine sinnvolle Maßnahme, um die Bilanz zu stärken“, betont Deser.

Was spricht gegen die Nullrunde?

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„Hier schlägt der Vorstand gegen alle Aktionäre“, schimpft Ernst Gerlach vom Verband der kommunalen RWE-Aktionäre. Nicht nur die Kommunen, sondern auch andere Investoren – Pensionsfonds etwa – seien auf die Dividenden angewiesen. Angesichts der geplanten Nullrunde für die meisten Aktionäre und Sparprogrammen in der Belegschaft stichelt Gerlach gegen den Vorstand: „Wenn die Lage so ernst ist, müsste der Vorstand auch bei seinen Boni Einschränkungen hinnehmen.“ Auch Essens Kämmerer Klieve reagiert mit Spott auf die überraschende Mitteilung der RWE-Spitze . Klieve ließ in der Vergangenheit durchblicken, dass er in etwa mit einer Halbierung der Dividende rechne und hatte dafür Kritik aus dem Kreis der Kommunen einstecken müssen. „Meine Ideen waren nicht dumm genug. Der Vorstand hatte eigene“, sagt Klieve heute.

Ulf Meinke

Kommentare
20.02.2016
14:03
RWE-Dividende: Deshalb sind Städte entsetzt über Nullrunde
von Meierdrei | #41

Die Energie-Wende ist der politische Verursacher einer gewaltigen Kapital-Vernichtung und die kommt nun bei den Kommunen an.
Es wird aber immer noch...
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RWE-Dividende: Deshalb sind Städte entsetzt über Nullrunde
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http://www.derwesten.de/politik/staedte-laufen-sturm-gegen-rwe-plaene-fuer-dividenden-nullrunde-id11575171.html
2016-02-18 12:31
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