Staatsanwalt nach Anklage gegen Argentiniens Präsidentin tot

Alberto Nisman, im Jahr 2006 in Buenos Aires.
Alberto Nisman, im Jahr 2006 in Buenos Aires.
Foto: dpa
Der Tod eines Topstaatsanwaltes erschüttert Argentinien. Der Ermittler erhob brisante Vorwürfe gegen Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner.

Buenos Aires/Tel Aviv.. Ein argentinischer Staatsanwalt, der vor wenigen Tagen Anklage gegen Staatspräsidentin Cristina Fernández de Kirchner erhoben hatte, ist unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Alberto Nisman untersuchte die Hintergründe des Attentats auf das jüdische Gemeindehaus Amia im Jahr 1994 mit 85 Toten. Er sei am Sonntagabend tot in seiner Wohnung in Buenos Aires aufgefunden worden, teilte das Sicherheitsministerium am Montag mit. Neben ihm seien eine Waffe vom Kaliber 22 und eine Patronenhülse gefunden worden. Die Regierung Israels bekundete "tiefe Trauer" über Nismans Tod.

Die ermittelnde Staatsanwaltschaft konnte noch nicht sagen, ob es sich um Selbstmord handelt oder nicht. Nismann hatte Kirchner und Außenminister Héctor Timerman Mittwoch vergangener Woche vorgeworfen, sie hätten die Vorgänge um den Anschlag vom 18. Juli 1994 verschleiern wollen. Als Drahtzieher des Attentats auf das jüdische Zentrum werden unter anderen ranghohe iranische Politiker vermutet.

Regierung nannte Anklage "lächerlich"

Kirchner und Timerman planten laut Nisman die Verfolgung von sieben verdächtigten Iranern einzustellen, um die wirtschaftliche Beziehungen zum Iran zu verbessern. Die Regierung hatte die Anklage als "lächerlich" bezeichnet. Der zuständige Richter sollte erst im Februar die Zulässigkeit der Anklage überprüfen. An diesem Montag hatte Sonderstaatsanwalt Nisman seine Vorwürfe im Parlament erläutern wollen.

Mercosur Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Emmanuel Nahshon, bezeichnete Nisman als "mutigen Juristen" und "furchtlosen Kämpfer für die Gerechtigkeit". Er habe mit Entschlossenheit gehandelt, um die Identität derjenigen herauszufinden, die das Attentat ausgeführt und die Angreifer geschickt hätten, sagte Nahshon in Tel Aviv. Er hoffe, dass die argentinische Behörden die Arbeit Nismans fortsetzten.

Der Opposition berichtete er von Drohungen

Unbestätigten Medienberichten zufolge lag er am Sonntag mit einer Schusswunde in seiner Badewanne. Wie die Autopsie ergab, starb er duch einen Kopfschuss. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Télam am Montag unter Berufung auf Justizkreise. Ob es sich um Selbstmord handelt, blieb weiter unklar. Die Oppositionsabgeordnete Patricia Bullrich berichtete, Nisman habe ihr am vergangenen Freitag und am Samstag gesagt, dass er bedroht worden sei.

Militärjunta Die für den Fall zuständige Staatsanwältin Viviana Fein konnte wenige Stunden nach dem Tod ihres Kollegen noch keine Details nennen. "Ich kann keine Prognose geben", erklärte sie lokalen Medien. Nisman sei von seiner Mutter leblos aufgefunden worden. Die Tür zu seiner Wohnung im 13. Stock sei nicht verstärkt gewesen. (dpa)