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Stadtplanung für die Bürger

03.03.2009 | 19:45 Uhr

Masterplan Ruhr 2008

Machen wir uns nichts vor: Das Ruhrgebiet war und ist in Teilen hässlich. Hier wurde malocht und eine ganze Region unter das Diktat von Bergbau- und Stahlindustrie gestellt. Das hat uns wunderbare Kathedralen der Industriegeschichte wie die Essener Zeche Zollverein oder den Duisburger Landschaftspark Nord hinterlassen. Dafür beneiden uns andere, und es ist richtig, dass wir die Industriearchitektur hegen und pflegen. Aber wir haben auch einen teilweise verlotterten Wohnbestand, der lieblos für die Massen von Arbeitskräften hochgezogen wurde. Dem trägt der Masterplan Ruhr 2008 Rechnung, indem es dort heißt: "Auch die Wohnraumbestände müssen für eine zukunftsweisende und nachhaltige Entwicklung unserer Städte genutzt werden: in Stand halten, in Wert setzen, behutsam weiterentwickeln, umnutzen und auch einmal etwas beseitigen."

Das Ruhrgebiet braucht in der Tat bessere Stadträume, Plätze und Straßen mit guter Architektur. Die Abrissbirne sollte Marodes platt machen, um dort neue attraktive Wohnungen für Senioren und junge Familien zu schaffen. Mit der guten Infrastruktur einer Metropolregion müsste es das Ruhrgebiet doch locker schaffen, dem Häuschen am betulichen Niederrhein oder im beschaulichen Sauer- und Münsterland Paroli bieten zu können. Noch ist aber das Ruhrgebiet eine Metropolregion, die anders als beispielsweise Hamburg, München und Frankfurt massenweise Einwohner verliert.

Vielleicht haben sich bislang die Stadtväter zu sehr von vermeintlich großer Architektur blenden lassen. Mit einem Stararchitekten wie Foster, Grimshaw und Teherani schmücken sich unsere Oberbürgermeister und Baudezernenten halt gerne. Das ist ein Hauch von großer, weiter Welt. Dumm nur, dass beispielsweise der spektakuläre Teherani-Entwurf der "Living Bridge", die in Duisburg die Ruhr überspannen soll, bislang keine Mieter gefunden hat. Die dort geplanten Wohnungen sind für den Normalbürger einfach zu teuer. Wer das Geld hat, zieht lieber direkt ins Penthouse nach Düsseldorf-Oberkassel.

Das Ruhrgebiet sollte nicht auf die große Geste der Architekten setzen, die zu oft ohne Verantwortung für das Umfeld ihre eitle Visitenkarte hinterlassen. Die Metropolregion Ruhr könnte sich dabei ein Beispiel an Köln nehmen. Dort hat der Architekt Albert Speer junior, der sich als Stadtplaner versteht, in jahrelanger akribischer Detailarbeit mit der Stadtverwaltung, der Politik, der Wirtschaft und den Bürgern einen Masterplan entwickelt, der sich vornehmlich nach den Bedürfnissen der Bewohner richtet.

Wilhelm Klümper

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