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Städte dürfen sich nicht kaputtsparen

15.10.2009 | 20:37 Uhr
Städte dürfen sich nicht kaputtsparen

Essen. Die Verschwendung von Steuergeld prangert der Steuerzahlerbund jährlich an. Eine gute Sache. Doch bei allen Plünderungs-Vorwürfen müssen Städte aufpassen, sich nicht kaputtzusparen. Das Ruhrgebiet braucht das Fußballmuseum und das Kulturhauptstadtjahr. Wo soll sonst neues Geld herkommen?

Es ist wirklich großer Mist: Kaum hat der Bürger sein Kreuzchen auf dem Wahlzettel gemacht, heißt es wieder: Liebe Politiker, übernehmen Sie! Wofür die Steuern verwendet werden, darauf hat der Otto-Normal-Bürger keinen Einfluss. Klar, er hat mit seiner Stimme eine gewisse Richtung vorgegeben, hat deutlich gemacht, welche Themenfelder ihm wichtiger sind, wofür aus seiner Sicht Geld ausgegeben werden soll. Damit hat es sich in der Regel aber auch. Verschwenden Politiker Steuergelder für vermeintliche Prestige-Objekte, muss der Bürger diese Kröten schlucken. Eine Reißleine hat er für diesen Fall nicht.

Daher ist es gut, dass der Bund der Steuerzahler jährlich Protz und Prunk, Fehlplanung und Kostenexplosionen in einem Schwarzbuch präsentiert. Damit prangert er Verschwendung nicht nur an, sondern macht sie vielen Bürgern wohl auch erst bewusst. Nicht jeder weiß, dass es in seiner Nähe Projekte, Gebäude oder Aktionen gibt, für die haufenweise Geld zum Fenster hinausgeworfen wird.

Ob aber wirklich alle 16 Fälle, die der Steuerzahlerbund für Nordrhein-Westfalen aufgeschrieben hat, einer Kassenplünderung gleichkommen, darüber darf natürlich munter diskutiert werden. Bei genauer Prüfung mag der ein oder andere feststellen, dass vielleicht doch nicht alle Politiker so egoistisch und verschwenderisch sind, wie oft reflexartig kritisiert wird. Denn es ist ein schmaler Grat: Auf der einen Seite steht der verantwortungsvolle Umgang mit Steuergeldern und auf der anderen Seite das Kaputtsparen einer Stadt.

Fußballmuseum bringt auch wieder Geld in die Stadt

Dortmund und Gelsenkirchen wollten das Fußballmuseum haben: Dortmund hat am Ende den Zuschlag bekommen.

Natürlich kostet das geplante Fußballmuseum in Dortmund Geld. In einer fußballverrückten Region und wahrscheinlich auch in einem fußballverrückten Land ist aber damit zu rechnen, dass Alt und Jung dieses Museum besuchen wollen. Viele von ihnen werden anschließend auch noch einmal durch die Innenstadt schlendern, etwas einkaufen, die ansässigen Gastronomen mit ihrer Anwesenheit erfreuen und möglicherweise sogar auf Dortmunder Boden übernachten. Eine Stadt muss sich weiterentwickeln dürfen. Und dass man sich mit dem Fußballmuseum einen Aufschwung für die Stadt erhofft hatte, hat auch Gelsenkirchen bewiesen. Wäre sonst der Zweikampf um das Museum so eng und intensiv geführt worden?

Kulturhauptstadt ist ohne Investition nicht zu haben

Investieren, um neue Geldquellen zu erschließen – das ist wohl auch das Motto der Macher der Kulturhauptstadt. Als bekannt wurde, dass Essen diesen Titel 2010 tragen wird, war der Jubel noch groß. Balsam auf die geschundene Ruhrgebiets-Seele. Nur: Zum Nulltarif ist das nicht zu haben. Wer die Kulturhauptstadt haben will, muss Geld für die Kulturhauptstadt bereit stellen. Über Detailfragen kann man streiten, auch darüber, ob Autobahnen veredelt werden müssen. Mehr Geld für Projekte, für gemeinschaftliche Erlebnisse brächten mehr – für den Zusammenhalt in der Region und wohl auch fürs Image. Auswärtige Besucher werden wahrscheinlich eher wieder kommen und ihr Geld im Ruhrgebiet lassen, wenn sie freundlich empfangen werden und im Ruhrgebiet etwas erleben können. Wegen Fenster in Lärmschutzwänden für einen freien Blick auf den Rhein-Herne-Kanal oder „gezielter“ Bepflanzung an Autobahnen kommt wohl kaum einer wieder.

Expertenkommission im Schulministerium ist überflüssig

Schulministerin Barbara Sommer sollte ihre externe Expertenkommission fürs Zentralabitur dringend nach Hause schicken. Foto: ddp

Völlig zurecht hat der Steuerzahlerbund allerdings das Gebaren im Landes-Schulministerium angeprangert. Es ist eine Unsitte, dass gut ausgebildete und von Steuergeldern bezahlte Ministeriums-Mitarbeiter bestimmte Aufgaben nicht mehr übernehmen. 500.000 Euro jährlich bekommt nun eine externe Expertenkommission für die Qualitätssicherung des Zentral-Abiturs. Das ist wirklich rausgeschmissenes Geld. Und Schulministerin Barbara Sommer sollte schnellstens darüber nachdenken, wie sie diesen Betrag wieder einsparen kann. Die schlechteste Lösung: Sommer baut Stellen im Ministerium ab. Die beste: Über interne Versetzungen werden qualifizierte Mitarbeiter zu einem schlagkräftigen Qualitätssicherungs-Trupp zusammengestellt – und die Expertenkommission kann gehen. Denn mit 500.000 Euro kann das Ministerium, wenn Bedarf besteht, noch locker zwei oder drei neue Führungskräfte im eigenen Haus einstellen. Auch ein Ministergehalt liegt dem Vernehmen nach deutlich unter 500.000 Euro.

Corinna Weiß

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Kommentare
16.10.2009
14:59
Städte dürfen sich nicht kaputtsparen
von Wölfi | #9

Wer brauch eigendlich ein Fußballmuseum ?????

16.10.2009
14:52
Städte dürfen sich nicht kaputtsparen
von Elektrosteiger | #8

Wo soll sonst neues Geld herkommen?

Is doch logo, da werden dann die Abgaben (nicht Steuern!!!) halt angepasst, viele neue Blitzer aufgestellt und Blitzerwagen auf alle Straßen postiert, ebenso werden die Politessen in Zukunft wohl im 3-Schichten-Dienst unterwegs sein..
Ferner werden alle Sozialen Angebote radikal zusammengestrichen...

UND SO SPART MAN GELD, BZW. BEKOMMT VIEL NEUES GELD REIN....

16.10.2009
11:41
Städte dürfen sich nicht kaputtsparen
von nie88 | #7

Wer nur Schulden hat der kann nix Sparen...und kaputt sind die Finanzen doch schon länger.....

15.10.2009
17:49
Städte dürfen sich nicht kaputtsparen
von Banjoboy10 | #6

Die sparen sich nicht kaputt. Alle Dienstfahrzeuge sind noch da!

15.10.2009
17:04
Städte dürfen sich nicht kaputtsparen
von Gartenfreunde | #5

Man merkt es doch schon,das Fahrbahnlöcher nicht mehr sofort zugemacht werden.Oder Bürgerbüros nicht mehr Sammstag´s nicht mehr Öffnen.

15.10.2009
16:39
Städte dürfen sich nicht kaputtsparen
von rewzt | #4

So ist das mit der Lobbypolitik. Der Bund der Steuerzahler will nur Steuern sparen. Der ADAC vertritt nur die Interessen der Autofahrer. Ich bin aber nicht nur Steuerzahler sondern auch daran interessiert, dass Schulen und Straßen nicht vergammeln. Ich bin nicht nur Autofahrer, sondern auch Fußgänger, Fahrradfahrer, Bahn-Kunde und manchmal auch Benutzer von Bussen und Straßenbahnen. So einfach ist die Welt für mich nicht.

15.10.2009
16:29
Städte dürfen sich nicht kaputtsparen
von HART ABER HERZLICH | #3

Der obige Artikel besteht aus vier Absätze.

Zu den ersten Drei ist nichts zu sagen - ohne Werbung gibt es keine positive Rresonanz für die Region.

Der vierte Absatz sagt doch alles wo das Geld zum Fenster hinaus geblasen wird. Unfähige Politiker geben Geld für Externa aus, wofür eigendlich sie mit ihrem Resort zuständig sind. Und das wird angeprangert und hier wird (vergeblich wie immer gefordert) um Abhilfe gebeten.
Auf Landes- wie auf Bundesebene gleichermaßen.

15.10.2009
15:55
Städte dürfen sich nicht kaputtsparen
von p_s_a | #2

Wer aufhört zu werben, um so Geld zu sparen, kann ebenso seine Uhr anhalten, um Zeit zu sparen. (Henry Ford, am. Industrieller, 1885 - 1945)

Was fehlt sind die administrativen Rahmenbedingungen um die ungenutzte Arbeitskraft der arbeitslosen Bürger nutzen zu können. Zu Tarifbedingungen und begrenzt auf die Erarbeitung des Lebensminimum - ganz klar, aber ohne den Zwang ein Privatunternehmen dazwischen zu schalten.

Es kann ja wohl nicht angehen, das trotz ungenutzter Arbeitskräftereserven, besser aufgestellte Städte in Bedrängnis gebracht werden, nur weil dogmatische Denkverbote bestehen.

15.10.2009
15:47
Städte dürfen sich nicht kaputtsparen
von sub | #1

Es ist richtig, dass sich die Städte nicht kaputtsparen dürfen, auch ein Fußballmuseum ist sicherlich angebracht, auch die Beteiligung an der Kulturhauptstadt hat wegen der Breitenwirkung ihre Berechtigung. Allerdings kann all das nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Ruhrgebiet nach dem Wegfall von Kohle, Stahl und Bier eines fehlt, nämlich: eine neue Identität. Fußball und Einkaufszentren mit tausendfach gesehenen Modeketten als hauptsächliche identitätsstiftende Merkmale sind als Kitt für die Zukunft einer solchen Region dann doch ein bisschen wenig.

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