Stadtwerke zunehmend unter Druck

Dortmund..  Bei den Stadtwerken in der Region braut sich unter dem Eindruck der Energiewende eine bedrohliche Gemengelage zusammen. Mehr und mehr sehen sich die kommunalen Versorger gezwungen, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken. Zum Schaden der betroffenen Städte und zu Lasten der Bürger: Denn längst müssen die Kommunen die einst sicher geglaubten Erträge ihrer Töchterbetriebe abschreiben. Das klassische Modell, wonach die Stadtwerke als „Goldesel“ der Kommunen durch ihre Überschüsse im Energiesektor andere Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge – wie etwa den Nahverkehr — gegenfinanzieren, gerät zunehmend ins Wanken.

Auch die Umwelt leidet: Weil sie damit kein Geld mehr verdienen können, schalten Stadtwerke hocheffiziente Kohle- und Gas-Kraftwerke ab oder schrauben ihre Investitionen in erneuerbare Energie zurück.

Der südwestfälische Energieversorger Enervie in Hagen will seinen kompletten konventionellen Kraftwerkspark stilllegen, weil er damit tief in die Verlustzone gerutscht ist. Unter den Abschalt-Kandidaten ist ein modernes Gas-Kraftwerk in Herdecke, dass erst 2007 für 200 Millionen Euro gebaut wurde. Beim ebenfalls 2007 in Betrieb gegangenen Gaskraftwerk Hamm-Uentrop, an dem die Stadtwerke Bochum, Herne und Witten beteiligt sind, liefen bislang 50 Millionen Euro Verluste auf. Die drei Städte sind zudem beteiligt am Lüner Trianel-Kohlekraftwerk (Baukosten: 1,4 Milliarden Euro), dass Strom für 1,6 Millionen Haushalte produziert – und ein Minus in Höhe von 140 Millionen Euro.

In Duisburg haben die beiden Kraftwerke Hochfeld und Wanheim 2014 etwa 17 Millionen Euro Verluste produziert. Die Stadtwerke prüfen deren Abschaltung. Pläne für ein Wasserkraftwerk an der Ruhr und zwei Windräder wurden bereits zu den Akten gelegt.
Jüngste Äußerungen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) verunsichern die Stadtwerke-Bosse zusätzlich. Gabriel hatte sich jüngst gegen eine Bereitstellungsvergütung für konventionelle Kraftwerkskapazitäten in den Ausfallzeiten von Wind- und Sonnenenergie ausgesprochen.

„Wir sind zutiefst enttäuscht von Minister Gabriel“, sagte der Bochumer Stadtwerke-Chef Bernd Wilmert im Gespräch mit der WR. Werde nicht gegengesteuert, seien Versorgungsengpässe ab 2020/21 programmiert.